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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenschule.

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unterrichte wünschen müssen. Der Stoff dieses Unterrichtes kann, nachdem an die Ge-bete, welche das Kind ans dem Hause mitgebracht, und an die Pietät gegen die Elternangeknüpft worden, im wesentlichen nur die heilige Geschichte sein, aber gerade dadurch,daß sie dem Kinde dargeboten wird ohne jede Forderung einer selbständigen Reproduc-tion, daß das Erzählte zum Anknüpfungspnncte für gemüthoolle, dem kindlichen Stand-punkte entsprechende Gespräche gemacht wird, wird dem Lehrer Gelegenheit gegeben,die Geschichte aus einem Vergangenen zu einem Gegenwärtigen zu machen, was wirbei der gewöhnlichen Behandlung so sehr vermissen. Diesen freien und mehr erbaulichenals unterrichtlichen Charakter sollte der Religionsunterricht der Mädchen im erstenganzen oder wenigstens halben Jahre durchaus behalten, wobei nicht ausgeschlossen ist,daß die Kinder zn freiwilliger Wiederholung und dadurch zur Aneignung von manchenkleinen Gebeten, Sprüchen und Liederversen ermuntert werden. Aber wie der Anfangdieses Unterrichtsgegenstandes so offenbart auch der Abschluß desselben bei Mädchengcwiße eigenthümliche Seiten, die nicht übersehen werden dürfen. Es ist oft gesagtWorden, daß es dem Weibe nicht gezieme, über den Lehrgehalt der Dogmen zu vielzu reflectiren, und daß ihm die Religion mehr eine Sache des Gefühls als des Ge-dankens sein solle. Gewiß ist darin die Wahrheit der Sache ausgesprochen, aber, wiealle Bestimmungen über den Unterschied der Geschlechter eine relative Bedeutung haben,so darf auch an diesem Puncte die andere Seite nicht als gar nicht vorhanden ange-sehen werden. Gewiß wäre es verkehrt, wenn dem Mädchen die Lehre des Christen-thums wichtiger Wäre als die Herzcnsstellung zu Gott, aber wichtig bleibt auch dieLehre als solche dem Mädchen, und zwar wichtiger, als eben oft gemeint wird. Indem Maße, in welchem die weibliche Bildung überhaupt erweitert wird, muß auch diereligiöse Bildung vertieft werden, wenn sie nicht gefährdet Werden soll. Und dies umso mehr, je mehr dem Weibe eine gründliche wissenschaftliche Bildung versagt ist.Auch die Mädchen und Frauen denken, und denken zuweilen schärfer, als die Männer,auch ihnen treten die negativen Richtungen des Zeitgeistes sehr nahe und nicht seltenWerden sie von denselben ergriffen. Soll das Weib in der religiösen Lebensanschauungverharren, so muß diese ihm gewißermaßen zur Philosophie des Lebens werden,d. h. zur fundamentalen Erkenntnis, auf welcher alle übrige Erkenntnis ruht. In dieFülle deS Reichthums, in die unergründliche Tiefe des Gedankens, welche das Chri-stenthum dem denkenden Geiste aufschließt, muß auch das Weib einen Blick gethanhaben, wenn es nicht schließlich der glänzenden Rhetorik der modernen Skepsis undden handgreiflichen Schlüssen des Materialismus verfallen soll. Es ist durchaus

nicht nöthig, daß wir, wenn wir den Mädchen zeigen, das Christenthum werde vondenen nicht begriffen, namentlich in seiner geistigen Tiefe nicht ermessen, die es

angreifen, dadurch sofort in den andern Fehler fallen müßen, die Weiber an ein an-maßendes und absprechendes Raisonniren über religiöse Dinge zu gewöhnen. DerUnterschied ist eben so groß, als die Sache wichtig ist. Es hat zu allen Zeiten einesolche apologetische Darstellung der christlichen Wahrheit gegeben, welche sich andie Gebildeten der Zeit wendete, und diesen Charakter muß der religiöse Unterrichtaus den Hähern Stufen der Mädchenschule haben, weil nur dieser dem Standpunkte

der Bildung entspricht, die fromme Richtung des Gemüthes sichert und für die Auf-

gaben der Gegenwart tüchtig macht. Die Gliederung des religiösen Unterrichts isteinfach. Ans der clemcntarischen Stufe wird die biblische Geschichte, nach der heiligenSchrift erzählt, den Hauptstoff bilden. Wünschenswertst ist es, daß für jede Classeeine Auswahl der Geschichten getroffen werde, welch- das Ganze der Heils ge-schichte umfaßt und nach bestimmten Rücksichten von Classe zu Classe erweitert werdenkann. Die Sprüche, Psalmen, prophetischen Abschnitte rc., sowie die Kirchenlieder,welche gelernt werden, müßen durch regelmäßige Wiederholung zum gesicherten Besitzegemacht werden, ebenso die ersten Leiden Hauptstücke des Katechismus. Die wesent-liche Aufgabe der zweiten (Mittel-)Stufe ist die Einführung in die heilige Schrift,