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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Kirche. Sofern sie einem Artikel des 6rocic> zum Inhalt und Objecte dient, so-fern eS also ein Gegenstand christlichen Glaubens ist, daß es eine Kirche giebt, undsofern der Glaube ihr bestimmte Attribute beilegt, ist davon im katechetischen Unterrichtzu handeln. Ebenso gehört es znm erweiterten Religionsunterricht, das Wichtigste ausder Geschichte der Kirche mitzutheilen. Die Form und die Ausdehnung, in welcher dieszu geschehen hat, ist verschieden, je nachdem der Charakter des gesammten Unterrichtsein mehr wissenschaftlicher oder ein populärer ist; während die Oberclasse eines Gym-nasiums eine Darstellung im Zusammenhänge gestattet oder erheischt, ist in derVolksschule nur Raum zur erzählenden Schilderung einzelner Persönlichkeiten, Thatsachenund Zustände, namentlich solcher, die das Verständnis und Interesse für die eigeneKirche und Konfession in der Gegenwart fördern, die also auf historischem Wege das kirch-liche Bewußtsein wecken oder stärken. Hievon unten. Gegenwärtiger Artikel hat es indesnicht mit der Kirche als dogmatischem oder historischem Lehrgegenstand zu thun, sondernes ist von ihr selbst nach ihrer Bedeutung für die Erziehung zu reden. Diese redueirtsich auf die zwei Momente, daß 1) die Kirche selber eine pädagogische Aufgabe zulösen hat: sie ist Erzieherin und soll es sein, und daß 2) es auch eine Erziehung fürdie Kirche giebt, d. h. eine solche, die den Zögling dahin bringen, dazu bilden will,daß die Kirche etwas an ihm habe, nämlich einen treuen Sohn, ein lebendiges Gliedan ihrem Leibe, einen Mitträger ihrer Sorgen und Mithelfer an ihrer Arbeit, undmit alledem eine Stütze ihrer Existenz, einen Bürgen für ihre Fortdauer. Beides, daßdie Kirche das erziehende Snbject und zugleich der Zweck der Erziehung ist, faßt sichin die Bezeichnung: kirchliche Erziehung zusammen; von dieser ist hier zu sprechen.Was wir aber darunter zu verstehen haben, läßt sich weder darstellen noch als etwasrechtmäßiges und nothwendiges begründen, wenn man nicht den Begriff der Kircheselbst zuerst genau feststellt; wir sind daher genöthigt, einige Sätze hierüber demjenigenvoranznschicken, was sofort die Pädagogik speciell angeht.

I. Wenn die evangelischen Bekenntnisse von der Kirche die Definition geben, siesei LonAraZatio sanotorum, so ist hiemit freilich der Streit darüber nicht erledigt, inwelchem Sinne die Mitglieder dieser Kongregation sauoti seien, ob in streng ethischemSinne, so daß nach donatistischer Weise alle sittlich nicht reinen Individuen durch kirch-liche Zucht müßten ausgcschieden werden, um einen Rest von wirklich Heiligen zu be-halten, oder ob es in dem Sinne gemeint ist, daß alle, die das Sacrament der Taufeempfangen haben, durch die ihnen hiemit crtheilte Weihe zu sauotis werden, unange-sehen, in wie weit ihr realer sittlicher Zustand hinter dem Grade wirklicher Heiligkeit nochzurück sein mag. Dieser Punct wird immer zwischen den religiösen Genossenschaftenstreitig bleiben; die Secten stellen sich nothwendig auf die erstere, die Kirchen, wennauch mit Unterschied in Betreff der Vorbehalte, auf die andere Seite. Desto klareraber und bestimmter ist mit jener Definition gesagt, daß die Kirche wesentlich eineVersammlung, eine zur Einheit zusammentretende Mehrheit von Menschen ist, die, soverschieden sie sonst sein mögen, sich in ihrem Glauben eins wissen und darum auchin gemeinsamer Weise durch Bekenntnis und Gottesdienst, wie durch gegenseitigeLiebedieses Einssein im Glauben bethätigen. Daß und warum eine solche Gemein-schaft nur auf dem Boden des Evangeliums möglich, daß es somit nur ein Misbranchdes Kirchennamens, ein Product modernen Schreiberregiments ist, wenn in christ-lichen Staaten jüdische Kirchenräthe eingesetzt sind, darauf ist hier nicht einzugehen.

Pädag. Eniyklopädic. IV. 1