12 Philologie.
die römische Sprache und Literatur und zuletzt durch das Christenthum eine ganz ver-änderte Stellung.
Wir werden nicht irren, wenn wir der philologischen Thätigkeit in der römischenWelt wesentlich einen educatorischen Charakter znschreiben und den Grund derBedeutung, welche die classische Philologie als Bildungselemcnt, als pädagogischesMittel gewonnen hat, in dem römischen Zeitalter suchen. Das System der römischenErziehung in den gebilvcten Ständen brachte es mit sich, daß das Griechische inöffentlichen Schulen sowohl als in Privathäusern gelehrt und die Sprache durch ähn-liche Uebungen, wie in unfern Schulen gelernt wurde. So wurde dann auch von denletzten Jahrhunderten der Republik an die ältere römische Literatur Gegenstand desSchulunterrichts, und diese Stellung hat die griechische und lateinische Sprache alsElement der höheren Volksbildung bis heute in unseren Schulen behauptet.
Es begegnen uns in allen Theilen des römischen Reichs zahlreiche Schulen vonfremden und einheimischen Schülern besucht, mit Lehrern und Lehrmitteln Wohl ausge-stattet, deren Tendenz ist, durch Uebungen ans dem Gebiete der lateinischen und griechischenSprache (Grammatik, Rhetorik) die znm praktischen Leben uothwendige formale Bildungzu bieten. Diese Tendenz geht durch die heidnischen und christlichen Schulen. Daherist es begreiflich, daß die grammatisch-rhetorischen Arbeiten das Uebergewicht habenüber die exegelisch-kritischcn, daß statt gründlicher Monographien oder Einzelforschnngenuns encyklopädische Werke entgegentreten, daß endlich die Exegese, Nachbildung undUebersetzung im Dienste der Schule, der Erziehung und der allgemeinen Bildung steht(Asconius, Helenius Atro und Pomponius Porphyrie, Aelius Donatus, ClaudiusDonatus, Servius), die kritischen Studien aber mit Vernachlässigung der nur wenig(Valerius Probus) cultivirten Textes - und höheren Kritik, eine ästhetische Richtungnahmen (man denke an Cicero, Horatius, Ouinctilian, Tacitus, Suetonius, die roeita-tionss st eommissionss in Nom, ferner an die Griechen Dionysius von Halicarnaß,Dio Chrysostomns, Aristides, Plutarch, Lucian, Longin). Dagegen treffen wir beiGriechen und Römern auf bedeutende Leistungen aus dem Gebiete der Grammatik.(Aelius Stilo, M. Terentius Varro, Nigidius Figulus, Julius Cäsar, ValeriusProbus, Suetonius, A. Gellius, Aelius Donatus, Flavins Charisius.) Während dierömischen Grammatiker die Syntax noch zur Rhetorik rechnen, hat von den zweigroßen griechischen Grammatikern dieser Zeit, Apollonius Dyskolus und Herodian,mit welchen die grammatische Wissenschaft des Alterthums zur Vollendung gelangt ist,Apollonius zuerst die Syntax abgesondert von der Rhetorik vom grammatischen Stand-punct aus aufgefaßt. Ebenso bietet diese Zeit erstmals lexikalische Arbeiten, die das ganzeSprachgebiet umfassen. Hieher gehört das große griechische Lexikon des AlexandrinersPamphilus in 95 Büchern (nex-t ^-»oawv), das große lateinische Werk des VerrinsFlaccus üo verborum signiüoations aus dem Zeitalter Augusts, erhalten in demfragmentarischen Auszug des S. Pompeius Festus und des Paulus Diakonus, dasOnomastiken des Julius Pollux aus der Zeit des Commodus, das Lexikon des Hesy-chius (?) und andere Sammlungen. Und wenn sich in diesen grammatischen und lexika-lischen Arbeiten neben praktischen Tendenzen ganz entschieden auch eine Richtung ansGelehrsamkeit und Wissenschaft kund giebt, so ist dies noch mehr der Fall in denency-klopädisch antiquarischen Studien, wie sie in Catos Origines, in einzelnen Werkenvon Cicero, ganz besonders aber in den Arbeiten Varros, der Naturgeschichte desPlinius und auf griechischem Gebiet in den Deipnosophisten des Athenäus hervor-treten.
Eine Erwähnung in der Geschichte, der Philologie dieser Zeit verdienen auch dieNeuattiker als Konservatoren der gebildeten griechischen Sprache und die Neuplatonikerwegen der ausgedehnten Anwendung, die sie von der allegorischen Interpretationmachten.
Das Christenthum aber konnte weder die elastischen Sprachen, noch überhaupt