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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
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Philologie.

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Philologie, undklassische Gelehrsamkeit" eine Beziehung auf ganz andere Gebiete zu-läßt, als auf das klassische Alterthum. Der AusdruckAlterthumswissenschaft" aber,den Wolf in der genannten, Epoche machenden Abhandlung vorgeschlagen und zurGeltung gebracht hat, erscheint gegenüber von dem neuesten Standpunkt unserer Kennt-nis des Altcrthums doch gar zu prätentiös und Wolf selbst konnte nicht umhin, imI. 1807, da er die genannte Abhandlung schrieb, S. 19 sich zu entschuldigen, daß ersich erlaubeden Namen Alterthum in ausnehmendem Sinne auf die beiden durch Geistes-cultur, Gelehrsamkeit und Kunst verfeinerten Völker einzuschränken". Jedenfalls müßtedoch wohl die Alterthumswissenschaft, die hier gemeint ist, als eineklassische" be-zeichnet werden. Außerdem würde der AnsdruckAlterthumswissenschaft" historischdoch nur auf einen ganz kleinen Zeitraum, nämlich die letzten Jahrzehente passen, seit-dem nian angefangen hat, ein selbständiges System aus dembloßen Aggregat vonKenntnissen"*) aufzubauen. Die früheren Bestrebungen auf diesem Gebiet könnten, wennes erlaubt wäre, das Wort Alterthum in dem genannten Sinne zu gebrauchen, nuretwa als Alterthums k u n d e bezeichnet werden. Wenn Wolf S. 11 gegen den NamenPhilologie" das einwendet, daß man dabei meist ausschließlich an Literatur, Linguistik,Sprachcntünde denke, wobei die Kunst vergessen bleibe, so mag das zugegeben werden.Allein das WortPhilologie" erweckt doch sofort durch seinen Klang und Ursprungden Gedanken an das bestimmte Gebiet, welchem es angehören will, und wenn auchdiese Benennung für die Sache etwas zu dürftig erscheint, so will es uns dagegen be-dienten, man nehme mit der BenennungAlterthumswissenschaft" den Mund etwas zuvoll, und man eröffne mit diesem pompösen Ausdruck Aussichten, denen man doch nichtgerecht zu werden vermöge. Der NamePhilologie" aber verdient, wenn er gleichebenso wie die andern Ausdrücke nicht adäquat ist, deshalb, weil er das Herkommenund die Geschichte für sich hat, den Vorzug, wie man denn auch sonst in so vielenFüllen die herkömmlichen Ansdrücke sowohl für ganze Disciplinen, als auch für einzelneGegenstände derselben, nachdem sie einmal rccipirt und durch den Sprachgebrauchauetorisirt sind, beibehält. Der Werth dieser Namen liegt nicht darin, daß sie vollkommenadäquat sind, sondern darin, daß man seit langer Zeit gewohnt ist, diese Namen für gewißeAnschauungen zu gebrauchen, für welche sie das allgemein verständliche Werthzeichen sind.

In dem beschränkten Sinne nun, in welchem das Wort oben näher bestimmtworden ist, kommt es im Alterthum nicht vor. Vielmehr hat das Wort qulölo/o;eine ganz allgemeine Bedeutung und bezeichnet, ganz nahe liegend den AusdrückenP-lo/LttSchs, und -pllöooqwx, yulo>ovoox die Liebe zu einer interessanten Unterhaltung undErörterung, so bei Plato im Theaetet, Phädrus, der Republik und den Gesetzen. Ganz-bezeichnend hiefür ist eine Stelle im Laches. 188, o.: So^cer.ue yulo-.o/ox «v xlvv-i, or<ev/üy cküovw ckvächos Nkyl «ykrsis H ooyuLx, üirkyPUWL. In-

dessen war die Sache, die wir als Philologie bezeichnen, das Forschen nach den Zu-ständen und Thatsachen vergangener Zeiten aus Monumenten und Schriften, ja diespecielle Richtung auf Sprache und Literatur dem griechischen Alterthum nicht fremd,wie unten in dem Abschnitt über Geschichte der klassischen Philologie nachgewiesen wer-den wird.

Als nun diese freien, ungezwungenen, fast durchaus noch dilettantischen Erörterungenzu einer geregelten, berufsmäßigen, gelehrten Thätigkeit im alexandrinischen und römi-schen Zeitalter erwuchsen, so war auch hier nicht der NamePhilologen" von den-jenigen im Gebrauche, welche diesen Geschäften oblagen, sondern der Namexylrtxok, und es wird als eine einzeln stehende Erscheinung angeführt, daß hie und daeiner dieser Gelehrten, ein Eratosthenes um 215 oder der Römer Atejus Prätextatus um40 v. Ehr. sich den Namen P-Io'loyox beilegte.**) Cicero spricht in seinen Briefen

Hegel, Eucyklopädie. 1850. S. 24.

**) Snelon 4. III. 6rL>om. IO.