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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
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Philologie.

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die Bildung der antiken Welt, in deren Mitte es gestellt war, entbehren; es bedurftederselben sowohl zur Auseinandersetzung mit seinen Gegnern als zu den Zwecken derBildung und Erziehung, und es ist in dieser Beziehung bezeichnend, daß der erklärteFeind des Christenthums, der Kaiser Julian, gegen dasselbe einen Hauptschlag zuführen gedachte, als er den Christen verbot, in ihren Schulen die alten Classiker zulesen, und ihnen anmuthete, sich mit ihrem Matthäus, Markus, Lukas rc. zu begnügen.In dem Streit, der sich durch die ganze Geschichte der christlichen Cultur hinzieht, obdie elastische Philologie ihrem Inhalte nach als ein widerchristliches Erzeugnis zu betrachtenoder ob in derselben auch eine Stufe der Vorbereitung für die höchste Wahrheit zu findensei, entschied man sich an maßgebender Stelle allmählich für die mildere Ansicht. DiePhilologie behielt gegenüber von der christlichen Kirche eine befreundete, aber freilichuntergeordnete Stellung. Das Monopol hatte sie verloren, sie war fortan die Magdder Kirche geworden.

Die Verpflanzung der elastischen Philologie auf fremden, nicht nationalen Boden,welche im römischen Reich begonnen hatte, vollzog sich im Mittelalter,*) als sichdieselbe bei den Barbaren niederließ, welche das römische Reich zertrümmert hatten,bei den Völkern Westeuropas und nachher bei den Arabern. Selbst bei den Byzan-tinern, die mau in Beziehung auf Wohnort, Abstammung, Religion, politische undsociale Zustände kaum als eine Fortsetzung des alten Hellenenthums wird ansehenkönnen, war sie nicht eigentlich zu Hause. Indessen ist ihr Gebiet und Umfang be-deutend geschmälert nicht nur durch die großen Verluste, welche sie durch die Barbarenund den Fanatismus der Christen und Muhamedaner erlitt, sondern auch durch dieGetheiltheit der Studien, da im byzantinischen Reich nur das Griechische, im Occidentvornehmlich das Lateinische angebant wurde, ferner durch das Verschwinden der primärenQuellen, an deren Stelle secundäre Auszüge, Uebersetzungen, Paraphrasen, encyklopädischeWerke traten. Ferner verschwindet die freie Stellung, welche die Philologie als Bildungs-mittel im Alterthum gehabt hatte. Ueberall im Abend- und Morgenland steht sie im Dienstder Kirche, des Staates oder Hofes, welche wiederum das Verdienst haben, sie erhaltenund ihren völligen Untergang abgewendet zu haben. An den Höfen erscheint sie meistals ein Luxusartikel, als eine gewisse Art von Schmuck, oder als ein vornehmes Spiel-zeug. Da aber das römische Reich in der Form der römischen Kirche und des römi-schen Kaiserthums eine Art von Fortsetzung erhielt, so mußten diese Mächte auch diePhilologie, wenn man die lateinische Sprache des Mittelalters so nennen darf, inihre Dienste nehme». So wurde die lateinische Sprache, ob zwar in corrumpirterGestalt, die Sprache der Kirche, des Staats, der Diplomatie und der Bildung. AlsMittel der Disciplin und Einheit des Regiments insbesondere von der Kirche gebrauchterhielt sie sich eine gewisse Lebendigkeit und Universalität, und man wird im Mittel-alter die lateinische Sprache noch nicht als eine todte bezeichnen können. Dagegenerscheint das Griechische im Abendland nur sporadisch, als ein auszeichnender Besitzeinzelner Persönlichkeiten, wie des Beda venerabilis, Alcuin (?), Rhabanus Maurus,Bruno v. Cöln, Sylvester II., Hermann Contractus, Abälard, Joh. v. Salisbury,Roger Baco. Ganz analog verhielt es sich im byzantinischen Reich mit dem Latein.Als Lei der wachsenden Türkengefahr die byzantinischen Kaiser im 14. und 15. Jahr-hundert wieder engere Verbindungen mit dem Abendlande anknüpften, mußten dieGriechen Latein und die Italiener Griechisch lernen. Mancherlei Uebersetzungen undgrammatische Arbeiten waren die Folge dieser erneuten Berührungen (Maximos Pla-nudcs, Bessarion, Leontios Pilatos, Chrysoloras, Gaza, Laskaris, Chalkondylas).

Uebrigcns kann von philologischen Studien zum Zwecke der Darstellung undErforschung des antiken Lebens aus den Monumenten der Kunst und Literatur im

*) Vgl. die Wiederbelebung des class. Alterthums von Voigt. 1859. Ullmann, Reforma-toren vor der Reformation Bd. II. 1848.