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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenschule.

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zeitweiligen Trennung und des Wiedersehens vor. Wir kannten ein Mädchen, welchesdie Schule so lieb hatte, daß es nur mit der größten Schwierigkeit in Krankheitsfällenzu bewegen war, sie zu versäumen, und welches doch niemals auf andre Weise ausder häuslichen Wohnung in die Schule gieng, als rückwärts gewendet, um noch dasganze volle Bild des heimatlichen Daseins in der Seele mitzunehmen. So gieng esimmer von einer Seligkeit zur andern. Wir wollen nicht dabei verweilen, wie bereichertdas Leben des Hauses, wie geläutert der Blick der Eltern für die Eigenthümlichkeit derKinder durch die Erfahrungen des Schullebens werden muß und legen hier das Gewichtnur auf den einen überaus bedeutenden Umstand, daß durch die Schule dem Leben derMädchen ein Inhalt und eine Ordnung gegeben wird, welche die Häuslichkeit in diesemAlter niemals zu geben vermag. Sehen wir doch die Verlegenheit der Mütter darüber,was sie mit den Töchtern anfangen sollen, in sehr vielen Fällen sofort wiederkehren,sobald dieselben die Schule verlassen haben. Hier ist es allerdings mehr das mangel-hafte Verständnis der Erziehungspflicht und der innere Verfall des Familienlebens, dersich in jener Verlegenheit spiegelt; aber einengroßen Antheil an derselben hat jedenfallsder Stillstand jenes gewohnten rhythmischen Wechsels zwischen Schule und Haus unddie empfundene Last der ganzen Erziehungspflicht, die nun so plötzlich auf den Elternallein ruht. Alles dieses wird von der täglichen Erfahrung so klar gelehrt, daß mansich billig über die oft so kurz absprechende Verurtheilung der höhern TöchterschuleWundern muß. Wenige sind mit ihnen zufrieden, den einen lehren sie zu viel, denandern zu wenig. Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, daß auch RäumersAnsicht von der Entbehrlichkeit derselben eigentlich aus einem bittern Urtheil über dieUntauglichkeit der Mädchenschulen, wie er sie sich dachte oder wie er sie kannte, her-vorgegangen ist. Man lese nur seine Schilderung ihrer Leistungen (a. a. O. S. 172 f.) !Er weiß von keinem andern Unterrichte des Französischen, als von einem solchen, dener lieber ein „Abrichten" nennen möchte, „wie Papageien nnd Staare abgerichtetwerden." Zwar hat er dabei zunächst die Bonnenerziehnng vor Augen, aber eineSeite weiter, wo er von der Schule redet, überträgt er doch diese harten Vorwürfeohne Umstände auch ans diese: „Werden die Mädchen dressirt, sich ohne Sinn undVerstand französische Redensarten anzueignen, so verlangt dagegen der Lehrer desDeutschen: sie sollen alles und jedes, was sie lesen, verstehen — ja sie sollen es mehrals verstehen, sie sollen sich auch dieses ihres Verstehens bewußt sein." „Welche The-mata," heißt es weiter, „giebt man nicht den armen Mädchen zu schriftlichen Arbeiten!"Und nun folgt eine Diatribe gegen gewisse schlechte Themata: „Wir sind hiemit beiweitem noch nicht zu Ende mit allen Ingredienzen der Schulbildung unserer Mädchen.— Man lese nur das erste beste Einladungsprogramm zu einem Mädchenexamen; welchein Ueberfluß an Lchrobjecten!" Und nun folgt ein Angriff auf einen verkehrten Un-terricht der Botanik. Aber diese ganze Darstellung dessen, was nach Raumer die höherenTöchterschulen betreiben, entspricht nicht der Wahrheit. Er mag deren schlechte gesehenhaben, und wir müßen zugeben, daß es deren noch immer giebt; aber dem allgemeinenStandpuncte ihrer gegenwärtigen Entwicklung entsprechen diese Schulen eben so wenig,als die Schilderung Räumers. Und giebt es nicht auch schlechte Schulen anderer Ka-tegorien? Werden nicht auch ans Gymnasien unangemessene Themata gelegentlich auf-gegeben? Aber wir dürfen in der Zurückweisung dieser Vorwürfe noch einen Schrittweiter gehen. Raumer gehört zu denen, welchen in der höhern Töchterschule zu vielgelehrt wird. „Welch ein Ueberfluß an Lehrobjecten!" ruft er ans und setzt doch gleichhinzu: „Nichtig gelehrt, wäre manches sehr löblich, verkehrt behandelt, wird es ganzverwerflich." Also geht sein Angriff gegen die Schule eigentlich darauf hinaus, daßsie alles verkehrt behandle. Wenn es so wäre, so könnte doch eine richtige Behandlungin die Schule eingeführt werden. Warum geht er nicht darauf aus, diese richtige Be-handlung darzustellen, warum verwirft er die Schule um ihrer Fehler willen in Bauschund Bogen? Warum zeigt ec nicht, was aus der Fülle der Lehrobjecte das sehr löb-