Mädchenschule.
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strebten, doch durch die Absonderung des Geschlechts, durch die daran sich knüpfendezartere Behandlung, sowie durch sorgfältigere Durchführung ihrer Aufgabe sich alseine höhere Gattung von Schulen denjenigen empfahlen, die ihre Töchter mehr geför-dert sehen wollten und überhaupt höhere Ansprüche auf Bildung machten. Wäre einsolcher Unterschied nicht anzunehmen, so würde nicht zu begreifen sein, daß beide Arten,für den Unterricht der Mädchen zu sorgen, so ruhig neben einander bestehen konnten.Denn entweder die deutschen Schulen boten in jeder Beziehung dasselbe, was von denMädchenschulen erwartet wurde, und dann ist nicht abzusehen, warum die Reformato-ren so eifrig auf die Errichtung von Mädchenschulen Bedacht nahmen, und warumdiese Anstalten nur in größeren Städten sich hielten, oder es war eben ein Unterschiedins Auge gefaßt, und dann konnte es kein anderer sein als der eben bezeichnte. Daßneben solchen Veranstaltungen für weibliche Bildung in den eigentlich vornehmen Lebens-kreisen jener Zeit noch immer ein außerordentlicher Privatunterricht für die Töchternöthig erachtet wurde, der dann auch noch sehr lange, ganz wie früher, auf Gelehr-samkeit ausgieng, versteht sich von selbst. Kenntnis der lateinischen und griechischenSprache wurde um so mehr von den gebildeten Damen der wirklich höheren Ständegefordert, als diese Kenntnis allein zu einem selbständigen Urtheil über die Ereignisseund Lebensfragen jener Zeit befähigen konnte. Es gab Frauen, die das neue und dasalte Testament im Urtexte lasen, und es wurde noch am Ende des 17. Jahrhunderts(z. B. in den „Projccten, wie die Anführung Herren-Standes, adlicher und andererfürnehmer Jugend, veranstaltet, und guten Theils wirklich eingerichtet und angefangen"Halle, 1698), ausdrücklich Unterricht im Griechischen und Hebräischen für die Töchterals nöthig erachtet (s. vr. I. Horkels Reden und Abhandlungen von Ur. E. Heiland,Berlin 1862 S. 102.). Aber diese sociale Sphäre hatten die Reformatoren ebenso-wenig im Sinne, als die der dienenden und unfreien Volksklassen, wenn sie von be-sondere Mädchenschulen redeten, sondern die mittleren Stände, die zwischen jenenbeiden in immer größerer Mannigfaltigkeit der Berufsarten ansiengen sich geltend zumachen, die aber damals zu einer Einheit des Begriffs in rechtlicher, staatlicher undandern Beziehungen noch nicht so zusammen gewachsen waren, wie dies in dem späteren„dritten Stande" oder in dem heutigen „Mittelstände" geschehen ist.
Uebrigens war der Erfolg dieser Bemühungen Bugenhagens ein ziemlich geringer.Weniger Wohl darum, weil es an geeigneten Lehrerinnen fehlte, Denn an diese wardoch die Mädchenschule nicht allein gewiesen, aber das Erkalten der Herzensfrömmig-keit, das Hervortreten der konfessionellen und politischen Gesichtspunkte in Sachen derReligion, endlich die Schrecken und Verheerungen des dreißigjährigen Krieges — allediese Ursachen riefen eine allgemeine Depravation des Schulwesens hervor, vor welchernur vereinzelte Unterrichtsanstalten durch geniale Schulmänner bewahrt wurden. Amhärtesten traf dieser Zustand des Schulwesens das weibliche Geschlecht. Auch in dengrößeren Städten, in welchen durch Bugenhagens Einfluß besondere Mädchenschuleneingerichtet worden waren, gierigen dieselben größteutheils ganz ein und machten Win-kelschulen Raum, in denen doch wieder Knaben und Mädchen zusammengethan wurden.Bei dem Verfalle des öffentlichen Unterrichts, welcher selbst in den niederen Schulenden bescheidensten Forderungen kaum entsprach, wucherte das Privatschulwesen in einerheute kaum begreiflichen Weise. Studenten, verkommene Gelehrte, aber auch mit ihnenconcurrirend alte Weiber, Schlächter, Schuster, Nachtwächter traten als Schulhalterauf. In Königsberg bestanden um das Jahr 1700 an 200 Winkelschulen (s. HorkelsReden rc. S. 110). Knaben, denen man eine gründlichere Bildung angedeihen lassenWollte, schickte man in renommirte Anstalten in der Ferne, allenfalls auch zu den Jesuiten,aber für Mädchen wäre dies nach den Begriffen der Zeit noch unmöglich gewesen,auch wenn eS solche Anstalten für sie gegeben hätte. Sie waren also ans die-Winkel-schulen angewiesen und wie es in diesen damals aussah, darüber belehrt uns eineSchulordnung von Lübeck vom I. 1639 (s. Geschichte des deutschen Volksschulwesens