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Mädchenschule.
Mittwoch und Sonnabend Nachmittag ist frei. Die Eintheilung der Lehrstunden istsehr einfach: Vormittag Lesen (Abhören der Geförderten und Uebung mit den An-fängern), Nachmittag Schreiben und Singen. Mittwoch und Sonnabend VormittagKatechismus, Psalmen, Sprüche lernen. Anch die Anfangsgründe der Gesangslehreund „mit der Zeit" die des Rechnens werden gefordert. In den späteren Visttations-,Kirchen- und Schulordnungen bis ans Ende des Jahrhunderts bleibt überall der vonLuther und Bugenhagen aufgestellte Typus der Mädchenschule erkennbar, und es stelltsich in dieser ganzen Zeit nirgends ein Fortschritt, vielmehr sehr bald ein Rückschrittvon dem, was die Reformationszeit geschaffen hatte, heraus.
Die Bedeutung dieser Einrichtungen für die weibliche Bildung lag zunächst darin,daß eine besondere Veranstaltung für den Unterricht der Mädchen, im Unterschiede vondem der Knaben, als nothwendig erkannt wurde, daß man auch das weibliche Geschlechtan dem eigentlichen Gewinne der Zeit, der reinen Lehre des Evangeliums, theilnehmenlassen und sie zum selbständigen Gebrauche der h. Schrift befähigen wollte, endlichdarin, daß man die Fürsorge für diesen Mädchenunterricht als eine Angelegenheit be-trachtete, welche im Interesse der Gemeinde, der kirchlichen, wie der bürgerlichen liege.Man könnte bei den geringen Forderungen, welche diese Schulordnungen an die Mäd-chenbildung machten, zu dem Zweifel geneigt sein, ob in diesen Anstalten wirklich dieAnfänge der höheren Mädchenschulen gesucht werden dürfen. Indessen ergiebt sich auseiner genauen Betrachtung dieser Schulordnungen, daß in der That ihre Verfasser dieentschiedene Absicht gehabt haben, die mittleren Stände des Volkes durch die Schulenzur Frömmigkeit und Bildung, zwischen welchen jene Zeit noch keine Feindschaft kannte, zuerheben. Offenbar haben Luther und Bugenhagen diese mittleren Schichten des Volkesim Auge. Ueberall ist die Rede davon, daß aus solchen Jungfrauen, die das WortGottes gefaßt haben, fromme und verständige Hausmütter hervorgehen sollen, die ihrGesinde regieren und die Kinder im Gehorsam auferziehen können. Ja Luther faßtin seinem Schreiben an die Christen zu Riga seine Bemühungen um das Schulwesenin die Worte zusammen: „Ich habe nun viel gepredigt und geschrieben, daß man inStädten sollte guteSchulen aufrichten, damit man gelehrte Männer und Weiberaufzöge rc." Was uns aber heute gering scheint, war für jene Zeit, in welcher fürdie weibliche Bildung der mittleren Volksschichten überhaupt fast nichts geschah, schonetwas großes. Da ferner ein Schulzwang damals überhaupt nicht bestand, sonderndie Pflichten gegen die Schule etwa so angesehen wurden, wie die gegen die Kirche,so gehörte schon immer eine gewisse Erhebung über den materiellen Druck des Lebens'dazu, daß eine Familie ihren Töchtern den einigermaßen regelmäßigen Schulbesuch ge-statten konnte. Wenn daher gelegentlich davon geredet wird, daß auch in Dörfernsolche Mädchenschulen angelegt werden sollten, so sprach sich in solchen Hoffnungenein Idealismus aus, der in so schwungvoller Zeit leicht erklärlich, doch noch heute aufdie Erfüllung seiner Hoffnungen wartet. Fassen wir alle Züge des damals sehr regenLebens auf dem Gebiete des Unterrichts ins Auge, so stellt sich der Zustand des Mäd-chcnunterrichts jener Zeit etwa so dar: Neben den lateinischen Schulen, welche vor-nehmlich für den gelehrten Beruf vorbereiteu sollten und daher nur von Knaben besuchtWurden, standen diese sogenannten deutschen Schulen, in denen wir eben so sehr denAnfang der späteren deutschen Volksschule als den der mittleren und höheren Bürger-schule zu erkennen haben. Diese deutschen Schulen, meist als Pfarrschulen an diekirchlichen Verhältnisse angelehnt, wurden fast überall von Knaben und Mädchen be-sucht, wie denn auch in denselben Lehrer und Lehrerinnen wirkten. Auch die Anfängeder Dorfschulen, die zunächst bloße Hülfsanstalten der Pfarrer für den Unterricht derJugend im Christenthume waren, bildeten sich später den deutschen Schulen ähnlichweiter aus, und werden oft selbst so genannt. Aber in den größeren Städten gab esin der Reformationszeit neben diesen deutschen Schulen noch besondere Mädchenschulen,Welche, trenn sie im ganzen nicht eben eine besondere Erweiterung des Pensums er-