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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenschule.

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ziehen, sittlich reine Gattinnen, rechtschaffene Hausfrauen bilden wollte; nur in denMitteln für diesen Zweck vergriff man sich. Man sprach viel von der Bescheidenheit,von der Reinheit, von der Zartheit, von allen Tugenden des Weibes, aber man erzogdie Mädchen zur Eitelkeit und Aeußerlichkeit des Wesens durch dieses fortdauerndeReden über die genannten Tugenden selbst, durch die ans der philanthropistischen Schulehervorgegangenen Reizungen zur Ehrsucht und durch den gesetzlichen Standpunct, aufwelchen man sich stellte. Man hängte die Schulgesetze in die Classen (s- fortgesetzteNachricht von der Heinsiusschen Töchterschule. Berlin 1815, S. 6). Man stellteöffentliche Prüfungen an, bei welchen die jungen Mädchen, nachdem sie mit ihrenKenntnissen geprunkt, auch vor dem Publikum declamirt hatten, endlich die Ehrenpreiseerhielten, mit denen sie sich öffentlich schmücken durften. Nicht genug damit, man ver-kündete diese Preise in Schulschriften, um sie noch weiter bekannt zu machen. Solesen wir in den „Nachrichten, seine Schulen betreffend" (Berlin 1806, von ProfessorA. Hartung, der 1787 in Berlin die erste höhere Töchterschule dieser Art eröffnethatte, S. 20) Folgendes: 1) Dcmoiselle Doris Lieber aus Berlin. Sie erhielt beiihrem Abgänge das erste Ehrenzeichen der Schule, die weiße Rose, mit allen Stimmenihrer Lehrer, ihrer Lehrerinnen und ihrer Mitschülerinnen. 2) Demoiselle HenrietteVieweg aus Berlin. Auch sie erhielt bei ihrem Abgehen das erste Ehrenzeichen derSchule, die weiße Rose mit ^/s Stimmen ihrer Lehrer und Lehrerinnen und mit 24Stimmen ihrer Mitschülerinnen. 3) Fräulein Henriette v. Pelkowski aus Berlin. Sieerhielt das zweite Ehrenzeichen der Schule, die rothe Rose, mit allen Stimmen rc. rc.Da diese Ehrenzeichen, heißt es weiter, nur den Würdigen zuerkannt werden und schwerzu erringen sind: so haben sie anch einen hohen Werth und reizen zum Fleiße, zurOrdnung, zur Pünctlichkeit und fördern gute Sitten. Mit jenen mühsam erworbeneneinfachen Rosen geschmückt, erscheinen nicht nur meine dermaligen, sondern auch meineehemaligen Schülerinnen bei allen Schulfeierlichkeiten. Mehrere setzen einen so großenWerth darauf, daß sie mit denselben geziert vor den Traualtar treten. Noch neuer-dings benutzte ein achtungswürdiger hiesiger geistlicher Rath diesen Umstand in seinerTraurede und wirkte dadurch nicht nur wohlthätig auf die Braut und deren gegenwär-tige, ehemalige Mitschülerinnen, sondern auch auf die Schule. So (sio!) sollten, müßtenund könnten Prediger und Schulmänner sich überall die Hand bieten: denn sie arbeitenja beiderseits im Weinberge des Herrn." Schwerlich ist wohl auf irgend einem Lebens-gebiete die schwächliche und kleinliche Selbstanbetung des Individuums, zu welcher derRationalismus in Verbindung mit der poetischen Gefühlsseligkeit der Zeit die Menschentrieb, so systematisch ausgebildet und für egoistische Zwecke so ausgebeutet worden, alsin diesen weiblichen Privatschulen. Man schwelgte in diesen Scheinresultaten der weib-lichen Erziehung noch fort, als bereits die großen Geschicke der Völker die Deutschenan die eigentliche Grundlage aller Bildung, an die echte Religiosität, die aus der Nothdes armen und warmen Herzens kommt, gemahnt hatte. Neben der gefühlsseligenIdealität, in welcher die einen gefangen waren, machte sich aber bereits seit der Mittedes vorigen Jahrhunderts eine realistische Richtung anderer geltend, deren Losung eswar, die Schule müße, wie den Knaben, so auch das Mädchen für das Leben bilden.Drohte jene Idealität die Frömmigkeit zu zerstören, so schien dieser Realismus daraufauszugehen, die Bildung selbst, die man doch beabsichtigte, wieder aufzuheben. Denndaß die Schule -in sich selbst ihren Zweck habe, daß sie als ein lebendiger Organismussich mit unwesentlichen Bestandtheilen des Unterrichts, die der eine oder der andereleicht entbehren könne, gar nicht befassen dürfe, wurde nur von wenigen erkannt. Manbezog die Vorbildung, welche die Schule für das Leben geben sollte, auf die nächsten,sichtbaren und greifbaren Zwecke des Lebens und forderte diese Vorbildung auch vonden Mädchenschulen. Da sollten Wirthschaftsrechnungen geführt, statt aller NaturkundeTechnologie und Waarenkunde gelehrt, um der künftigen Bestimmung des Weibes willendie Physiologie des Menschen gründlich betrieben, der Kochkunst eine rechte Grundlage