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Mädchenschule.
3 Französisch, 3 Englisch, 2 Rechnen, 2 Geographie, 2 Geschichte, 2 Naturkunde,2 Zeichnen, 2 Gesang, 2 Handarbeiten ^ 26 Stunden.
Oeffentliche Prüfungen in Mädchenschulen, wie sie in früherer Zeit sehr be-liebt und mit mancherlei Schaugepränge gewürzt waren, widerstreben dem Wesen derWeiblichkeit so sehr, daß sie überall geradezu verboten werden sollten, wie dies in ver-schiedenen Ländern bereits geschehen ist. Dagegen bleibt es wünschenswerth, daß denEltern Gelegenheit geboten werde, nicht nur den halbjährigen Censuren, sondern, wennes irgend möglich ist, auch gelegentlich dem Unterrichte selbst beizuwohnen. Ob nunder Unterricht in den vorgenannten Gegenständen in der Mädchenschule von Lehrernoder Lehrerinnen oder von beiden gemeinschaftlich ertheilt werden solle, diese Frageist noch zu unterscheiden von der andern, ob in diesen Anstalten der männliche oderder weibliche Einfluß der maßgebende sein solle, wobei wiederum ebensowohl an dieobere Leitung, als an die Ausübung der Disciplin gedacht werden kann. Da-her wird auch die Antwort verschieden ausfallen mäßen. Was den Unterricht betrifft,so hat Wohl eine innere Notwendigkeit der Sache dahin geführt, daß an den meistenSchulen dieser Art die männliche Wirksamkeit die bei weitem überwiegendere ist. Undgewiß soll sie es sein. Wenn schon in neuerer Zeit aus den Lehrerinncnseminareneine große Anzahl von geprüften Lehrerinnen hervorgcgangen ist, so ist doch, wasinnern Berus, Neigung und natürliche Anlage zur Classenlehrcriu betrifft, die Zahlderjenigen immer nur gering, die zur rechten Tüchtigkeit gelangen; womit nicht gesagtwerden soll, daß nicht einzelne Lehrerinnen manchen Lehrer an Lehrgeschicklichkeit über-treffen. Ferner reicht die didaktische Unterweisung, welche in jenen Seminarien gegebenwerden kann, nicht weit über den eigentlichen Elementarunterricht hinaus, und er kannes nicht, weil der Unterricht ans den höheren Stufen eine Beherrschung des Materialsund eine geistige Durchbildung erfordert, welche von Lehrerinnen um so weniger er-wartet werden kann, je kürzer die Zeit ihrer Vorbildung für diesen Beruf, je größerdie Mannigfaltigkeit dessen ist, was sie für die Prüfung zu erlernen haben, und jelückenhafter sehr häufig die Vorbereitung ist, die sie auf der Schule für das Seminarempfangen. Auch bei den tüchtigeren Lehrerinnen läßt sich Warnehmen, daß sie außerdem eigentlichen Elementarunterrichte immer nur für gewißc Lehrgegenstände mit Nei-gung und Erfolg in der Schule wirken. Dahin gehören biblische Geschichte, franzö-sische oder englische Sprechübungen, Handarbeiten, Zeichnen (Malen) und Gesang.Ueberall, wo es auf eine Gestaltung und Construction des Stoffes ankommt, auf dieDarstellung innerer Entwicklungen, auf die Zusammenfassung des Mannigfaltigen untergewiße Gesichtspnncte, also in der Grammatik, Literatur, Geschichte, Geographie, Na-turkunde rc., da finvet sich die Lehrerin nicht an ihrer richtigen Stelle und gerade dietüchtigsten iverden leicht von Aengstlichkeit und Verzagtheit übernommen. Das eigent-liche Gebiet der weiblichen Lehrthätigkeit in Schulen wird also immer die Elementar-stufe bleiben, namentlich die unterste bei den eben eingetretencn kleinsten Kindern.Der Uebergang aus dem Hause iu die Schule wird diesen Kindern dort, wo sie sichsogleich ganz an ein weibliches Wesen anschließen können, erleichtert, und für dieseunteren Stufen des Unterrichts wäre die weibliche Wirksamkeit immer die Wünschens-wertheste, wenn nicht die Rücksicht auf die nöthige Gründlichkeit auch hier dem männ-lichen Unterrichte oft den Vorzug einräumcn müßte. Auf der Mittelstufe und nochmehr auf der oberen Stufe sollten nur Männer unterrichten, aber womöglich nichtjunge Anfänger, welche den Mädchen gegenüber selten den richtigen Ton treffen.
Der Einfluß der Frauen in der höheren Töchterschule ist dagegen in dem Gebieteder Disciplin und der erziehlichen Einwirkung ein sehr wichtiger. Die Schülerinnenhaben viele kleine Wünsche und Bedürfnisse, gerathen in mancherlei Verlegenheiten,denen nur die weibliche Hand auf die rechte Weise abhelfcn kann, auch tragen siemanche eigenthümliche Schwächen und Fehler an sich, die nur das Weibliche Auge rechtzu erkennen und zu würdigen vermag. So wäre es z. B. fast immer verfehlt, wenn