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Mädchenschule.
durch Chemie gegeben und vor allen Dingen die weiblichen Handarbeiten geübt werden.Grift man das Französische nicht geradezu als überflüssig und undeutsch an, so griffman doch die grammatische Art, es zu lehren, an und wollte, was freilich von denmeisten mit bessern Gründen gerade verworfen wurde, daß die Schülerinnen auch zueinem sichern und gewandten Gebrauche der Sprache geführt werden sollten, damit siedereinst einen praktischen Nutzen von der Sache hätten. Zu diesen principiellen Gegen-sätzen kamen persönliche Neigungen und Stimmungen der Zeit, und der Mädchenschulewußte jeder einen Rath zu geben. Jean Paul forderte Astronomie, und Jahn (Deut-sches Volksthum S. 205) erklärte sogar das Schießen für höchst nothwendig,damit auch die deutsche Jungfrau im Nothfalle nicht wehrlos sei. Wie wunderlichsolche Vorschläge uns Vorkommen, so haben sie doch einen sehr ehrenwerthen Grund:sie wurzeln in dem Streben, den eigentlichen Begriff und den nothwendigen Inhaltder weiblichen Bildung zu finden. Vergleichen wir, was sonderbares solcher Art inDeutschland vorgekommen, mit den analogen Bestrebungen anderer Nationen, z. B. derEngländer und Amerikaner, die noch heute, wenn von höherer Bildung der Mädchendie Rede ist, keinen andern Rath wissen, als die Vertiefung in männliche Gelehrsam-keit, und die in (englischen) Privathänsern, sowie in (amerikanischen) Privatschulen dieMädchen in die abstractesten Wissenschaften einführen lassen; so werden wir, trotz allerjener Sonderbarkeiten, die deutsche Gründlichkeit auch auf diesem Gebiete nicht ver-kennen. Der Ernst der Zeit, die Vertiefung des religiösen und kirchlichen Bewußtseinsdrang allmählich auch in die höheren Mädchenschulen ein, und wenn auch die Praxisdem nicht immer ganz entsprach, so verbreitete sich doch die Theorie, daß Mädchen vorallen Dingen religiös gebildet werden müßten. Eine Reihe von besonnenen und ein-sichtigen Männern, welche höhere Töchterschulen in diesem Geiste leiteten und überWeibliche Bildung mit Ernst und Gründlichkeit nachdachten, wie Meier (Vater undSohn) in Lübeck, Kühner in Frankfurt a. M., Seinecke in Hannover, Spillecke undBormann in Berlin, Schornstein und Friedländer in Elberfeld rc., wirkte anregendauf die jüngere Generation. Zur tieferen Verständigung über die auf diesem Gebietezu lösenden Aufgaben trugen in neuerer Zeit neben den Schriftstellern und Schrift-stellerinnen, welche das Ganze der weiblichen Bildung einer Prüfung unterwarfen, na-mentlich die Programme, Lehrpläne und Schulschriften bei, welche von erfahrenenSchulmännern aus der unmittelbaren Erfahrung ihres Wirkens an Mädchenbildungs-anstalten heraus veröffentlicht wurden und unter denen die Arbeiten von Schornsteinund Friedländer in Elberfeld, König in Oldenburg, Merget in Berlin, sowie die perio-disch wiederkehrenden Berichte über ihre Anstalten von Mäzner in Berlin, von Dieck-mann in Hannover, von Gleim in Breslau rc. eine ehrenvolle Stelle einnehmen. Ebenso wichtig war aber für diese Anstalten, daß in mehreren Ländern Deutschlands dieStaatsbehörde es für nöthig hielt, höhere Mädchenschulen zu errichten, diese mit Um-gehung aller ungesunden Auswüchse zu organisiren und durch dieselben auf die Mengeder Privatanstalten zu wirren. Auch von diesen letzteren wurde wenigstens die Vor-legung der Lectionspläne gefordert. Bald erkannten nun auch die Gemeinden die Noth-wendigkeit, dergleichen Anstalten ins Leben zu rufen; in vielen größern und MittlernStädten entstanden in den 30 und 40ger Jahren städtische höhere Töchterschulen, undviele der blühendsten Anstalten gehören gegenwärtig gerade dieser Kategorie an. Dadie Entwicklung solcher Schulen ans das innigste mit den socialen Zuständen und lo-calen Bedürfnissen zusammenhängt, so besteht eine nicht geringe Verschiedenheit unterdiesen Anstalten in Betreff der Einrichtung und des Zieles, und wie sich in den höhe-ren Bürgerschulen aus denselben Gründen verschiedene Gattungen höherer und nie-derer Ordnung entwickelt haben, so läßt sich an den höheren Töchterschulen dieselbeErscheinung Warnehmen. Manche dieser Schulen sind mit Lehrerinnen-Bildnngsanstaltenverbunden und mit der Berechtigung ausgestattet, ihre Schülerinnen unter Aufsicht einesSchulrathes für das Amt der Lehrerin zu prüfen. Abgesehen aber von allgemeineren