Druckschrift 
6 (1867) Philologie, classische - Reformation
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

Philologie.

17

Quellen stattgefunden, welche die Errichtung von zahlreichen Schulen und Erziehnngs-häusern im Norden und Südwesten von Deutschland znr Folge gehabt hatte.*) Ausdiesen, besonders von höheren Ständen cultivirten Schulen gieug eine Anzahl ausge-zeichneter Männer hervor, welche zum Theil Italien besuchten, die Borträge der Humanistenhorten und diesen Studien in ihrem Vaterland besonders unter den höheren StändenAufnahme verschafften (Moriz v. Spicgelberg, Rudolf v. Lange, Alexander Hcgius,Rudolf Agricola, DesidcriuS Erasmus, Hermann von dem Busche), ihnen reihte sichConrad Celtes und Johann Renchlin in Süddentschland an.**)

Indessen wurde in Deutschland dieser Humanismus, der unter der Protection vonFürsten stand wie Herzog Eberhard in Württemberg, Joh. v. Dalberg Bischof vonWorms, Friedrich dem Weisen Kurfürsten von Sachsen, aber auch von einflußreichenPrivatpersonen wie Pirkheimer und Pcntinger begünstigt wurde, von den Fluten derim Anfang des 16. Jahrhunderts eintretcnden kirchlichen Bewegung, welche alle geistigenKräfte in Anspruch nahm, absorbirt und hatte nur hauptsächlich die Vermehrung undplanmäßige Organisation von Gelehrtenschulen verschiedener Stufen (Lateinschulen, Päda-gogien, Gymnasien, Klostcrschnlen, Fürstenschnlen) zur Folge. Die deutsche Philologiedes 16. Jahrhunderts ist fast ausschließlich durch Schulmänner und Pädagogen ver-treten, an deren Spitze der prneooptor Avrmnniao Philipp Melanchthon, weiter EobannsHessus, Valentin Trotzcndvrf, Joachim Camerarins, Jakob Micyllus, Johann Sturm,Hieronymus Wolf, Michael Neander. Alle diese Schulen stehen unter der Aufsichtder Kirche und sind meist ans ihren Mitteln gegründet.

So wie hier die frei strömenden Gewässer eingcdämmt und in ein ordentlichesBette geleitet wurden, so kühlte sich in Italien unter dem Einfluß der regenerirtenKirchengcwalt***) der Enthusiasmus allmählich ab, die immerhin noch verdienstlichen Be-strebungen der italienischen Kritiker, Exegeten, Grammatiker, Stilisten, Archäologen des16. Jahrhunderts, der Manutins, Phavorinns, Victorins, Majoragins, Ligorius,Robortellns, llrsinnS, Tnrsellinns hatten einen mehr ruhigen und zahmen Charakter.In den folgenden Jahrhunderten minderte sich allmählich das sprachliche Interesse, daSStudium des Griechischen trat bedeutend zurück und es tritt eine vielfach dilettantischeRichtung auf antignarische und archäologische Studien ein, welche auf dem klassischenBoden (Pompcsi und Herculauum) eine reichliche Nahrung fanden (Leo Allatins, Mezzo-barba, Bnonarotti, Fabretti, Visconti, Muratori, Maffei, Ficoroni, Lagomarsini, Gara-toni, Angelo Majo, Bartolome» Borghese). Ebenso bewegten sich in wohlregnlirtenGeleisen die Dichter, Grammatiker, Exegeten und Kritiker des Jesuitenordens, welcherwie dem Erziehnngs- und UnterrichtSwesen überhaupt, so insbesondere den philologischenStudien große Aufmerksamkeit znwcndete und auch auf diesem Gebiete nicht Gewöhn-liches geleistet hat. Ans Spanien, dem Geburtslandc des Ignaz v. Loyola, sind dienumismatischen Studien des Antonio Agostino und die grammatischen des Sanchez(8:u>ckii Llinvrva) hervorragend. Im übrigen hat die Reformation ans den Gangder philologischen Studien in diesen Ländern, welche die kirchliche Bewegung von sichfern zu halten oder zu unterdrücken wußten, keinen bemerkenswerthen Einfluß geäußert.

War in diesen Ländern das humanistische Feuer gedämpft und das hochfliegendeStreben ans die ebeneren Bahnen der Pädagogik herabgcdrückt, so durchlief in Frank-

*) Vgl. Geschichte der Erziehung und des Unterrichts in den Niederlanden u. s. w. vonKramer. 1843.

Vgl. Geschichte des Wicdcranflstühcns der wissenschaftlichen Bildung, besonders inDeutschland, von Erhard. 1827. MeinerS Lebensbeschreibungen berühmter Männer. 1785.

***) lieber dieses Einlenken der italienischen Humanisten in die Bahnen der Kirche, insbe-sondere über den Charakter des Hmnauisnins in Italien während des 16. Jahrhunderts, vgl.die Abhandlung eine« verehrten Mitarbeiters Kämmcl in N. Jahrb. I86S. 11. S. 54ö-öS6 :^k?otrus Viotorüm."

Pädag. Encyklop.idie. VI.

2