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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
Entstehung
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Philologie.

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Die Wissenschaft von der Sprache dieser Völker muß ausgehen von der allgemeinenSprachwissenschaft und jene zu verstehen suchen unter Vergleichung der verwandtenIdiome und nach ihrer historischen Entwicklung; sie muß ferner die Sprache nach ihreneinzelnen Bestandtheilen, Elementen, Wörtern, Formen, aber auch die Sprache als ein Ganzes(Syntax, Stilistik, Rhetorik, Metrik) begreifen. Die Wissenschaft von der Kunst jenerVölker aber muß, ausgehend von der Kunst im allgemeinen (Aesthetik), jene begreifennach ihrer Entstehung und historischen Entwicklung, nach den Stoffen, mit denen siees zu thun hat, den verschiedenen Arten der Bearbeitung, den verschiedenen Gegen-ständen der Kunst und fortschreiten zur Darstellung der' höchsten Gesetze, welchen dieKunst gefolgt ist. Würde der angehende Philologe sich ebenso angelegentlich mit denElementen der Kunst beschäftigen, als er mit den Elementen der Sprache sich zu thunmacht, so müßte er frühe eine ganz andere, viel reichere und vollständigere Kenntnisdes Alterthums erhalten, er würde für die Anschauung eines Kunstwerks, einer Vase,eines Torso oder einer Mosaik einen ebenso vorbereiteten und offenen Sinn mitbringen,als dies jetzt bei der Anschauung literarischer Monumente des klassischen Alterthumsder Fall ist.

Die Hermeneutik ist die Kunst, ein Werk der Literatur oder Kunst soanszulegen, wie es der Sinn deS Autors war. Sie hat also eine subjective und eineobjective Seite, der Gegenstand der Hermeneutik soll in die Anschauung des Hcrme-nenten ausgenommen werden. Eine rein subjective Hermeneutik, ohne Object, ist daherebenso wenig denkbar, als eine rein objective ohne Subject; und wenn man zwischenbeiden Arten von Hermeneutik unterscheiden will, wie häufig geschieht, so kann dochnur von einem relativen und graduellen Unterschied die Rede sein. Ebenso verhält essich mit der Unterscheidung von realer und formaler Hermeneutik; es giebt hier keineForm, die nicht einen gewitzen Inhalt, keinen Inhalt, der nicht eine gewiße Formhätte, und es kann auch hier nur davon die Rede sein, daß die eine oder andere Seitevorzugsweise hervorgekehrt wird. Eine allegorisch-symbolische Auslegung aber istneben der grammatisch-historischen nur dann berechtigt, wenn vorausgesetzt werden kann,daß der Verfasser dem Gegenstand eine solche Bedeutung neben der wörtlichen gram-matischen habe gegeben wissen wollen. Dagegen unterscheidet man mit Recht zwischenniederer und höherer Hermeneutik. Die erstere beschäftigt sich mit den einzelnen Theileneines Werkes von den Puncten, Linien, Worten an bis zu den Sätzen, Abschnittenund Büchern. Die höhere aber richtet sich auf das ganze Werk, nach seiner Genesis,'seinem Zusammenhang in sich und mit andern, seiner zeitlichen, nationalen, litera-rischen Bestimmtheit und nach den Schicksalen, die es erfahren hat. In dieserBeziehung grenzt die Hermeneutik an das Gebiet der Kritik oder greift in dasselbeüber. Dies gilt nun auch von einer Hermeneutik auf dem Gebiete der Kunst; nurbewegt sich der Hermcneute hier auf einem viel schwieriger!! Feld. Die Deutung derSchrift, der Zeichen, der Figuren und Symbole eröffnet dem subjectiven Ermessen einenviel weiteren Spielraum, da es sich hier nicht um bestimmte Zeichen von fixer Bedeu-tung handelt, sondern von Objecten, denen der verschiedenartigste Sinn unterlegt werdenkann. Es ist bekannt, wie wichtig diese Hermeneutik der Kunst ist, insbesondere fürdas religiöse Gebiet des classischen und nicht klassischen Alterthums, und wie vieleshier noch aufzuhellen bleibt.

Die Kritik beschäftigt sich theils mit der Frage nach der Echtheit und Vollstän-digkeit eines Werks (Kritik im engern Sinne des Wortes, philologische, historischeKritik), theils mit der Würdigung des KnnstwcrthcS (ästhetische Kritik). Wir habenes hier nur mit der ersteren zu thun und verweisen die letztere in das -Gebiet derAesthetik. Die philologische Kritik ist, je nachdem sie sich mit einem Werk nach seinen

bildung (Etymologie), ferner die Metrik, Stilistik und Rhetorik begreifen muß, nicht mehr ent-sprechend.