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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenschule-

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Elementarschule besuchen, dann etwa in die Mittelschule eintreten und endlich zur höherenSchule übergehen, eine Voraussetzung, welche bei Mädchen noch viel weniger gerecht-fertigt Wäre, als bei Knaben. Jede allgemein bildende Schule muß sich von unten auf,ihrer Eigenthümlichkeit gemäß, aufbauen und daher auch ihre eigene Elementarschulehaben. Wenn an vielen Orten dieses nicht geschieht und die betreffenden höherenMädchenschulen erst vom 10. oder gar vom 13. Jahre an ihre Schülerinnen anfnehmen,so sind dies eben abnorme Zustände, welche in localen Verhältnissen ihre Entschuldigungfinden mögen. Zum Wesen der wohlorganisirten Schule gehört, daß dieselbe alleStufen des Bildungsganges in vollkommener Entwicklung darstelle. Die höhere Mäd-chenschule muß an ihre Elementarschule gewisse Forderungen stellen, welche die Volks-schule entbehren kann, und muß darum dieselbe selbst in sich als ihre erste Stufe be-greifen. Es fragt sich, ob sie über diese erste Stufe noth wendig noch mehrals eine Stufe bauen müße. Geht man von der Volksschule aus, die ja auch mehrals Elementarbildung geben will, so kann es den Anschein gewinnen, als sei die vonder höheren Mädchenschule angestrebte Erweiterung und tiefere Begründung dessen, Wasjene giebt, eine so allgemeine Bestimmung, daß sich alles wünschenswcrthe darin unter-bringen ließe und keine Veranlassung vorläge, noch einmal eine Abstufung vorzunehmen.Und so ist ja auch nach dem Secundarschulgesetze der gesetzgebenden Behörde des EantonsBern vom I. 1856 die Sache dahin geordnet, daß der eigentliche Schnlcursus derMädchen in eine Elementarschule (von 6 Elasten), welcher die Mädchen vom 5. bis 10.Jahre und in eine Secundar- (oder Mittel-) Schule (von 5 Elasten), der sie bis zum16. Jahre angehörcn, getheilt wird, daß sich aber an diese eine Fortbildungsschuleanschließt, welche den doppelten Zweck hat, den Jungfrauen eine ihrer künftigen Stellungini Hause und in der Gesellschaft entsprechende Bildung zu geben, wozu im Interessedes Hauses auch eine summarische und populäre Uebersicht der wichtigsten pädagogischenGrundsätze gerechnet wird, oder sie geradezu, wenn Neigung und innerer Beruf vor-handen, zu Lehrerinnen und Erzieherinnen vorzubereiten. Wenn nun hier der eigentlichenMädchenschule über der elementarischen nur noch eine höhere Stnfe gegeben wird,so liegt doch auf der Hand, daß zwischen dem 11. und dem 16. Jahre eine so bedeu-tende Entwicklung des schnell reifenden Mädchens liegt, die nicht ohne weiteres in allenihren Stadien eine gleichmäßige Behandlung des Unterrichtes züläßt. Aber abgesehenvon der didaktischen Nöthigung, eine neue Abstufung innerhalb des höheren Unterrichtesanzunehmen, spricht dafür noch ein anderer wichtiger Grund. Die Verschiedenheit dergeistigen Anlagen wird es immer mit sich bringen, daß ein Theil der Schülerinnen beiBeendigung ihrer Schuljahre die obersten Elasten nicht erreicht haben wird. Diese Ver-schiedenheit prägt sich gerade bei Mädchen sehr stark aus, indem viele derselben, undunter ihnen oft gerade die durch weibliches Wesen hervorragenden, je älter sie werden,desto mehr eine gewisse Gleichgültigkeit für die geistigen Zwecke der Schule, dagegeneine ausgesprochene Neigung und Anlage für praktisches Wirken verrathen. Liegt nundie Summe des dargebotenen Lehrstoffes in einer fortlaufenden Reihe, so werdendiese Schwächeren, wenn sie ans einer der mittleren Elasten endlich abgehen müssen,möglicherweise ein so fragmentarisches Wissen mitnehmen, daß ihnen das Nothwendigstegerade fehlen kann, und daß sie in einer Volksschule besser daran gewesen wären, welcheden wichtigsten Inhalt der menschlichen Bildung in kurzen und allgemeinen Zügen dar-bietet. Es wird daher immer nothwendig sein, auch für diese Minderbegabten einenvon allen oder doch von den meisten erreichbaren Pni«t zu fixiren, an welchem ihreSchulbildung in Betreff der wesentlichen Kenntnisse einen gewissen Abschluß erhält undein Ganzes an sich geworden ist. Das auf dieser Stufe Erworbene wird dann nochimmer eine bedeutende Erweiterung desjenigen Lehrstoffes enthalten, den die Volksschuleverarbeitet, wird sich aber zu der höheren Stufe der Schule und zu weiteren Bildungs-einflüssen des Lebens wiederum als ein elementarischer Unterbau verhalten, auf welchemein weiterer Ausbau gegründet werden kann. So stellt sich denn für die vollständige