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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenschule.

liche sei, und was getadelt werden müße? Vielleicht, weil er nun einmal von derSchule kein Heil erwartet. Wir haben also dasjenige, was er sodann von den Mütterngelehrt wissen will, darauf anzusehen, ob wir es in die Schule einführen und so be-handeln können, wie er es behandelt wissen will. Sehen wir ab von seinen Ansichtenüber die religiös-sittliche Bildung der Mädchen, welche vollkommen anzuerkennen undin ihrer Bedeutung für die weibliche Bildung bereits (Mädchenerziehung S. 501) ge-würdigt sind, sehen wir ab von seiner Verwerfung des schulmäßigen, mehrere Stundenhintereinander betriebenen Lernens, der wir schon nicht beistimmen können, so nnbezweifeltandrerseits die Wichtigkeit dessen ist, daß das Weib nach dem Götheschen Worte beiZeiten dienen lerne; so finden wir zunächst in der Wahl der Lehrobjecte kein Princip,denn es ist z. B. nicht zu verstehen, warum die Mädchen das Französische und Eng-lische lernen und lesen und gar keinen Blick in den grammatischen Bau der Mutterspracheund in die vaterländische Literatur thun sollen, warum sie Naturgeschichte und Geschichtetreiben und doch ohne alle geographische Kenntnis bleiben sollen, wir finden aber so-dann auch, daß die hier angedeutete Behandlung mancher dieser Objecte geradezu desbildenden Einflußes beraubt ist. Wenn beim Naturunterrichte nur von der Neigungder Mädchen für Blumenmalerei und für die Pflege der Hausthiere, allenfalls auchvon ihrer Augenweide an schönen Edelsteinen die Rede ist, so wird niemand darin eineAnweisung erkennen, wie Naturgeschichte mit Mädchen betrieben werden soll. Auchwird man billig fragen, ob sie nie etwas von Donner und Blitz und von den Kräftender Natur, die sie rings umgeben, erfahren dürfen. Ganz ebenso unzusammenhängendund ungenügend ist die Darstellung des geschichtlichen Unterrichts. Ziehen wir dieSumme, so müßen wir sagen, die ganze Ansicht Räumers von dem Unterrichte derMädchen entbehrt der Gründlichkeit und der Erfahrung. Er geht von einem sehr ehren-Werthen Gefühle für das Wesen der Weiblichkeit aus, und daß er von diesem Gefühleaus ein so entschiedenes Wort für die häusliche Bestimmung der Mädchen und fürden religiösen Charakter ihrer Erziehung geredet hat, wird immer ein Verdienst bleiben.Aber es fehlt seinem verwerfenden Urtheil über die höheren Töchterschulen die Rücksichtauf die allgemeinen und öffentlichen Zustände unseres Volkes, auf die veränderten so-cialen Verhältnisse und Bildungsbedürfnisse der Zeit und auf die innere Entwicklung,Welche die höhere Töchterschule durchgemacht hat. Immer ist es die Furcht vor derGelehrsamkeit der Frauen, welche sich zuletzt hinter der Feindschaft gegen diese Anstaltenverbirgt, gegen eben diese Anstalten, denen doch in demselben Athen: vorgeworfen wird,daß sie nur dürftiges leisten. Wäre es so schlimm mit dieser Gelehrsamkeit, so müßteDeutschland bereits von gelehrten Frauen wimmeln. Wir halten viel eher den andernVorwurf für gerechtfertigt, daß die Leistungen der höhern Töchterschulen im ganzenschwach zu nennen sind, und daß sie füglich bedeutender sein könnten. Die Geschichteder weiblichen Bildung lehrt aber auch, daß die Mädchenschulen der gelehrtenErziehung der Frauen im Princip feindlich entgegen treten, und es ist keineFrage, daß in dem Maße, in welchem diese Anstalten zur rechten Organisation undWirkung gelangen, die Erscheinung der gelehrten Frauen immer mehr verschwindenwird, wie dies auch bisher schon der Fall gewesen ist. Schon die Idee einerallge-meinen Bildung," auf welcher die Mädchenschulen ruhen, ist der Entwicklung eigentlichwissenschaftlicher und gelehrter Neigungen ungünstig, denn solche Neigungen können sichnur da entwickeln, wo der Blick auf ein begrenztes, in seiner systematischen Gliederungund in der ganzen Breite des Details dargelegtes Gebiet der Wissenschaft dauernd ge-richtet wird. So war es im Mittelalter, als das Lateinische der Ausgangspunct unddie Summe der höheren Frauenbildung war, aber unsere Töchterschulen wollen keineeinzige Sprache und keine einzige Wissenschaft, auch nicht etwa eine gewisse Gruppevon Wissensgebieten zu ihrem Reiche machen, sondern sie wollen die Mädchen befähigen,einen verständnisvollen Antheil an allem Guten und Schönen, was die echte Bildungdes Volkes darbietet, zu nehmen, wollen ihnen einen klaren Blick in alle wesentlichen