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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenschule.

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Beziehungen des Menschen geben, und wollen dies auf keine andre Weise thun, alsso, daß das Gemüth der Mädchen dadurch nur inniger auf Gott gerichtet und nur nochbesser für ihre häusliche Bestimmung geschickt gemacht werde. Wie kämen sie bei solcherTendenz dazu, ihre Schülerinnen gelehrt zu machen? Und wo sollten sie die Mittel,die Zeit, die Gelegenheit finden, dergleichen Neigungen zu wecken und zu fördern!

Nach diesen Erörterungen wird es nicht mehr nöthig sein, auf diejenigen Angriffegegen die höhern Töchterschulen näher einzugehen, die von demselben gefühlsmäßigenStandpuncte, aber ohne die Klarheit Räumers nach ihm noch erhoben worden sind.DieBriefe an eine Mutter über die wichtigsten Mängel in der fetzigen Erziehung derTöchter," in denen Fr. Joachim Günther 1851 den Plan zu einer Verbesterung derMädchenschule veröffentlichte, schließlich aber die Töchterschule, also auch die verbesserte,für ein ncthwendiges Nebel erklärte, gierigen ohne Wirkung vorüber. Aufsehen dagegenerweckte durch seinen kecken Ton ein AufsatzWider die höhern Töchteranstalten" (inder deutschen Vierteljahrsschrift l855 4. Heft), der doch, wie R. Koeuig (über weib-liche Erziehung von Hanna Moore, S. 15) nachgewiesen hat, weder eine Kenntnisder betreffenden Zustände in alter und neuer Zeit verrieth, noch überhaupt etwas neues,was nicht schon unendlich oft gesagt war, aussprach. Ein Referat über diesen Aussatzin der Augsburger Allgemeinen Zeitung (Nr. 28, 29; 1856 in den Beilagen) wieder-holte die dort geäußerten Beschuldigungen und versprach später positiveVorschläge", dieindessen nicht erschienen sind.

Auch Schwarz (Grundsätze der Töchtererziehung für die Gebildeten. 2. Ausl. 1836S. 215 f.) hat sich gegen die höheren Schulen für Mädchen erklärt. Da er dies aberhauptsächlich aus dem Grunde thut, weil er fürchtet, daß diese Schulen das Mädchenzu sehr in Anspruch nehmen, dem häuslichen Sinne und Leben entfremden und dadurchden sittlichen Schwerpunkt der weiblichen Bildung verrücken dürften, so kann er nichtfür einen principiellen Gegner dieser Anstalten angesehen werden, denn der Schule mußselbst daran liegen, das rechte Maß ihrer Forderungen einzuhalten. Vielmehr ver-dient dieses Bedenken bei der Frage über die Organisation der höhern Mäd-chenschulen die ernstlichste Beachtung. Ein Uebermaß der von der Schule, theils fürdie Lehrstunden, theils für die häuslichen Arbeiten in Anspruch genommenen Zeit trägtnicht nur dazu bei, die Mädchen ihrer eigentlichen Bestimmung wirklich zu entfremdenund dadurch das Familienleben zu zerstören, sondern es schadet auch der Schule selbstund hebt die Erfolge des Unterrichts zum großen Theile wieder auf. In dem ArtikelMädchenerziehung" (S. 520) ist vom Standpuncte des Hauses aus dieses Uebermaßder von der Schule gestellten Forderungen bereits besprochen; es bedarf indessen auchim Interesse der Schule selbst einer Beleuchtung. Daß die Mädchenschule zum Hausenoch ein anderes Verhältnis habe, als die Knabenschule, wird sich immer und an sehrverschiedenen Puncten zeigen, und es wird immer zum Nachtheile der Schule auSschlagen,wenn die Mädchennatur, wie es in unseren Tagen vielfach geschieht, ganz ignorirt wird.Wenn K. v. Raumer (a. a. O. 207), wie oben erwähnt, den Schulunterricht derMädchen schon darum verwirft, weil derselbe mehrere Stunden hintereinander andaureund weil schon dies lange Verweilen der Mädchen bei einer Beschäftigung der weib-lichen Bestimmung zum allzeitfertigen Dienste widerspreche, und wenn er darum, sichauf Fenelon und Frau Necker berufend, eine solche Art des Unterrichtes fordert, welche,auf alle Regelmäßigkeit verzichtend, nur die günstigen Augenblicke warnimmt, in denendas Kind, des Spieles müde, sich einer geistigen Anregung von selbst erschließt: soWäre freilich, falls diese Forderungen die richtigen wären, die Schule als solche un-möglich. Aber diese Forderungen sind nicht berechtigt. Zunächst ist es schon einseitig,daß die Mädchen an eine dauernde Beschäftigung nicht sollen gewöhnt werden. Dassollen sie gerade recht sehr, denn ihr ganzes Leben ist viel eintöniger, viel mehr derGleichartigkeit des Thuns, viel mehr der stillen Beharrlichkeit in der vorgeschriebenenäußeren Pflicht zugewendet, als das des Mannes, und auch diese Kunst will geübt sein,