Mädchenschule.
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der Lehrer die Unordnung oder das Auffallende im Anzüge der Mädchen rügen wollte.Uebrigcns darf die erziehliche Wirksamkeit der Frauen nicht auf diesen kleinen Dienstbeschränkt werden, es wird vielmehr bei allen ernsteren Disciplinarfällen die Mitwir-kung des weiblichen Einflusses in Anspruch genommen werden mäßen, der dem männ-lichen ergänzend zur Seite treten muß. Eine weibliche Inspiration, eine mütterliche
Einwirkung darf dort nicht fehlen oder beschränkt werden, wo die Erziehung zur Weib-
lichkeit immer die Hauptsache bleibt. Aber ebenso verfehlt wäre es, den weiblichenEinfluß zum allein maßgebenden zu machen. Die Mädchenschule soll die erweiterteFamilie sein, da darf der Vater nicht fehlen. Ist für den gewöhnlichen Verlauf desSchullebens die Disciplinargewalt zwischen Lehrern und Lehrerinnen mit Recht gleichvertheilt, kann sogar die weibliche Aufsicht gelegentlich mehr sichtbar werden, als die
männliche, so ist doch in letzter Instanz der Mann derjenige, welcher entscheidet; denn
das ist göttliche Ordnung im Leben. Und hiemit erledigt sich auch die Frage, wemdie obere Leitung der höheren Töchterschule anznvertranen sei. Daß eine Frau ander Spitze stehe, der sich in Beziehung auf Anordnungen im Unterrichte und in derErziehung die Männer unterzuordnen haben, ist und bleibt eine Anomalie, die ans keineWeise gerechtfertigt werden kann. Dagegen Wäre die einseitig männliche Leitung, dienicht überall in dem Nathe einer verständigen Frau ihre Ergänzung suchte, ebenso un-gerechtfertigt. Es wird daher eine Vorsteherin, Hauptlehrerin, oder wie sie genanntWerden mag, zur Warnehmung aller speciell weiblichen Rücksichten, außer den übrigenLehrerinnen in jeder Anstalt dieser Art vorhanden sein müßen, aber der einheitliche
Geist des Ganzen und die letzte Entscheidung muß minier von dem Vorsteher
ansgehen.
Die Disciplin hat bei Mädchen sehr verschiedene Beziehungen inS Auge zufassen. Reinlichkeit, Ordnung und Pünctlichkeit haben für das weibliche Leben noch
eine tiefere Wichtigkeit, als für das männliche. Darum gewinnt schon die bloße Auf-
sicht über den geordneten Gang des Schullebens eine viel bestimmtere Richtung auf dieEntwicklung des Individuums, als in der Knabenschule, in welcher die Ueberwachnngder äußeren Ordnung einen objectiveren auf das Ganze gerichteten Zweck und darumin Beziehung auf den einzelnen mehr einen negativen Charakter hat. Die erziehlicheEinwirkung auf Mädchen hat einen weiteren Umfang und eine individuellere, positivereRichtung, sie umfaßt z. B. auch die Sorge für das körperliche Gedeihen, für geradeHaltung, für angemessene Kleidung, für Erholung :c. Dies alles spricht sich auch inder Forderung aus, daß die Mädchenschule der Familie verwandter bleiben soll, alsdie Knabenschule. Familicnhaft soll also nicht nur das ganze Leben in der Mädchen-schule, sondern auch der Geist sein, in welchem die Ordnung dieses Lebens überwachtund die Glieder desselben regiert werden. Wenn aber die innerste Grundlage desFamilienlebens die christliche Frömmigkeit ist, so wird diese auch das Fundament derDisciplin sein müßen. Daß am Anfänge und Ende des Schultages gebetet wird, ver-steht sich von selbst, erschöpft aber nicht die Bedeutung, Welche dem religiösen Einflüssehier eingeräumt werden soll. Dieser spricht sich vornehmlich in der ganzen Art, wiemit den Mädchen umgegangen wird, aus. Der edle Ernst soll doch überall von eineredlen Milde durchweht, die natürliche Milde und Freundlichkeit doch immer auf einetiefere Grnndstimmung basirt sein, welche das ganze Verhältnis trägt. Leichtfertigkeitund Tändelei ans der einen Seite, Roheit und finstere Strenge auf der anderen sinddie äußerlichen Gegensätze, zwischen denen jene Grnndstimmung liegt, und in Welcheunbefestigte Charaktere den Mädchen gegenüber, die so gern allem eine heitere Wendunggeben und die doch auf der anderen Seite selten einen energischen Widerstand auSüben,leicht verfallen. Aber jene Grnndstimmung nimmt häufig auch innerlich eine falscheRichtung und wird bei den einen zur Sentimentalität, bei den andern zur Un-natur, zum gemachten Wesen, beides Richtungen, welche den scharf beobachtendenMädchen schnell offenbar werden. Eben weil der Mädchenlehrer in der Selbstdar-