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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
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Philologie.

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sondern einseitige, zumeist praktische Tendenzen verfolgten. Exegese, Kritik, Grammatik,Literatur, Kunst und Antiquitäten der classischen'Völker sind von ihnen nicht cultivirtund deren Erkenntnis also auch nicht gefördert worden. Ein untergeordnetes, ihnennicht znzurechnendes Verdienst ihrer Kultur besteht darin, daß von ihren Schulen auseinzelne Schriften der Klassiker, insbesondere des Aristoteles, dem christlichen Abendlandwieder bekannt geworden, wodurch sie zu Begründung der christlichen Scholastik bei-getragen. Endlich ist durch sie dem Abendland ein neues Schreibmaterial, olmrtnbomb)mina, bekannt geworden.

In diesem Stande der Dienstbarkeit und des Verfalls befand sich die elastischePhilologie, bis sie im 14. und 15. Jahrhundert zunächst in Italien zu einer Selb-ständigkeit und Blüte sich aufschwang, welche ihr auf lange Zeit hinein eine Art vonPrinzipat in der Republik der Wissenschaften sicherte, ein Prinzipat, welches noch indiesem Jahrhundert in der von Ast ansgestellten Lebensregel sich ausgedrückt hat:Bilde dich griechisch." Die Gründe dieser merkwürdigen Zeitströmnng, für welcheAnalogieen nahe liegen in dem fast gleichzeitigen Drang nach Reisen, Entdeckungenunv materiellen Schätzen, welcher das portugiesische und spanische Volk beherrschte,ferner in dem Äusschwunge der Geister, welcher das 18. Jahrhundert anszeichnet, sindzu suchen theils in den Verhältnissen Italiens, wo unangefochten vom Ausland eingroßer Wohlstand durch Handel und Verkehr und ein bewegtes kirchliches, politischesund sociales Leben unter den vielen Staaten von mancherlei politischen Verfassungensich entwickelt hatte, theils in der schon oben erwähnten wieder erneuerten Verbindungmit Griechenland, theils in der Persönlichkeit einzelner hochbegabter und einflußreicherMänner, insbesondere des Petrarca und Boccaccio. Es dürfte aber schwer sein, dieUrsachen dieser merkwürdigen Erscheinung zu erschöpfen. Es wird immer ein unerklär-barer Nest übrig bleiben, für welchen man genöthigt ist, in die transscendente Welt zugreifen und sich mit dem Urtheil zu begnügen, daß die Zeit gekommen war, in welcherdie Geister berechtigt waren, sich ans der Zucht der Auctorität, unter der sie bishergestanden, zu emancipiren, und ans dem beschränkten Kreise anszntreten, innerhalbdessen sie sich bisher bewegt hatten. Die neue Welt, welche sich vor den erstauntenAugen anfthat, wurde mit Enthusiasmus begrüßt und es entwickelte sich eine außer-ordentliche Thätigkeit ans dem Gebiete der classischen Philologie, mächtig gefördertvon einflußreichen Privatpersonen, insbesondere aber von den Regierungen und Staats-oberhäuptern, von monarchischen, wie von repnblicanischen und geistlichen, von Päbsten(Nicolaus V.), Ordensgeneralen, den Beherrschern von Neapel, Mailand, Mantua,Ferrara, den Regierungen von Venedig und Florenz, vor allen von den MediceernCosmo und Lorcnzo.**) Durch deren Munificenz entstanden wissenschaftliche Instituteund reiche Sammlungen von Handschriften und Kunstwerken, wie die mediceische Biblio-thek in Florenz, die vaticauische in Rom, die Marcusbibliothek in Venedig, Akademieen,freie wissenschaftliche Vereine, Schulen und Erziehungsanstalten an zahlreichen Orten.Die Gelehrten selbst aber, welche zum großen Theil ein Wanderleben führten, Wo sieerschienen, Massen von Zuhörern um sich vereinigten und so auch das materielleInteresse stachelten, sind nicht bloß Lehrer und Schriftsteller, sondern meist auch Staats-männer, Gesandte, kirchliche Würdenträger. Die Schönheit und Eleganz der Spracheund des Vortrags, die Gewandtheit in Geschäften und im Umgang mit Menschenmachte sie vornehmlich geeignet zu diplomatischen Verhandlungen und zu politischerThätigkeit. Die bedeutendsten Namen sind 1) Griechen: Chrysoloras, Bessarion, Gaza,Georg von Trapezunt, Argyropulos, Gemistns Pletho, Laskaris, Chalkondylas.2) Italiener ältere: Gnarino Gnarini, Leonardo Aretino, Vittorino von Feltre, Fran-kl Ast, über den Geist des Alterthums und dessen Bedeutung für unser Zeitalter. 180S.S. 20.

Vgl. hierüber besonders Hnndeshagen, über die Natur und geschichtliche Entwicklung derHnmanitätsidee. 18ö3.