Mädchenschule.
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Ideale nennt, fast überall sofort auf das Ewige und Göttliche übertragen, und be-rührt er doch in verschiedenen Dichtungen (z. B. das verschleierte Bild, der Kampsmit dem Drachen rc.) unmittelbar die tiefsten Interessen des religiösen Bewußtseins.Alle solche Erörterungen bieten die geeignetste Grundlage für den deutschen Aufsatz.Wenn dieser in der Mädchenschule so oft zu einem Kreuz der Schülerinnen, Lehrerund Eltern wird, so liegt dies hauptsächlich daran, daß die Wahl der Themata ofteine unrichtige ist, daß ans eine productive Kraft gerechnet wird, die nicht vorhandenist und nicht vorhanden sein kann, und daß den Mädchen nicht vorher ein tüchtigerund anregender Stoff dargeboten wird. Der wesentlichste Zweck des Aufsatzes istcorrecte und schöne Darstellung, und in dieser muß die eigentliche Arbeit der Schülerinliegen. Der Stoff selbst aber muß ihnen und zwar in solcher Fülle und Klarheitgegeben werden, daß sie mit Leichtigkeit denselben überblicken und ihre Blühe wirklichvornehmlich der Form der Darstellung znwenden können; geschieht dies nicht, sowerden sie zur Phrase und in dieser zur Unwahrheit gedrängt. Man hat daher ge-fordert, daß die Themata aus den Gebieten des anderweitigen Unterrichts entnommenwerden sollen. Allein auch das hat seine Schwierigkeit. Selten werden die betreffen-den Themata durch den Unterricht so speciell vorbereitet sein, daß ihre Behandlungohne weiteres von den Mädchen gefordert werden kann. Der Stoff wird entweder inzu großer Fülle vorhanden, wenn das Thema weit ist, oder zu dürftig sein, wenn esenger ist, so daß doch eine Besprechung nöthig wird. Ist aber diese nöthig, so ist nichtabzusehen, warum nicht sofort ein frischer Griff in das Reich der Gedanken gethanWerden soll. Dazu fordert gerade in der Mädchenschule noch eine andere Betrachtungauf. Die Mädchen erfahren von so vielen Dingen nichts näheres, die doch für dasLeben sehr wichtig sind. Manche psychologische Begriffe, manche, wenn auch nursummarische, Belehrungen über die Geschichte und die Theorie der einzelnen Künste,oder über gewiße dem Mädchennnterrichte ferner liegende Zweige der Naturwissen-schaften, z. B. Chemie und Geologie, so wie über praktische Lebensverhältnisse, z. B.über Staatseinrichtnngen, Verfassungslebcn in Staat und Kirche, über Landwirthschaft,Handel und Gewerbe und deren sittliche Bedeutung für die Menschheit rc. würdenzur allgemeinen Bildung der Mädchen sehr wesentlich beitragen, können aber bei derBeschränktheit des Unterrichtscursus für Mädchen nur beiläufig und oberflächlich gege-ben werden. Werden aus diesen und ähnlichen Gebieten bestimmte Puncte zum Gegen-stände der Aufsätze gemacht und bei der, wie schon erwähnt, stets nöthigen vorher-gehenden Besprechung in ein solches Licht gestellt, daß den jungen Mädchen einewirtliche Belehrung daraus hervorgegangen ist, so werden sie nicht nur denAufsatz mit lebendigem Interesse an der Sache anfertigen, sondern auch mannigfacheGelegenheit finden, ihre eigenen Erfahrungen und ihre eigenen keimenden Gedankenan den Gegenstand anzuschließen. Denn das Concrete übt allezeit diesen wecken-den Einfluß auf die schlummernden Kräfte. Statt solcher Themata: „über die
Dankbarkeit", „von dem Nutzen der Ordnung", „Arbeit die Mutter des Ruhms",bei denen den Mädchen nichts übrig bleibt, als eine gegebene formale Dispositionmit einigen vielleicht sentimentalen Worten zu umschreiben, weil die eigene innereDurchbildung noch nicht vorhanden ist, von Welcher eine tiefere, eigenthümliche unddaher fruchtbare Betrachtung des oft Gehörten ausgehen könnte, stelle man Themata,wie: „Ueber den Werth der Dinge, die wir wegzuwerfen pflegen," „über die Verwandt-schaft der schönen Gartenkunst mit der Baukunst, Malerei und Musik rc.," freilichThemata, über welche die Mädchen zunächst gar nichts zu sagen wissen, die aber,wenn sie ihnen auf gründliche Weise auseinandergesetzt worden, ihnen einen neuenBlick in die Welt eröffnen und damit zugleich mannigfache Erinnerungen und Empfin-dungen Wecken und beleben, welche in ihnen schon schlummerten. Der Aufsatz in derMädchenschule sollte im allgemeinen stets die Frucht einer inhaltvollen Denk-übung sein, und ist diese wirklich vorangegangen, so wird jener nicht mißlingen.