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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenschule.

namentlich bei der Lebendigkeit und Reizbarkeit der weiblichen Natur. Auch bleibt fürdie Uebung der dienenden Liebe noch Raum genug, sowohl in der Schule, als vor-nehmlich im Hause. Am wenigsten kann Feuelon zum Gewährsmann herangezogenwerden. Dieser redet an der betreffenden Stelle (a. a. O. Cap. V.: Instrnotionsinärrsotss: il ns taut pas presssr los snkants) von dem ersten Anfänge des Unterrichtsund kämpft gegen den pedantischen Ernst, durch welchen den Kindern die Lust zumLernen benommen werde. Er charakterisirt diese Pedanterie, indem er darauf hinweist,wie verkehrt es sei, alles Vergnügen auf die eine, alle Langweiligkeit und alle Müheauf die andere Seite, nämlich auf die Seite des Unterrichts zu legen, und fordert auf,die Sache einmal umzukehrcn und den Kindern das Lernen zu einer angenehmen Sachezu machen, gerade so, wie er einige Zeilen vorher den Rath giebt, daß das erste Buch,welches man in die Hand des Kindes lege, sauber gebunden, mit Goldschnitt verziert,mit schönen Bildern ausgestattet sein sollte, um auch dadurch das Interesse des Kindeszu wecken. Das Wahre, was in allen diesen Nathschlägen liegt, findet aber seinenvollen Ausdruck in der richtigen Unterrichtsweise. Weiß der Lehrer die Herzen derKinder zu gewinnen, ihr Interesse zu erregen, ihnen den Unterricht lieb zu machen,so werden alle jene äußern Mittel durch die reine Freude des Geistes und Herzens,die das Kind am Lernen gewinnt, überflüssig- Ueber jene finstere Pedanterie, gegenWelche Fenelon kämpft, sind wir im allgemeinen hinaus und wenn wir für die aller-ersten Anfänge des erwachenden Lerntriebes, die noch ganz in das Hans fallen undder mütterlichen Pflege überlassen werden können, die Rathschläge Fenelons und K. v.Räumers gern gelten lassen, so muß doch gesagt werden, daß ohne eine gewisse Regel-mäßigkeit und Stetigkeit der Lectionen weder ein Schul- noch ein Privatunterricht denk-bar ist. Dennoch liegt in der Scheu Räumers vor dem langdanernden schnlmäßigenUnterricht der Mädchen eine Wahrheit, nur hätte sie anders begründet werden müssen.Sowohl die physiologische als die psychologische Betrachtung der weiblichen Natur scheintzu fordern, daß die Dauer des Schulunterrichts derselben abgekürzt werde. Die Be-sorgnis, daß das andauernde Sitzen der Mädchen in den Schulen zu Rückgratsver-krümmungen und andern körperlichen Uebeln Veranlassung werde, ist oft genug ausge-sprochen worden, hat aber im ganzen die gründliche Beachtung noch nicht gefunden, diesie in der That verdient. Mag Heidenreichs Behauptung, daß unter 20 Mädchen, diedas 1b. Jahr erreicht hätten, nur 7 von Verkrümmungen und Ausgestaltungen freiseien, zn weit gehen, so bietet die Versicherung mancher Aerzte, daß selten ein Menschgefunden werde, der völlig normal gewachsen sei, daß aber die meisten dieser Abwei-chungen unerheblich seien, doch keine Beruhigung, da sie im Gegentheil die gefährlicheVerbreitung der Anlage zu Rückgratsverkrümmungen beweist. Aber außerdem ist eseine Thatsache, daß die Mädchen aus den höheren Ständen gegenwärtig mehr als infrüheren Zeiten an Bleichsucht, Kurzsichtigkeit, Nervenschwäche, Krämpfen rc. leiden,und wenn diese Thatsache ein Product verschiedener Factoren ist, so kann als einer der-selben die Schule nicht übergangen werden. Auch in Darwins und HufelandsAn-leitung zur physischen und moralischen Erziehung des weiblichen Geschlechts," sowie inSchrebersKallipaedie" wird das lange andauernde Sitzen, namentlich wenn dabei dieRückenlehne entbehrt werden muß, für eine Ursache sehr verderblicher Folgen für dieZukunft der Mädchen erklärt. Gegen diese Mahnungen dürfte sich die Schule auch dannnicht verschließen, wenn sie ein gutes Theil der bildenden Einflüsse ihres Unterrichtesaufgeben müßte; es ist aber mehr als wahrscheinlich, daß die Mädchenschule bei einer be-schränkteren Zeit des Unterrichts ihre Zwecke noch besser realisiren würde. Von derfrischeren Empfänglichkeit, welche die jungen Mädchen dem Unterricht entgegenbringenwürden, ist bereits in dem Art.Mädchenerziehnng" (S. 521.) die Rede gewesen. Esist indessen hier auch der psychischen Eigenthümlichkeit des Weibes zu gedenken, kraftderen dasselbe mehr an dem Einzelnen haftet, und der ans das Allgemeine gehenden,systematischen Construction des Wissensinhaltes sich mehr abwendet, als der männliche