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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenschule.

die Reflexion auf das Sprachgesetz so natürlich und so nothwendig, daß sich die über-wiegende Richtung auf diese reflectirende Behandlung des Französischen ganz wohlmit einer gesunden Mädchenbildung verträgt. Freilich, wenn bei dem grammatischenUnterrichte an eine wissenschaftliche Begründung desselben gedacht wird, so muß dieMädchenschule auf denselben resigniren, denn da wissenschaftliche Behandlung desFranzösischen auf das Lateinische znrückweist, so kann hier ebensowenig, wie ausähnlichen Gründen im Deutschen, von einem wissenschaftlichen Unterrichte die Redesein. Aber auch, Wenn diese historische Seite der Sprache ignorirt werden muß, bleibtnoch immer, namentlich für die obere Stufe, ein so reiches Material logischer Bezie-hungen übrig, daß die Mehrzahl der mit dem weiblichen Unterrichte beschäftigtenPädagogen Wohl mit gutem Rechte in unfern 'Tagen derjenigen Ansicht huldigen,Welche den Schwerpunkt des französischen Unterrichts in die Uebung und in das Ver-ständnis der Grammatik legt. Abgesehen davon, daß für die höhere Stufe derMädchenschule namentlich die Einführung in die französische Syntax und Synonymikin Anspruch genommen werden muß, so kann doch im übrigen, was die didaktischeGliederung und methodische Behandlung des Französischen betrifft, durchaus ans denerwähnten ArtikelFranzösische Sprache" verwiesen werden.

Jemehr die englische Sprache in neueren Zeiten zur Weltsprache gewordenist, je mannigfaltiger die bildenden Einflüsse sind, welche ihr sprachlicher Reichthumund ihre ethische Bedeutung auch auf das weibliche Gemüth ausübt, desto nothwen-diger ist die Aufnahme derselben in die höhere Töchterschule geworden. Wie aberdas Englische selbst eine Synthesis des Französischen und Deutschen auf der dunkelnGrundlage eines celtischen Idioms ist, so wird der Unterricht dieser Sprache eineangemessene Stelle erst dort finden, wo bereits das Deutsche und das Französischezu einer gewitzen Sicherheit des Gebrauchs und des grammatischen Verständnisses ge-bracht ist, also erst auf der obern Stufe. Und da die formalen Schwierigkeiten derErlernung gering sind, auch das wesentliche Ziel des Unterrichts nur darin bestehenkann, die Mädchen zu befähigen, ein englisches Buch zu lesen; so wird der Zeitraumvon drei Jahren auch vollständig genügen, diese Kenntnis der Sprache zu vermitteln.

Die Aufgabe des Rechenunterrichts wird für die höhere Töchterschule daraufzu beschränken sein, daß außer den vier Species und den Brüchen die Decimalbrüche,die Regel de tri, Gesellschafts-, Mischungs- und Zinsrechnung zu lehren seien. Be-sonderes Gewicht ist ans das Kopfrechnen aus nahe liegenden Gründen des künf-tigen Gebrauchs zu legen und die Anlage der Mädchen kommt dieser Richtung desUnterrichtes gern entgegen. Hat man doch das Kopfrechnen die Logik der Mädchengenannt. Aber damit charakterisirt sich auch eine Einseitigkeit des Rechenunterrichtes,die sich leicht einschleichen kann. Der bloße Zahlensinn und die Fertigkeit desselbenerschöpft nicht die Aufgabe dieses Unterrichts. Soll derselbe bildend werden, so istsowohl auf den elementaren als ans den obern Stufen ein klares Bewußtsein über diejeder Operation und der Lösung jeder Aufgabe zu Grunde liegenden Verstandesschlüssezu fordern und namentlich ans den obern Stufen neben der Rechenfertigkeit die Sicher-heit dieser Schlüsse anznstreben. Leichtere algebraische Aufgaben, die durch solcheVerstandesschlüsse zu lösen sind, geben Anlaß, den Geist zu schärfen und zugleich durchdie gelegentliche Hinweisung ans die höheren Gebiete der Arithmetik in den Mädcheneine Ahnung von der über ihr Wissen hinausgehenden Weite der Wissenschaft zu wecken.So ist es wohl auch zu verstehen und zu rechtfertigen, wenn an manchen Orten dieAnfänge der Potenzenlehre berührt werden. Wo nicht auf den untern Stufen derAnschauungsunterricht eine elementarische Belehrung über die wichtigsten Puncte derRaumlehre in sich geschlossen hat, muß an geeigneter Stelle im Rechenunterrichtdieselbe nachgeholt werden.

Bei dem Realunterrichte der Mädchen besteht die größte Schwierigkeit in derBeschränkung. Es gilt hier überall, wie Froelich richtig bemerkt, in großen aber