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Mädchenschule.
d. h. die populäre Einleitung in dieselbe und die Anleitung zu ihrem Gebrauche.Wenn der untersten Classe dieser Stufe das Alte Testament, an welches sich einepopuläre Erklärung des ersten Hauptstückes, der zweiten das Neue Testament, anwelches sich die des zweiten Hauptstückes anschließt, zugewiesen wird, so bleibt derersten Classe dieser Stufe noch übrig, einen Gesammtüberblick über die Geschichtedes Reiches Gottes zu geben, der die Kinder gewöhnt, was ihnen so schwer wird,die großen Thaten Gottes aufeinander zu beziehen, und der bereits Gelegenheit giebt,die wichtigsten Lehren der heiligen Schrift an der Hand der Geschichte und gleichsamals Ergebnisse derselben zu betrachten und ausführlichere Stücke aus der Bibel selbstzu lesen. Die drei letzten Hauptstücke des Katechismus und eine angemessene Anzahlvon Kirchenliedern (etwa eins alle Monat) werden gelernt. Auf der obern Stufeist eine zusammenhängende Darstellung der christlichen Sittenlehre nach dem erstenHauptstücke, der Glaubenslehre nach dem zweiten bis fünften Hauptstücke des Kate-chismus und das Wesentlichste aus der Kirchengeschichte die Hauptaufgabe, die ambesten dann gelöst wird, wenn es möglich wird, zuletzt gewisse Haupttheile der Schrift,wie das Evangelium Johannis, den Römerbrief re. im Zusammenhänge durchzunehmenund an der Hand einer praktischen und erbaulichen Exegese die Schülerinnen zu einemselbständigen Gebrauche der h. Schrift anzulciten.
Nach dem Religionsunterrichte nimmt in der höhern Mädchenschule der Unterrichtin der Muttersprache den höchsten Rang ein, mindestens sollte es so sein, undwenn in dem Lehrplaue mancher dieser Anstalten den fremden Sprachen eine größereAnzahl von Stunden eiugeräumt ist, als dem Deutschen, so muß dieses als durchausverwerflich erscheinen. Die höhere Mädchenschule kann mehr, als irgend eine dergegenwärtig ausgeprägten Gattungen von Unterrichtsanstalten die Muttersprache zumintellectuellen Fundamente ihres gesammten Unterrichtes machen, weil sie weder durchdas Uebergewicht der fremden Sprachen noch durch die Fülle der realen Kenntnisse sobeschränkt wird, wie das Gymnasium und die Realschule, und weil sie für einegründliche Behandlung des elementarischen Unterrichts mehr Zeit und Ruhe hat, alsdie Volksschule. Wie sie aus der deutschen Schule der Reformationszeit hervor-gegangen, so soll sie auch dieses ihres Ursprungs eingedenk bleiben, und wenn fremdeSprachen ihr nicht verwehrt werden dürfen, so ist einer der Gründe dafür eben der,daß an der fremden Sprache der Blick für die Eigenthümlichkeit der Muttersprachegeschärft und das Bewußtsein für ihre Vorzüge geweckt werden soll. Sie muß aber vorallem deutsche Schule sein, weil aller bildende Einfluß auf das weibliche Gemüthvornehmlich an die Sicherheit, Klarheit und Innigkeit geknüpft ist, mit welcher dieFrau den Geist und die Schätze der Muttersprache zu erfassen vermag. Daß hier derSprachunterricht in jener Allgemeinheit und Weite des Begriffes gemeint ist, in welcherer von den untersten Elemcntarstufen an bis zu den höchsten hinauf das Denken undSprechen, das Lesen und Schreiben, die Uebung des Gedächtnisses und die Bildungdes Geschmackes umfaßt, versteht sich von selbst. Ueber die didaktische Gliederung desStoffes ans der Elementar- und Mittelstufe kann hier hinweggegangen werden, um somehr, da manche musterhafte Lehrpläne (z. B. der der Augusta-Schule in Berlin(1863) und der höhern Töchterschule zu Elberfeld, enthalten in der Einladungsschriftzur Schulfeier und Prüfung 1860) darüber gründliche Auskunft geben. Dagegenpflegt die Ausgabe dieses Unterrichtsgegenstandes auf der obern Stufe, wo er dochseine eigentliche Blüte entfalten sollte, oft zu eng gefaßt oder doch nicht ausführlichgenug dargestellt zu werden. Wir haben hier auf drei wesentliche Richtungen diesesUnterrichtes zu achten, auf die Grammatik, den Aufsatz und die Literatur. Wenn Merget(im Schulblatt für die Provinz Brandenburg 1862, Heft 5, S. 288) den gramma-tischen Unterricht zu den wesentlichen Momenten in der Ausbildung junger Mädchenzählt, so ist dies gewiß richtig. Aber derselbe gehört in der Hauptsache der Mittel-stufe der höhern Töchterschule an und charakterisirt diese Stufe. Nachdem das Wich-