Mädchenschule.
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klaren Umrissen gleichsam die Hallen zn bauen, in welche man die möglichst in-dividuellen Einzelbilder aus Geschichte, Geographie und Naturkunde hineinstellt.Wenn dadurch von didaktischer Seite die Eigenthümlichkeit des weiblichen Unterrichtesin diesen Gegenständen ausreichend bezeichnet ist, so verträgt sich damit sehr wohl eineRücksicht auf die praktischen Lebenszwecke des Weibes. Jene Knchenbotanik, Hanshal-tungschemie, Waarenknnde re., die man vom Standpnncte des Nützlichkeitsprincipesvon der Töchterschule gefordert hat, würden, wenn sie möglich wären, die Schule er-niedrigen und ihren wesentlichen Zweck beeinträchtigen; aber damit ist nicht gesagt, daßnicht an geeigneter Stelle in der Naturkunde und Geographie die naheliegenden Be-ziehungen auf das Leben hervorgehoben werden sollen. Gerade durch solche praktischeAnwendung der Wissenschaft wird den Mädchen von einer ihnen wichtigen Seite herdie Achtung vor dem Wissen und der Eifer, sich ein solches anzueignen, genährt. Esscheint das natürlichste, die G eographie am frühesten in den Lehrplan anfzunehmen,weil sie manches giebt, was in der Geschichte und Naturkunde vorausgesetzt wird.Ans der elementarischen Stufe beginnt sie als Heimats künde, welche zugleich dieersten Anknüpfungen an die Geschichte zu geben hat. Die wesentliche Ausgabe diesereinleitenden Stufe ist die Orientirung und die Bildung der nothwendigsten geographi-schen Begriffe. Die Mittelstufe wird sich von der obern Stufe nur dadurch unterschei-den können, daß die concentrischen Kreise, die beide in Beziehung ans die topische,physikalische und politische Geographie umschreiben, dort überall nur die Hauptmassenhervortreten lassen, während sie hier eine ans einzelne Puncte, namentlich ans dasVaterland, gerichtete Erweiterung und Vertiefung des Wissens anstreben und das Wich-tigste der mathematischen Geographie näher berücksichtigen. Alles was gegen die For-derung an die Schüler, ansgefährte Kartenbilder zn liefern, und über den sehr zweifel-haften Nutzen dieser Forderung in dem Artikel „Geographie in höhern Schulen" S. 714gesagt worden ist, gilt doppelt und dreifach von den Mädchen, die für diese Arbeitenweder Zeit noch im allgemeinen eine hervortretende Anlage haben. Einfache Skizzen,zu Hause oder in der Schule an der Tafel entworfen, sollten indessen auch von Mäd-chen gefordert werden. — Wenn von dem geschichtlichen Unterrichte in derTöchterschule so gering gedacht und derselbe für so überflüssig gehalten wird, daß mandas historische Wissen der Mädchen auf einige 20 Namen und Jahreszahlen hat be-schränken wollen, so muß dagegen geltend gemacht werden, daß die Ueberbürdung desGedächtnisses bei weiter gehenden Forderungen nirgends weniger stattfindet, als in derGeschichte, wo das lebendige Interesse an der Person dem Gedächtnis so sehr zu Hülfekommt und die Zahl zum Erleichternngsmittel für die Auffassung des Zusammenhangeswird, daß doch von allen Realien gerade dieser Unterrichtsgegenstand der einzige ist, inwelchem auch bei Mädchen mit einiger Gründlichkeit verfahren werden kann, währendin der Geographie und in der Naturkunde die dem weiblichen Wesen gesetzten Schran-ken so oft fühlbar werden, und daß endlich die ethischen Bildungsmittel, welche dieGeschichte darbietet, von der bedeutsamsten Art sind, die daher, wenn irgend das Weibihres Zusammenhanges mit dem Leben ihres Volkes und der Menschheit sich vollständigbewußt werden soll, der weiblichen Bildung nicht entzogen werden dürfen. Dazukommt, daß die Geschichte Gelegenheit bietet, manche Dinge, die sonst in ungehörigerBreite behandelt zu werden pflegten, z. B. Mythologie, oder die ganz übergangenwerden müßten, z. B. das Politische, am rechten Orte zn berücksichtigen und im rechtenLichte darzustellen, lieber die didaktische Gliederung dieses Unterrichts in einen bio-graphischen, einen Cursus der Völkergeschichte und einen der Weltgeschichte scheint ziem-lich allgemeine Uebereinstimmnng vorhanden zu sein, doch wird ans der Mittelstufe dasVaterländische den Schwerpunct bilden, und selbst auf der obern Stufe, wo die prag-matische Betrachtung eintritt, die weibliche Neigung, das Historische mehr an Personenals an Ereignissen anzuschanen, immer berücksichtigt werden müßen. Diese indivi-dualisirende Schilderung, sowie die Hervorhebung des Zusammenhanges, der