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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
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Philologie.

reich die classische Philologie im 16. und einem Theile des 17. Jahrhunderts einePeriode hohen Glanzes, an welchem auch das römische Recht (Gothofredus, Cujacius)und die Geschichtschreibung (de Thon, Thuanus) bethciligt sind. Die Männer, diehier hervortreten, sind zwar Franzosen von Geburt, sie haben aber ihren Aufenthaltzum Theil, weil dem Protestantismus zugethan, nothgedrungcn auch in den Nachbar-ländern, Italien, Holland, Genf, England, Deutschland, Schweden. Wir nennen unterden altern Budo (Budäus), Jul. Cäsar Scaliger, Adrian Tournebu (Turnebus), DcnysLambin (Dionysius Lambinus), Antonius Muretus, FranciScus Hotomannus, Peterund Franz Pithou (Pithoeus), besonders die Buchdruckerfamilie Stephanus (Etienne)Robert, Heinrich, Paul, dann die drei großen Philologen Joseph Justus Scaliger,Jsac CasaubonuS, Claudius Salmasius, ferner die Jesuiten Dionysius Petavius undFranciScus Vigerus. Diese Männer gehören den verschiedensten Berufsarten an, sielehren an Universitäten, stehen in Staats- nnd Kirchcnämtern, Privat- und Hofdiensten.Ihre Gelehrsamkeit umfaßt die verschiedensten Gebiete des Wissens, heilige und profane.Literatur, orientalische und moderne Sprachen, auch Mathematik und Naturwissenschaft.Als Philologen glauben sie alles Wissen in sich schließen zu sollen, ihre Wissenschaftdie Philologie, eine Encyklopädie alles Wissens, erscheint als die Königin aller Wissen-schaften und erfreut sich der besonderen Gunst der Höfe in Frankreich, England, Schweden.

Indessen brachte das Aufblühen der französischen Nationalliteratur am Hofe Lud-wig LIV. die Frage in Anregung, ob nicht die modernen Klassiker den alten vorzu-ziehen seien. Der Cultus der alten Klassiker trat zurück und bald stieg die philologischeThätigkeit auch hier herab auf das Gebiet der Pädagogik. Es entwickelte sich einestarke Thätigkeit im Uebersetzen griechischer und lateinischer Classiker und im Anrichtenderselben für die Zwecke der Schule unter jesuitischem Einfluß.

Was aber die gelehrte Thätigkeit der Philologen betrifft, so richtete dieselbe auchhier sich mehr auf Antiquitäten, Mythologie, Geographie und Kunst, Epigraphik undNumismatik. Seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts Wurde indes diesprachliche Seite der Philologie, Ucbcrsetzung, Exegese, Kritik wieder stärker cultivirt,doch mit vorwiegender Richtung auf die Historiker und Redner (Crevier, Larcher, deBrosses, Volney, Clavier; Brunk, Oberlin, Schweighäuser; Villoison, Raoul Rochette,Boisonnade, Letronne). Die auf dem Gebiete der classischen Philologie gewonnenen, inder gebildeten Gesellschaft verbreiteten Anschauungen haben trotz den auf den reagiren-den Ideen Rousseaus beruhenden, jedoch nur vorübergehenden Neuerungen im Unter-richtswesen, welche von dem Nationalconvent auSgiengen, ihre tief eingreifende praktischeBedeutung während der französischen Revolutionszeit in einer Reihe sehr charakteristischerErscheinungen an den Tag gelegt.*)

In allerneuester Zeit aber kann sich die classische Philologie rühmen, die ganz be-sondere Beachtung des Herrschers der französischen Nation auf sich gezogen zu haben,welche sich in der berühmten, auf großen, umfangreichen und kostspieligen Vorarbeitenruhenden Bearbeitung des Lebens und der Geschichte von Julius Cäsar durch Napo-leon III. beurkundet.

Es ist eine beachtenswertste Thatsache, daß der Aufschwung und die Blüte derfranzösischen Philologie in die Zeiten fällt, in welchen das französische Volk durch po-litische und religiöse Kämpfe im höchsten Grade erregt war. Dieselbe Erscheinung trittuns in Holland entgegen. Diese kleine Republik, in deren Gebiet früher schon dieerfolgreichen Institute der Hieronymianer erstanden waren, hat seit dem Beginn ihresKampfes um Unabhängigkeit nicht nur eine Reihe von ausgezeichneten Staatsmännern,Militärs, Künstlern und Gelehrten in allen Zweigen des Wissens hervorgebracht, sondernauch auf ihren Universitäten zu Leyden, Utrecht, Franecker, Gröningen, sowie auf anderen

*) Vgl.Die französische Revolution und das classische Alterthum", ein Vortrag von Hirzel.Morgenblatt 1862 Nr. 16.