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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Lykurg.

Mädchenerzi'chung.

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gang mit älteren Frauen war abgesehen von dem Einfluß, den die unmittelbare An-schauung eines so großartigen Staatslebens üben mußte, das Hauptbildungsmittel. DieUebung im Gesang, Bekanntschaft mit den Dichtern, die Erlernung von Chorgesängenwirkte zugleich auf ihre geistige Bildung überhaupt. Sodann trieben auch sie gym-nastische Hebungen auf besonderen Uebungsplätzcn und pflegten des sinnigen, mitMimik verbundenen Tanzes. An bestimmten Festen traten sie ebenfalls mit Gesängenund Tänzen öffentlich auf und die Jünglinge schauten zu, wie sie es umgekehrt bei denProduktionen dieser thaten. Dadurch entstand ein Wetteifer, der auch nicht ohne Ein-stuß auf die Gesinnung bleiben konnte, durch die Regelung des Lebens überhaupt aberdoch in den nöthigcn Schranken gehalten wurde. Unter den gegebenen Verhältnissendiente er dazu, jenen stolzen Sinn der spartanischen Jungfrauen zu erzeugen, den dieFremden ebenso bewunderten, wie deren körperliche Kraft und Schönheit. An der Stelleder zarten Weiblichkeit freilich, deren Ausbildung das Ziel einer eigenthümlich weiblichenErziehung sein soll, fand man in den spartanischen Frauen ein derbes Wesen und einenfast männlichen Charakter. Das Ideal des Weibes näherte sich eben so weit als mög-lich dem des Mannes. I. Dcuschle.

Lateinische Sprache. *) ,

M

Miidchenerzichnng. Die Ansichten über die Erziehung der weiblichen Jugendwerden immer davon abhängig bleiben, wie über die Bestimmung des Weibes undüber das Wesen der weiblichen Natur gedacht wird. Denn da die Erziehung niemalsdarauf ausgehen kann, an dem Menschen herausbilden zu wollen, was gegen seineNatur streiten oder außerhalb derselben liegen würde, da vielmehr alle vernünftige Er-ziehung nur in der Entwicklung der von Gott verliehenen Anlage ihre Aufgabe erkennenmuß, so müßen auch die besonderen Ziele der Mädchenerziehung in dem Begriffe derWeiblichkeit gesucht werden und gegeben sein. Der nothwendige Ausgangspunkt fürdie pädagogische Erörterung der Mädchenerziehung ist daher in der Frage zu nehmen,Worin die Eigcnthümlichkeit des weiblichen Lebens im Gegensatz zummännlichen bestehe. Der Beantwortung dieser Frage ist in dem vorliegenden Werkebereits ein besonderer Artikel gewidmet worden. Der ArtikelGeschlechter" hat denauf der Basis des natürlichen Lebens erwachsenden Unterschied des geistigen Geschlcchts-charakters und die aus diesem Unterschiede abzuleitenden allgemeinen pädagogischenFolgerungen ausführlich dargestellt. Der Inhalt jenes Artikels muß daher, umWiederholungen zu vermeiden, an diesem Orte durchaus vorausgesetzt werden, da dergegenwärtige Artikel, der das Ganze der Mädchenerziehung, vom Standpunkte desHauses betrachtet, zu seinem Gegenstände hat, sich zu dem dort Gegebenen nur ver-halten kann, wie die in Licht und Schatten ansgeführte Zeichnung zu dem das Ganzebeherrschenden Umriß.

Der Unterschied der Geschlechter ist zunächst ein psychologisches Problem, welches,wie alle Urgegensätze des Lebens, niemals ganz gelöst werden wird. Mit Recht nenntdarum Carus (Psyche S. 256) das Verhältnis der Geschlechter zu einander ein irra-tionales und weist darauf hin, wie schon das, was in beiden Geschlechtern in demabsolut unbewußten Seelenleben gleichartig und verschieden ist, so außerordentlich ver-

*) Der ArtikelLateinische Sprache" ist von uns an das Ende des Buchstabens L verwiesenworben; der Verfasser aber war bisher verhindert, ihn zum Abschluß zu bringen. Wir hoffen,den Artikel am Ende dieses Bandes nachliesern zu können. D. Ned.