Mädchenschule.
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ständige Ueben und Arbeiten selbst erst in der Schule gelehrt werden muß, ehe eS vondem Kinde zu Hause gefordert werden kann. Hauptsächlich auf den höheren Stufendes weiblichen Unterrichtes stellt sich die Vorliebe der Mädchen für viele und sorgfältigeSchreibereien, für ausgedehnte Gcdächtnisarbeiten, mit einem Worte für äußerlicheThätigkeiten heraus. Da dieselben der geistigen Entwicklung keinen Gewinn, derkörperlichen aber den größten Schaden bringen, so sind sie um so mehr zu vermeiden,und es sind leichtere, aber das eigene Nachdenken in Bewegung sehende, Aufgaben anderen Stelle zu setzen. Die Zeit, welche für solche häusliche Arbeiten in Anspruch ge-nommen wird, darf in dem Alter vom 6. bis 10. Jahre eine halbe bis eine Stunde,vom 10. bis 13. Jahre 1'/- St. und vom 14. Jahre an zwei Stunden täglichnicht überschreiten. Natürlich muß dabei vorausgesetzt werden, daß die Schülerinnendiese Zeit auch wirklich zur Arbeit verwenden und nicht etwa, wie viele es machen,vertändeln und dadurch einen doppelten und dreifachen Zeitaufwand nöthig machen.Eben darum müßen die Kinder zunächst in der Schule selbst an die rechte Art zu ar-beiten gewöhnt werden. Werden dabei die gegebenen Aufgaben, die im Classenbucheverzeichnet sind, von Zeit zu Zeit controllirt, regelmäßig auf die verschiedenen Tagevertheilt, und nach der mittleren Arbeitskraft bemessen, so wird es nicht leicht geschehenkönnen, was doch so oft vorkommt, daß die jungen Mädchen bis tief in die Nächtehinein für die Schule thätig sein müßen. Auch ist auf solche Zeiten, in denen nochbesondere Ansprüche an die Arbeitskraft der Mädchen gemacht werden, wie die Weih-nachtszeit, die Geburtstage der Eltern rc. eine billige Rücksicht zu nehmen. Das Mädchenwürde in seinem Gemüthsleben und in seiner Stellung zum Hause gestört werden, wennes bei solchen Gelegenheiten verhindert würde, den Angehörigen kleine Freuden zubereiten.
Wenn von der Organisation der höheren Mädchenschule die Rede ist, so wird aneine solche Einrichtung derselben gedacht, welche in allen ihren einzelnen Theilen undBeziehungen von einer Idee getragen werde. Diese Idee kann keine andere als dieder weiblichen Bildung sein, und von der Vollkommenheit, in welcher die Schule dieseIdee zu erfassen und darzustellen sucht, hängen die verschiedenen Arten der hö-heren Töchterschulen, der Lehrplan derselben, so wie die Eintheilungderselben in Classen ab. Es ist schon oben nachgewiesen worden, baß in derEntwicklung dieser Anstalten eine doppelte Tendenz hervortreten muß, die eine, welchedarauf ausgeht, den Forderungen der wirklich höheren und vornehmen Stände zu ent-sprechen, die andere, welche dem Bildungsbedürfnis der aufstrebenden Volksclassen ge-recht werden will. Doch ist innerhalb dieser beiden Richtungen noch immer eine ziemlichgroße Mannigfaltigkeit der Entwicklung denkbar, welche sich im einzelnen nach den be-sonderen, an jedem Orte und in jeder Schule vertretenen, Gruppen der Gesellschaftrichten wird. Meyer aus Lübeck hat in der 9. allgem. deutschen Lehrerversammlungzu Frankfurt a. M. 1857 überhaupt vier sociale Gruppen unterschieden, die bei derSchulbildung der Mädchen in Betracht kommen. Die unterste Stufe, sagt er, sei die-jenige, auf der das Mädchen für einen selbständigen Erwerb, znm Dienen bei einerHerrschaft vorbereitet werden müße, und für diese Stufe seien vor allem praktischeKenntnisse, Gewöhnung au Ordnung und Arbeitsfreudigkeit erforderlich. Der zweiteStand sei derjenige, wo die ökonomischen Verhältnisse des Hauses es erfordern, daßdie Tochter die dienende Kraft sei, welche der Mutter helfend zur Seite steht. Hiersei vor allem ein bisher vermißter Lehrzweig einzuführen: eine Anleitung, die wich-tigsten Verwaltungsgrundsätze im Hauswesen praktisch anzuwenden. Der dritte sei dergehobene Stand, wo das Haus eine fremde Bedienung besitze, die aber der unmittel-baren Aufsicht der Hausfrau bedürfe. Hier fei die Hauptaufgabe der Hausfrau, dieArbeit zu einer Quelle der Freude zu machen; man möge daher die Mädchen in derSelbstverleugnung und stillen Pflichttreue üben. Die vierte Stufe sei diejenige, aufWelcher das ökonomische Interesse nicht unmittelbar hervortrete und bei der Bildung der