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Mädchenschule.
Mädchen auf dasselbe keine Rücksicht genommen werden dürfe. Hier könne sich dasveredelte Familienleben in der reinsten Gestalt zeigen und das Haus solle hier ein Hausdes Geistes werden. Uebrigens will Meyer (a. a. O. S. 7), daß die höheren Ständeauch die Elemente, welche den unteren Ständen unentbehrlich sind, durchmachen, undso alle Mädchen gewißermaßen von unten auf dienen sollen. Es ist indessen aus alle-dem doch kein rechtes Bild von der Gestaltung der höheren Töchterschule zu gewinnen.Abgesehen von dem Mangel einer bestimmten Antwort ans die Frage, welches dieGrenzen der intellectuellen Bildung seien, die für jede der vier Stufen festgehaltenwerden sollen, abgesehen ferner von der Vermischung intellektueller und sittlicher Gesichts-punkte, von der irrtümlichen Ansicht, als habe die Schule die Mädchen auf so unmit-telbare Weise in die häusliche Thätigkeit einznführen, und von dem größeren Jrrthum,als gebe es eine Erziehung zu gewißen einzelnen Tugenden, wie zur Arbeitsfreudigkeitfür die unterste, zur Pflichttreue für die dritte Stufe, während alles Löbliche und Guteaus dem einen Quellpuncte einer in sittlicher Tüchtigkeit sich bewährenden aufrichtigenFrömmigkeit hervorgchen muß, bleibt auch die Hauptsache unklar, wie die Mädchenschulezu organisiren sei, damit allen diesen Gruppen der Gesellschaft genügt werde. Geht mandavon aus, daß die letzte Absicht aller Mädchenerziehnng dieselbe ist, daßaber in den verschiedenen Ständen diese Absicht in einem verschiedenenGrade dnrchgeführt werden kann, so wird man nicht wünschen können, daß diesämmtlichen Stände in einer Schule vertreten seien, daß die Mädchen der unteren Ständeetwa in den unteren Elasten Zurückbleiben, die der höheren Stände aber in die höherenElasten hinauf gehen sollen; denn die verschiedenartigen Forderungen, die da an dieMädchen gestellt werden müßten, wo alle Stände noch vereinigt wären, Würden dieganze Einheit der Thätigkeit zerstören. Wenn es daher solche Schulen giebt, wie z. B.Direktor Rudolf (9. allgem. deutsche Lehrerversammlung a. a. O. S. 12) die zuKoethen als eine solche dargestellt hat, „welche (in ck45 Schülerinnen) die Töchter allerStände, des ersten Staatsmannes und des letzten Arbeiters, insofern er nurSchulgeld zahlt, vereinigt," so können solche Anstalten nicht als normale höhere Töch-terschulen angesehen werden. Die Gründe dafür sind oben angegeben, und es wirdimmer rathsamer erscheinen, eine solche Menge von Kindern in zwei Schulen zu ver-theilen, von denen die eine den Charakter der Volksschule und die andere den der höherenSchule entschieden ausprägt, als sie gemeinsam zu unterrichten, wobei weder die Be-dürfnisse der unteren noch die der oberen Schichten der Gesellschaft ihre volle Befriedi-gung finden können. Und auf diesen Unterschied der Mädchenschule als Volksschule undals höheren Töchterschule wird man immer znrückkommen. Von den vier socialenGruppen, welche Meyer aufstellt, werden die unterste und die oberste im allgemeinenals zu dem Publicum der höheren Mädchenschule nicht gehörig betrachtet werden müßen,jene nicht, weil sie in der Volksschule, diese nicht, weil sie für gewöhnlich im Privat-unterricht ihre Bildungsbedürfnisse befriedigt. Was aber über die Volksschule hinaus-geht und also eine höhere Bildung anstrebt, z. B. jede Mädchenschule, welche dasFranzösische aufnimmt, gehört der höheren Mädchenschule an, wie unvollkommen siedieselbe immer darstellen mag. Wenn daher an manchen Orten, wie z. B. in Berlin(nach dem städtischen Normallehrplan) sämmtliche Mädchenschulen in die drei Gattungender Elementar-, Mittel- und höheren Schule getheilt werden, so kann diese Eintheilung,weil sie ans die wirklich vorhandenen Schulen leicht anwendbar ist, ihren praktischenNutzen haben, aber es kann damit*nur gemeint sein, daß die Mädchenschule als Volks-schule von höheren Anstalten unterschieden werden soll, welche ihren Leistungen nach inverschiedene Ordnungen zerfallen. Es wäre wünschenswerth, daß die häufig vorkommendeVerwechslung der Elementar- und der Volksschule auch auf diesem Gebiete vermiedenwürde, denn wenn die unterste Stufe Elementarschule genannt wird, so entsteht immerwieder die irrige Vorstellung, als könne die höhere Töchterschule erst dort anfangen,wo die Elementarschule aufhört, und als könnten die Mädchen zuerst die allgemeine