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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
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Philologie.

cultivire als Mittel,*) um zur Erkenntnis des Lebens zu gelangen, gerade so wie sie-auch die Kunst hereinzieht, weil diese ihr das andere Mittel für ihren Zweck ist. Sowichtig also die Sprache für die Philologie ist, so ist diese darum noch lange nichtSprachwissenschaft, ebenso wenig als sie Kunstwissenschaft ist, weil sie der Kunst zuihren Untersuchungen bedarf;

2) Die Sprachwissenschaft baut das Gebiet der Sprache an in abstracto undin concreto, sie zieht in ihren Kreis die lebenden, wie die todten Sprachen. Die Phi-logie beschäftigt sich nur mit der Sprache eines nntergegangenen CnltnrlebcnS. Historischbetrachtet ist der Name Philologie eigentlich nur ans die sogenannten klassischen Völker,die Griechen und Römer, zu beziehen und die klassische Philologie ist die PhilologieWenn nun auch nichts dagegen zu erinnern ist, daß der Ausdruck gebrauchtwerde von der Erforschung des vergangenen Enlturlebens anderer Völker, so daß manvon orientalischer, romanischer, germanischer Philologie reden kann, sofern die Zuständeaus der Vergangenheit dieser Völker erforscht werden, so ist doch festzuhalten, daß dieseBenennung eine abgeleitete ist, daß alle diese Philologieen noch von neuestem Datumsind und keine eine Geschichte, einen Umfang und eine Gliederung aufzuweisen hat wiedie klassische Philologie. Wir werden daher nicht nur Grammatiken und Wörterbücherüber moderne Sprachen und Dialekte, mögen sie nun romanisch oder slavisch oderorientalisch oder germanisch sein, ganz in das Gebiet der Sprachwissenschaft weisen,,sondern eben dahin auch die großen sprachverglcichendcn Arbeiten der neuern Zeit vonFranz Bopp, Jacob Grimm, Diez. Denn wenn diese Arbeiten gleich auch die ver-gangenen Zustände der Sprachen in den Bereich ihrer Untersuchungen ziehen, so dochwesentlich auch die gegenwärtigen und es ist überhaupt nicht sowohl ihre Tendenz, auf dieDarstellung eines Volkslebens loszustenern, als vielmehr die Entwicklung der Sprachenund Sprachenfamilien nachzuweisen. Die Philologie ist eine historische Wissenschaft.Die Sprachwissenschaft hat unseres Dafürhaltens eine eigenthümliche Stellung in demOrganismus der Wissenschaften zwischen Philosophie, Geschichte und Naturwissenschaften.

Was den NamenPhilologie"**) betrifft, so ist er sehr alt, durch das Herkommengesichert und verdient darum, wie uns scheint, unbedingt den Vorzug vor andern Aus-drücken, die man an dessen Stelle gebraucht, wie z. B. stnckia Irnnnrnitatis und llnnmniors.Denn, um von der nnlateinischen Form des letztem Ausdrucks nichts zu sagen, welcheübrigens sich dadurch etwa noch empfiehlt, daß sie dem Begriff seine Exklusivität be-nimmt, so sind diese Benennungen einerseits zu weit, da es doch auch noch andereotnäia bnmanitatis giebt, als die klassische Philologie, andererseits zu eng, da die Philologienicht bloß ein stnäiurn lrnmanitatis ist, sondern auch manches in sich schließt, was zuder Humanität doch nur in sehr entfernter Beziehung steht. Der AusdruckklassischeGelehrsamkeit" aber ist nicht sowohl deshalb zu verwerfen, weil man es mit vielenSchriftstellern und Kenntnissen zu thnu hat, die niemand klassisch nennen möchte; denndas Wortklassisch" wird nicht allein von dem gebraucht, was wirklich klassisch ist,sondern auch von dem, was das Elastische vorzugsweise in sich schließt, wie von klassi-scher Zeit, klassischen Völkern, klassischer Literatur. Vielmehr ist der Ansdruck klassischeGelehrsamkeit deswegen nicht angemessen, Weil in demselben die Beziehung auf dasrömische und griechische Alterthum weit weniger bezeichnet ist, als in dem antiken Wort

Wir wagen dies auszusprechen auch gegenüber von der Behauptung von Steinthal a.a. O. S. 2t:lieber den ehemaligen Jrrthum, als wäre die Sprache dem Philologen nurMittel, ist heute jeder Philologe hinaus." Der Philologe wird, wenn ihm auch die SprachenichtSelbstzweck" ist, doch dieselbe nach allen ihren Theileu, nach ihrer ganzen Entwicklung zuerforschen haben.

**) F. A. Wolf, Darstellung der Alterthnmswisscnschaft nach Begriff, Umfang, Zweck undWerth, im Museum für Alterthumswissenschaft von Wolf und Bnttmauu. Berlin 1807.Carl Lehrs üs vocibus PrZölloyos, xy,rrxo§. Königsberg 1838 Steinthal,

Geschichte der Sprachwissenschaft. Berlin 1862. S. 374 u. 377.