Mädchenschule.
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auch intellcctueller und sittlicher Wirkung kann der Zeichenunterricht werden.Auge und Hand sollen durch denselben geübt, Reinlichkeit und Sauberkeit hervorgerufenund der Schönheitssinn geweckt werden. Die Hauptsache bleibt, nicht auf den Effectzu arbeiten. Die höhere Ausbildung des sich bald aussprechenden Talentes muß demspätem Leben überlassen werden, die Schule hat die allgemeinen und elementarenZwecke des Unterrichtes ins Auge zu fassen. Alle diese Zwecke und der nicht unbedeu-tende praktische Nutzen, den das Zeichnen den Mädchen gewähren kann, werden ambesten erreicht, wenn in der Töchterschule mehr darauf gesehen wird, daß die Schüle-rinnen einen richtigen Contur zu zeichnen lernen, als daraus, daß sie frühzeitigzu sorgfältiger Ausführung in Licht und Schatten angeleitet werden. Fähigere Schüle-rinnen pflegen sich dann am liebsten auf Blumen und Landschaften einzulassen. — DieBedeutung der Geschicklichkeit in weiblichen Handarbeiten für das weiblicheLeben ist so groß und in unfern Tagen so anerkannt, daß dem Unterrichte in denselbenein sehr bedeutender Theil der Schulzeit eingeräumt zu werden pflegt. Diese Geschick-lichkeit wird auch immer seine Wichtigkeit behalten. Hat sich doch bereits herausgestellt,daß auch die Nähmaschine nur von derjenigen Frau mit Nutzen gehandhabt werdenkann, welche selbst eine tüchtige Näherin ist. Aber eine andere Frage ist die, ob dieserUnterricht in der Schule seine richtige Stelle habe. Die Mütter sind im allgemeinenmit den Leistungen der Schule in diesem Puncte nicht zufrieden, freilich oft genug hin-dern sie selbst die Erfolge desselben, aber bei einigermaßen gefüllten Classen wird erimmer seine Schwierigkeiten haben. Es ist daher eine nicht seltene Erscheinung, daßdie Mädchen, wenn sie die Schule verlassen haben, noch einen Kursus im Nähen beieiner Privatlehrerin machen. In früherer Zeit, wo es zuverlässige Lehrerinnen dieserArt nicht gab, war die Schule der einzige Ort, an welchem etwas tüchtiges und ver-ständiges für die Sache geschehen konnte. Anders verhält es sich in unseren Tagen,wo es z. B. in Preußen seit 1858 geprüfte Handarbeitslehrerinnen giebt. Da ausder Schule alle bloß mechanische Beschäftigung entfernt werden sollte, so ist schonseit Jahren versucht worden, auch in diesen Unterricht belehrende Elemente einzuführen.Man hat Unterweisungen über die Eigenschaften der Stoffe, über die zur Arbeit nöthi-gen Werkzeuge :c. gegeben, man hat diesen Unterricht für die intellectuelle Bildung da-durch förderlicher machen wollen, daß man über den Stufengang der verschiedenenThätigkeiten, über die Zwecke und den Zusammenhang derselben in geordneter Redeeine eben solche Rechenschaft von den Kindern gefordert hat, als über ihre geistigenThätigkeiten in anderen Unterrichtsgegenständen, und wie diese Tendenz bereits in demin Liestal herausgegebenen „Arbeitsbüchlein" des Seminardirectors Kettiger verfolgtwurde, so ist neuerdings von Frl. R. Schallenfeld in Berlin versucht worden, sie zupraktische^ Ausführung zu bringen. Da indessen bei den weiblichen Handarbeiten dasKönnen so viel wichtiger ist, als das Wissen, und es treffliche Näherinnen gab, ehediese neueren Tendenzen bekannt waren, so muß die Frage, ob auch in unseren Tagendieser Unterricht in die höhere Töchterschule gehört, oder ob er dem Hause und demleicht zu findenden Privatunterrichte zu überlassen sei, als eine offene angesehen werden.Aber so lange er in der Schule obligatorisch ist, wird er vor allen Dingen auf dasNützliche und Nöthige zu sehen, die Luxusarbeit aber auszuschließen haben.
Die Vertheilung der Lectionen auf die oben geforderte Stundenzahl würde sichden verschiedenen Stufen gemäß etwa folgendermaßen gestalten: 1. Elementarstuse.a. untere: 3 St. Religion, 12 für Lesen, Schreiben und Sprechübungen, 5 Rechnen,4 Handarbeiten — 24 Stunden, b. obere: 3 St. Religion, 4 Lesen, 2 DeutscheGrammatik, 4 Schreiben, 3 Rechnen, 4 Französisch, 2 Geographie, 4 Handarbeiten— 26 Stunden. 2. Mittelstufe: 2 St. Religion, 4 Deutsch, 2 Schreiben, 2 Rech-nen, 4 Französisch, 2 Geographie, 2 Geschichte, 2 Naturgeschichte, 2 Zeichnen, 2 Ge-sang, 4 Handarbeiten — 28 Stunden. 3. Obere Stufe: 2 Religion, 4 Deutsch,