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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
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Philologie.

ziskus Poggius, AmLrosio Traversari, Franziskus Ph'lelphus, Carlo Aretino, LaurentiusValla; jüngere: Georg Merula, Christopherus LandinuS, Julius Pomponius Lätus,Nikolaus Perottus, Marsilius Ficinus, Philippus Beroaldus 1 und 2, Angelus Poli-tianus, Picus von Mirandola u. s. w.

Soll nun die gelehrte Thätigkeit dieser Philologen und Priester des Humanismusnäher bezeichnet werden, so ist sie zu charakterisircn l) negativ als durchaus unkritisch,was Form und Inhalt betrifft. Weder die Anwendung einer methodischen Terteskritik,noch die Einführung der höhern Kritik gehört diesem Zeitalter an vor Verbreitung derBuchdruckerkunst. Es handelte sich um das Gewinnen und Haben der Schätze. Schonder Besitz beseligte, man hatte noch nicht angcfangen denselben zu untersuchen, zulichten und zu vergleichen. In dieser Beziehung ist die Buchdruckerkunst epochemachend.Das Gedruckte, für größere Kreise und längere Zeiten bestimmt, erheischte gebieterischeine gewiße Correctheit, die nur durch einen bedeutenderen Apparat zu erzielen war.Was aber den Inhalt betrifft, so nahm man alles vom elastischen Altcrthum Geboteneeben so unkritisch auf. Man wollte so sprechen und schreiben, so leben und sterben,wie die Alten es gethan. Lorcnzo von Medicis stirbt nach der Schilderung Politiansnicht anders, als ein Sokrates. Man findet daher nicht nur die Tugenden der Altengepriesen, dargestellt und nachgeahmt, sondern auch ihre Laster; Leidenschaft, Zanksucht,Schmutz und Gemeinheit aller Art werden von diesen Humanisten reproducirt.*) Daßman mit dieser Adoration einer außerhalb des Christenthums liegenden Cultur mitder Kirche sich im Widerspruche befinde, darüber schien kein Bewußtsein vorhanden.Die Kirche und ihre Institute förderten diese Studien eben so wie die Demokraten,Aristokraten, Monarchen in den Staaten. Eine apologetische oder aggressive Polemikgegen andere Gebiete zu eröffne» hatte man demnach keine Veranlassung. Sollen wirdaher die Studien dieser Humanisten und Philologen 2) positiv charaktcrisiren, somüßen wir sagen: ihre Hauptleistnngcn sind Nachahmungen nach Form undInhalt; neben den exegetischen, grammatischen und rhetorischen Studien, die eben dieFähigkeit zu reproduciren zum Zwecke haben, ist ihre Schriftstellerei Nachbildung inPoesie und Prosa, Lyrik und Epik, Geschichtschreibung, Epistolographic, Reden, Ueber-setzungen, Streitschriften. So sehr daher die Selbständigkeit dieser Studien, ihre Unab-hängigkeit von gebietenden äußeren Mächten, Kirche und Staat, im Gegensatz zu denvorangehenden Zeiten des Mittelalters hcrvorzuhebcn und anzuerkenncn ist, daß siedieselben um ihres inneren Werthcs willen, wegen ihrer eigenen Schönheit und Voll-kommenheit betrieben, so haben sie doch nichts selbständiges und originelles zu Tagegefördert, ihre Schriften werden daher wenig mehr gelesen und zu einer historisch-kritischen Erforschung und Auffassung des elastischen Alterthums vermochten sie sicheben deshalb nicht zu erheben, weil sie in demselben das Ideal und den Inbegriff allerBildung erblickten. Wie folgenschwer aber die Wahrheit sei, die in ihrem Streben,wenn auch ihnen unbewußt, ausgesprochen lag, daß es eine Geistescultur gebe, welcheaußerhalb des Bereichs der römischen Kirche liege, davon hatten sie kaum eine Ahnung.

In den Staaten des westlichen Europa, die von diesem Enthusiasmus nicht un-mittelbar berührt waren, in England, Frankreich, Spanien und Portugal, gab sich derEinfluß jener Bestrebungen in einer verstärkten Richtung auf griechische Studien zuerkennen, welche Nahrung und Unterstützung fand durch die vielen Nationalgricchen,die nach der Einnahme von Constantinopel durch die Türken in Westeuropa sich zer-streuten. In Ungarn ist die Negierung des Königs Matthias Corvinus 1458 bis1490 durch eine Zeit vorübergehenden Glanzes für die elastischen Studien bezeichnet,der aber nach seinem Tod alsbald wieder erbleichte.

Näher und nachhaltiger berührt war davon Deutschland, in welchem Lande schonim 14. Jahrhundert durch die Hieronymiancr (vgl. d. Art.) eine lebhafte Bewegungzur Verbesserung des Schulunterrichts und gegen die Verwilderung der Geistlichkeitunter Beseitigung der scholastischen Methode und Bücher und Zurückgehcn auf die