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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenschule.

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Einführung andrer Sprachen in die Mädchenschule erreicht werden könnten, wie dennz. B. Günther in seinenBriefen an eine Mutter rc." das Italienische und nochmehr das Lateinische empfiehlt, von andern wiederum dem Englischen wenigstensder Vorzug vor dem Französischen eingeräumt wird. Von dem Lateinischen wird schondarum nicht weiter die Rede sein können, weil die Mädchen bei der im ganzengeringen Stundenzahl, welche dem Unterrichte in fremden Sprachen gewidmet werdenkann, niemals zu einer nur einigermaßen gründlichen Kenntnis dieser Sprache gelangenwürden. Ebensowenig würden sie, wenn sie sich der römischen Literatur äußerlichbemächtigen könnten, das innere Verständnis des antiken Geisteslebens erlangen und,wenn sie auch das vermöchten, einen eigentlichen Segen davon haben. Ziemlichebenso verhält cs sich mit den großen und classischen Dichtern Italiens, wie denn dieitalienische Sprache und Literatur immer nur in vereinzelten Perioden und in Bezie-hung auf besondere Gebiete einen merklichen Einfluß auf deutsche Wissenschaft unddeutsches Leben geübt hat. Ganz anders verhält es sich mit dem Englischen. Daßdie englische Literatur nicht nur im allgemeinen reicher und tiefer bildend ist, daß siesich insbesondere der weiblichen Bildung vermöge der zarten und innigen Empfindung,die sich fast durchgehends darin ausspricht, mehr anschließt, als die französische, derenschimmernder Witz und Glanz nicht immer der Reinheit und Einfalt des Gemüthesfrommt, ist ja bekannt, wiewohl freilich Merzet (a. a. O. S. 292) mit Recht bemerkt,daß gerade die beiden größten Dichter Englands, Shakespeare und Byron, der Jung-frau wenigstens nicht zur Lectüre angerathen werden können. Wenn aber die englischeLiteratur, und dies gilt insbesondere von der neuern, dem Weibe heilsamer ist, wenndie englische Sprache dem Deutschen sehr viel näher liegt, als die französische, so leistetsie dagegen durch ihren Bau für die formalen Zwecke desto weniger, und gerade die nähereVerwandtschaft derselben mit dem Deutschen ist diesem Zwecke ungünstig, da für diese Zuchtdes Denkens eine gewiße Unähnlichkeit und Schwierigkeit der zu erlernenden Sprachewünschenswerther ist, als die stark hervortretende Analogie. Blicken wir von hiernun auf das Französische zurück, so sprechen für die Beibehaltung desselben haupt-sächlich drei Gründe, zunächst die noch immer sehr weite Verbreitung derselben, sodannder tiefe Einfluß, den sie auf unser ganzes geistiges Leben geübt hat, endlich derReichthum ihrer Formen und die logische Gebundenheit ihres Satzbaues. DieseGründe scheinen für die Beibehaltung des Französischen noch immer sehr ins Gewichtzu fallen. Mit Recht wird aber der formale Zweck dieses Unterrichtes betont werdenund immer bestimmter ausgesprochen werden müßen, daß es nicht die Absicht derTöchterschule sein kann, die Mädchen zum vollen und fertigen Gebrauche der Sprachezu führen. Wenn die Schülerinnen neben der Geistesghmnastik, welche das Erlernendes Französischen ihnen gewährt, dahin gelangen, mit Vermeidung grober Fehler ihreGedanken über ein leichtes Thema französisch niederschreiben, einem französischenmündlichen Vortrage folgen, auch über einfache Verhältnisse sich mündlich mit einigerFertigkeit aussprechen, und auch ein schwierigeres Buch mit Leichtigkeit verstehen zukönnen, so ist das Ziel erreicht, über welches die Schule nicht hinausstreben soll, unddieses Ziel wird um so sicherer erreicht werden, je mehr die tüchtige Uebung derGrammatik zur Hauptsache des gesammten Unterrichtes gemacht wird. Es ist in diesemWerke in dem belehrenden ArtikelFranzösische Sprache" (Bd. H. S. 950) die Ansichtausgesprochen worden, daß es dem weiblichen Wesen widerspreche, diesen Unterrichtvorwiegend grammatisch werden zu lassen. Wenn indessen dem Weibe nicht überhauptdie Fähigkeit abgesprochen werden soll, den Organismus der Sprache zu erkennen,was niemand wird thun wollen, so ist nicht abzusehen, warum nicht an irgendeiner Stelle des gesammten Unterrichts die vorwiegend grammatische Tendenzeintreten sollte. Eher, möchten wir sagen, dürfe in der Mädchenschule die Mutter-sprache diese vorwiegend grammatische Behandlung nicht erfahren, und wenigstens aufder obern Stufe müße dieselbe zurücktreten. Aber dem fremden Idiom gegenüber ist