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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
Entstehung
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Philologie.

einzelnen Theilen beschäftigt, ober dasselbe als Ganzes ins Auge faßt, eine niedereoder höhere. Die erstere sucht theils auf dem Gruude der vorhandenen historischenHülfsmittel (kritischer Apparat), theils durch eigene Vermuthungen die ursprünglicheGestalt eines Werks herzustellen (diplomatische Conjecturalkritik). Die letztere hatdie Aufgabe, den Ursprung eines Werks und seine Vollständigkeit im großen und ganzenzu erforschen. Sie gründet ihre Untersuchungen theils auf äußere, historische Zeugnisse,die außerhalb des Werkes selbst liegen, theils auf innere Beweise, die aus der Be-schaffenheit und den Angaben des Werkes selbst abzuleiten sind. Diese Untersuchungensetzen, neben völliger Vertiefung in den Geist und die Form eines Werkes, die um-fassendsten literar-historischen Kenntnisse voraus. Auf dem Gebiet dieser höheren Kritikliegt alles das, was die neuere Zeit über die homerische Frage, über die Glaubwür-digkeit der älteren römischen Geschichte, über die Entstehung des Nibelungenliedes undden Ursprung der Evangelien zu Tage gefördert hat. Auch die Kritik ist selbstver-ständlich anzuwenden auf Kunstwerke, nach deren Authentie und Integrität zu fragenebenso wichtig ist, wie Lei den Erzeugnissen der Literatur. Es mag hier darauf hin-gewiesen werden, welchen weiten Spielraum hier die Conjccturalkritik im großen hat,Wenn es sich davon handelt, alte Kunstwerke, die ja noch weit seltener in vollständigerGestalt auf uns gekommen sind, als die Schriftstücke, in ihrer ursprünglichen Gestaltwieder hcrzustellen, wie z. B. die Gruppe der Aegineten von Thorwaldsen und Wagnerwieder hergestellt worden ist. Hier handelt eS sich nicht bloß von einzelnen divinato-rischen Gedankenblitzen, sondern der Kritiker muß zugleich Künstler, er muß dem ur-sprünglichen Schöpfer des Werks congeniäl sein.

Wenn man nun die Quellen, aus denen der Lcbcnsgehalt des klassischen Alter-thums zu entnehmen ist, kennt und versteht, so ergiebt sich als zweite Ausgabe, diesenLebensgehalt darzustellen. Hiezu dienen felgende Disciplinen.

Vorerst muß der räumliche Grund verzeichnet werden, auf welchem die elastischenVölker sich bewegen. Geographie von Altgriechenland und Altrom.

Sodann ist die zeitliche Anschauung darzustelleu, welche den elastischen Völkerneigenthümlich war, die Berechnung und Bezeichnung der Tage, Monate, Jahre. DieSysteme der Zeitrechnung. Chronologie der Griechen und Römer.

Drittens ist der zeitliche Verlauf der Schicksale dieser Völker zu schildern. Ge-schichte der Griechen und Römer. Hiebei sind einerseits die kulturhistorischenMomente besonders zu beachten, andererseits muß sich der philologische Charakter dieserTisciplin in einer streng kritischen Richtung und besonnenen Benützung der Quellendarthun.

Diese drei Disciplinen geben gleichsam den Grund ab, auf welchem und denNahmen, innerhalb dessen das Leben der elastischen Völker darzustellen ist. Der Lebens-gehalt der elastischen Völker selbst nun wird am einfachsten nach den verschiedenenLebensgebieten verthcilt. So erhalten wir ein Gebiet für das religiöse, politische,private, künstlerische und literarische Leben der Griechen und Römer. Die drei erstenGebiete werden öfters unter dem von Varrv stammenden Namen (antignitatos) Alter-thümer zusammengefaßt (religiöse oder gottesdienstliche, Staats-, Privat-, Kriegsalter-thümer). Das religiöse Gebiet wird dargestellt in den Disciplinen derMytho-logie", derTheologie" (Glauben und religiöses Leben der Völker) und dergottes-dienstlichen Alterthümer" (Cult).

Das Gebiet des staatlichen Lebens wird dargestellt in den Staats alterthü-mern", welche das öffentliche und Privatrecht, die Regierung und Verwaltung, dieFinanz- und Volkswirthschaft und das Kriegswesen in sich schließen.

Das Gebiet des Privatlebens behandeln diePrivatalterthümer".

Das künstlerische Leben nach allen Richtungen stellt sich dar in derArchäo-logie der Kunst", welche theils eine Geschichte, theils eine Systematik der Kunst beiGriechen und Römern in sich begreift.