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Mädchenschule.
zwischen der Gesinnung und der That der Menschen einerseits und ihren Ge-schicken andererseits besteht, und welcher überall auf das Walten einer göttlichenWeltregierung hinweist, und schließlich die Hervorhebung derjenigen Stellung, welcheder Frau in den verschiedenen Culturperioden eingeränmt worden ist, das sind dieeigenthümlichen Momente der Geschichte, auf welche das weibliche Gemüth vor allemgelenkt werden muß.— Der Unterricht in der Naturkunde kann auch in der Mäd-chenschule sowohl für die forniale Bildung als für das Gemüthsleben in seinen höch-sten Beziehungen sehr segensreich gemacht werden. Er wird überall davon ausgehenmüßen, lebendige und klare Anschauungen zu erzeugen und die Beobachtungsgabe, diedem weiblichen Geschlechte eigen ist, sowohl zu benutzen, als zu stärken. Auch dasGeschäft des Verstandes, die verwandten Merkmale der einzelnen Naturkörper zusam-menzustellen, um schließlich alle Erscheinungen der Natur als Glieder eines wohlgeord-neten Ganzen zu erkennen, kann dem Mädchen nicht erspart werden, denn auf dieserThätigkeit, der übrigens alle systematische Vollständigkeit erlassen werden muß, ruhtschließlich die tiefste Erfahrung, die der Mensch aus der Natur schöpfen kann, die Er-fahrung, daß diese ganze Welt der Erscheinung von einer wunderbaren gesetzlichenOrdnung getragen sei und eben dadurch auch zu einem Worte Gottes für uns werdensolle. Wenn daher das naturhistorische Merkmal der Punct ist, an welchem leben-dige Anschauung und geistige Auffassung der Natur einander begegnen, so wird manmit Recht eine unzeitige Sentimentalität darin sehen müßen, daß von mancher Seitedas Zerpflücken der Blüten, der Gebrauch der Loupe rc. als etwas unweibliches be-zeichnet wird. Gönne man immer auch dem Mädchen, in die wunderbare Welt desunendlich Kleinen in der Natur einen Blick zu thun, und an der Blütenbildung, amStäubchen des Schmetterlingsflügels rc. dieselbe Schönheit, Erhabenheit und Weisheitzu schauen, die ihm vom Firmamente herabglänzt. Unter den naturhistorischen Disci-plinen ist immer der Botanik eine besondere bildende Beziehung zum weiblichen Lebenzugeschrieben worden. Nicht in dem Pflegeamte, welches dem Weibe anvertraut ist undwelches auch an den Blumen geübt werden kann, erschöpfen sich diese Beziehungen; sieruhen besonders auf der tiefen symbolischen Verwandtschaft, die zwischen dem Pflanzen-leben und dem weiblichen Dasein obwalten, auf dem zarten Hauche aller Schönheit undSittlichkeit, und es ist recht eigentlich Aufgabe der Schule, auch diese ästhetische Seiteder Natur hervorzuheben. Bildend ist aber die Botanik besonders darum für Mädchen,weil in derselben eine gewisse Gründlichkeit möglich ist, während die Zoologie bei derBetrachtung des Thierleibes und des menschlichen, der das Maß für alle wissenschaft-liche Betrachtung der Thiergestalt ist, überall leicht an die Grenze führt, wo das weib-liche Zartgefühl verletzt wird. Freilich heben manche die Nothwendigkeit hervor, daßgerade das Weib seiner Bestimmung gemäß zu einer tieferen Kenntnis des menschlichenOrganismus geführt werden müße. Es ist indessen nicht recht verständlich, welcher be-sondere Nutzen davon erwartet werden darf.
Unter den technischen Lehrgegenständen ist der Sch reib unterricht in derMädchenschule immer als einer der wichtigsten anzusehen. Die ästhetisch bildende Wir-kung desselben ist eine mannigfache und eine schöne Handschrift ist eine Seite derharmonischen Selbstdarstellung, die an dem Mädchen nicht fehlen darf. Man wirdauch durchschnittlich die Bemerkung machen, daß die wackersten Schülerinnen am bestenschreiben. Der Gesangunterricht soll in der Mädchenschule vor allen Dingen inseiner das Gemüth veredelnden Kraft gepflegt werden. Die Uebung des Choralsund des Volksliedes, auch des fröhlichen, bildet die Grundlage, an welche sich inden obern Elasten die Ausführung figurirter Gesänge anschließen wird. Aber die Rück-sicht auf Herzensbildung muß die auf künstlerische Bildung überwiegen. Mit der Ge-sangeslust wird Einfalt und kindlicher Sinn geweckt und die Melodien, welche dieMädchen singen, sollten nur solche sein, die durch Wahrheit, Frische und Zartheit zumrechten Ausdruck des weiblichen Lebens werden können. Von mannigfacher, besonders