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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
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Philologie.

mit den Quellen dcS antiken Lebens beschäftigen und das Material herbeischaffen,formale, subsidiarische Disziplinen, zweitens solche, welche das and den Quellen er-hobene Material wissenschaftlich darstellen, reale, systematische*) Disciplinen. ZurOrientirung auf dem Gebiet der Philologie überhaupt und als Beleg der Berech-tigung dieser Wissenschaft wäre einleitend (propädeutisch") voransznschicken l) dieEncyklopädie der Philologie, in welcher die Wissenschaft in ihrem Verhältnis zuandern bestimmt und in ihrem Organismus entwickelt wird, 2) die Geschichte derPhilologie, welche den Nachweis zu liefern hat, wie diese Wissenschaft allmählichentstanden und zu ihrer jetzigen Stellung gelangt ist.

Nach dieser Einleitung ergiebt sich als nächste Aufgabe eine Negistrirnng derQuellen, ans denen zu schöpfen ist, der literarischen, der künstlerischen, der gemischten.Die Quellenkunde, die Kenntnis der Fundstätten des Materials erscheint als dasnächste Bedürfnis. Mit dieser Nachweisung meinen wir natürlich nicht eine Darstel-lung von dem literarischen und künstlerischen Leben des griechischen und römischenVolks, sondern eine nach äußerlichen Gesichtspunkten zu gebende Zusammenstellung,ein Verzeichnis der Quellen, wobei niit Kritik zu verfahren und der Werth derselbenkurz zu bezeichnen wäre. Hinsichtlich der literarischen Quellen wäre hier das Nöthigeüber Geschichte und Beschaffenheit der Schrift, der Handschriften, des Drucks (Paläo-graphie, Bibliographie) Leiznbringen.

Was die künstlerischen und gemischten Reste betrifft, so kann hier natürlich nichtvon einer Zusammenstellung aller Monumente, Wohl aber muß von den Gattungenund von dem Hervorragendsten in jeder Gattung geredet werden. Es wäre dabei aufdie Zeit und den Ort dcS Fundes, ferner auf die Locale zu achten, wo die Knnstrestejetzt zu finden sind. Auch hier müßte der Kritik Rechnung getragen werden, ohneübrigens ans ästhetische Schilderungen näher einzngehen.

Eine besondere Beachtung würden aber wohl schon an dieser Stelle die ausLiteratur und Kunst gemischten Reste, die Inschriften und Münzen verdienen. Boneinem Verzeichnis dieser reden zu wollen, Wäre absurd. Aber es Wäre hier der Ort,die verschiedenen Arten der Inschriften und Münzen zu bezeichnen, ihre Bedeutungfür die Sprache und Antiquitäten anzngebcn und die wichtigsten Sammlungen nam-haft zu machen. Auch sollte, wie bei den literarischen Resten aus der Paläographie,so hier das Wichtigste über die Schrift, das Gepräge und die Symbole dieser Monu-mente vorausgeschickt werden.

Wir glauben, ein angehender Philologe, der von vorne herein eine solche lleber-sicht über die literarischen und künstlerischen Quellen des klassischen Alterthnms er-hielte, würde daraus einen großen Gewinn ziehen, er würde in kurzer Frist auf demfremden Boden zu Hause sein, und überall, welchen Theil des antiken Lebens er auchanfassen wollte, sich schnell zurecht finden. Es kann hiebei aber ganz freigegebenwerden, ob eine solche Zusammenstellung in einer besondern DisciplinQuellenkunde"gegeben oder ob ihr als grundlegende Einleitung in der Encyklopädie eine Stelleangewiesen werden will.

Mit dem bloßen Besitzen und Anscheinen von Büchern und Kunstwerken, mit dembloßen Wissen von den Quellen ist es aber nicht gethan. Man muß dieselben auchentziffern und verstehen können. Hiezu gehört 1) Kenntnis von der Sprache und Kunstdieser Völker Sprach- und Kunstwissenschaft, 2) eine gewisse Technik in der An-wendung der Wissenschaft ans die vorhandenen Quellen Kritik und Hermeneutik.**)

*) Fundamentale nennt sie Haase in d. Encyklop. v. Ersch u. Grnber Th. 23. S. 381 ff.

**) Man hat sonst diese drei Momente unter den Ausdrücken Grammatik, Kritik und Her-meneutik znsammengefaßt. Allein abgesehen davon, daß bei dem Ausdruck Grammatik die Kunstganz unberücksichtigt bleibt, erscheint überhaupt das Wort Grammatik für das, was jetzt Sprach-wissenschaft genannt wird und worunter man nicht nur die Elementarlehre, Formenlehre undSyntax, sondern auch die Lehre vom Wortschatz (Synonymik, Lexikologie) und von der Wort-