Mädchenschule.
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Geist. Würde auf diese Eigenthümlichkeit der weiblichen Seele im Unterrichte schärfergeachtet, so würde wahrscheinlich viele auf denselben gewendete Zeit erspart und dasResultat dennoch ein befriedigenderes werden. Bedenkt man z. B., mit welchem Zeit-aufwands und in welcher Breite der Behandlung von den unteren Elasten bis in dieobersten hinein die deutsche Satzlehre besprochen zu werden pflegt, ohne daß doch einerechte Klarheit darüber und eine darauf ruhende Sicherheit der Interpunktion bei denMädchen erreicht wird, so wird man sich dem Geständnis kaum entziehen können, daßauf diese Dinge viele Zeit und Mühe, wie es scheint, vergeblich gewendet werde. Ab-gesehen von andern Gründen dieser Erscheinung, ist aber gewiß eben die stete Wieder-kehr, die umständliche und doch nichts neues und anregendes darbietende Durcharbeitungdes grammatischen Stoffes eine von den wichtigsten Ursachen, warum diese Erkenntnissebei den Mädchen so wenig haften. Würde dieser Stoff seltener tractirt, würde wenigerGewicht auf die äußere Vollständigkeit desselben gelegt, würde er aus eine das eigeneNachdenken mehr herausfordernde Weise gehandhabt, so würde er bei Mädchen wahr-scheinlich größere Wirkung äußern, er würde sie interessiren, sie zur Reflexion reizen,während er sie nach der gewohnten Weise langweilt. Weniger Stunden, in der rechtenWeise benutzt, könnten daher in diesem Stücke vielleicht ein besseres Resultat Hervor-bringen. Und warum nur in diesem UnterrichtSgegenstande? Es sind immer Mädchen,die unterrichtet werden, und die geistige Natur derselben verläugnet sich nirgends. Ausalle dem dürfte mit ziemlicher Gewißheit gefolgert werden, daß die Schule es demHause eben so sehr als sich selbst schuldig ist, ihre Forderungen an die Zeit und Kräfteder Mädchen zu mäßigen. Die Zahl der Stunden, welche dem Unterrichte inder Schule eingeränmt werden müßen, dürfte mit gutem Rechte auf durchschnittlich24 bis 28 in der Woche beschränkt und so vertheilt werden, daß nur der Vormittagdem wissenschaftlichen Unterrichte, der Nachmittag den technischen Hebungen gewidmetwürde. Auf der elementarischen Stufe genügen im Anfänge 24 wöchentliche Stundenvöllig; in den mittleren Elasten, wo immer noch das Lesen und Schreiben geübt werdenmuß und die meisten höhern Unterrichtsgegenstände schon eintreten, wird sich die Zahlder wöchentlichen Stunden auf 28 steigern, in den obern Elasten aber wieder auf 26Stunden herabsetzen lassen. Ueber die Zeit der Stunden herrscht eben so wenig Ueber-einstimmung als über die Zahl derselben. Die meisten Schulen beginnen um 8 Uhr,viele indessen erst um 9 Uhr des Morgens, jene schließen den Vormittagsunterricht um11 oder 12, diese gewöhnlich um 1 Uhr. Die localen Zustände werden darüber ent-scheiden müßen, welche von beiden Zeitbestimmungen im bestimmten Falle die passenderewäre. Im allgemeinen sprechen die Lebensgewohnheiten in den größcrn Städten ebenso sehr, als die Rücksichten, welche das weiblicke Leben erfordert, für den Anfang derMädchenschule um 9 Uhr des Morgens. Wo es dann möglich ist, den Unterricht bis1 Uhr auszudehnen, würde der Nachmittag nur einmal oder zweimal (und dann ge-wöhnlich nur für die Handarbeiten) in Anspruch genommen werden, und cs hätte dannjede Schülerin mindestens vier ganz freie Nachmittage. Freilich darf der Nachmittags-unterricht da, wo Vormittags erst um 1 Uhr geschlossen wird, auch erst um 3 Uhrbeginnen. In denjenigen Ländern der evangelischen Kirche, in welchen die auf einemabnormen Verhältnisse zwischen Kirche und Schule beruhende Sitte herrscht, daß dieKatechumenen ein oder gar zwei ganze Jahre hindurch wöchentlich in zweiStunden einen Vorbereitungs-Unterricht für die Einsegnung empfangen, gereicht dieseSitte den Töchterschulen in größeren Städten zu empfindlichem Nachtheile, da dieserKatechumenen-Unterricht, zu verschiedenen Zeiten von verschiedenen Predigern erthcilt,die regelmäßige und continuirliche Theilnahme am Unterricht gänzlich aufhebt und denMädchen eine praktische Anweisung wird, die Pflichten gegen die Schule gering zuschätzen. Dieses Verhältnis ist ein sehr beklagenswerthes, es ruft nnnöthigerweise Bit-terkeit gegen die Geistlichen hervor und verwirrt die Gewissen. Es darf indessen nichtübersehen Werden, daß die Schule, so lange sie selbst alle die Stunden in Beschlag