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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenschule.

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Italien die Liebe zu den Wissenschaften erwachte, begeisterten sich für dieselben nichtwenige Frauen, fügten dem Studium der lateinischen das der griechischen Sprache hinzuund machten in beiden Verse. Gegen das Ende des Mittelalters wird wissenschaft-licher und vorzugsweise sprachlicher Unterricht für die höhere Bildung der Mädchenüberall für nöthig erachtet, Lud. Vives und Erasmus betrachten die geistige Zucht der-selben für das heilsamste Gegenmittel gegen die Sittenlosigkeit und den gefährlichenEinfluß weltlicher Lcctüre. Ganz respcctabel ist die Zahl der geistlichen und weltlichenSchriften, welche der Erstere in seinem Buche äs institutions ollristisnso koorninso(lidsr I. o. V.) zur Lectüre der Frauen empfiehlt: „porro guinsrn libri sind IsAsnäi,äs guibusäsru nomini non oonstst, vslnt äs Dvsngsliis Domini, äs ^po^tolioistum actis, tum spistolis, äs llistoriois st inorslidus vstsris instrumsnti, äs 65pris.no,Lisron^mo, -dnAustino, Ambrosis, Oür^sostomo, Dilsrio, EreZorio, Dostüio, DuiZen-tio, Dsrtullisno, Distons, Oiosrons, Lsneos st siinilibus." Zu diesen kommendann in seinem kurzen Schriftchen „äs pusllsruin institntiono" noch „Drssmi insti-tutio prinoipis, Lnolliriäion, Darspllrssss st siis ejus perinults piststi utiiis,Düomas Llori Utopia." „läistorism" fährt er fort, „potsrit Isvitsr oognososro oxäustino st 6. Dioro st Vslsrio Llsximo. Das Lesen der h. Schrift wird bereits indie Zeit der Morgen- und Abendandacht verwiesen: inter dass omnis st oum sur-xit 0 lsoto, st oum it ouintum, sliguiä guotiäis sx novo tostsmsnto lögst. Dazukommen dann die „xostas oüristisni, guos suounäum kruotuosumgus orit iegors,veiut Druäsntius, Lz-äonius, Dsuiinus, Orator, Drospor, luvsnous sto." Bei diesenStudien sollen die Mädchen Collectaneenhefte halten, in welchen fortdauernd selteneWorte, elegante Redewendungen, inhaltvolle Sentenzen, lehrreiche Thatsachen einge-tragen werden müßcn. Natürlich kommt den armen Jungfrauen Lei alledem das Lexi-con nicht ans der Hand (s. das letzte Capitel der iustitutio pusllsruin). Der Grund-gedanke dieser ganzen Art weiblicher Bildung, über welchen man seit dem Alterthumenicht hinansgekommen war, und der einfach darin bestand, daß die Frauen soweit wieeben möglich in die Gelehrsamkeit der Männer eingeführt werden müßten, tritt sehrdeutlich hervor, wenn man die obengenannte Anweisung des L. Vives äs institutionsxusiisrum mit der von ihm in demselben Jahre 1523 verfaßten Schrift äs säolos-osutum institutions vergleicht. In beiden wird dieselbe Strenge der grammatischenMethode gefordert und für die Mädchen nur vom Griechischen abgesehen. Vives selbstspricht jenen Grundgedanken des bloß quantitativen Unterschiedes zwischen männlicherund weiblicher Bildung (äs instit. losminss ollrist. lil>. I. 0. IV.) mit den einfachenWorten aus: Lt in äisosnäo guiäern nulium, ut viro, sio nogus ksminss Lnomststuo, nisi guoä virum piurium so vsrisrum oognitiono rsrum instruotum ossspsr sst sto.

Der Abstand dieses Standpnnctes, dem das innere Leben des Weibes noch soverborgen war, von der Tendenz unserer heutigen höheren Mädchenschule, welche daraufausgeht, der weiblichen Denkweise und dem weiblichen Berufe überall Rechnung zutragen, liegt auf der Hand, und doch ist dieser Mangel des frühem Mädchenunterrichtesnoch immer gering anznschlagen im Vergleiche mit andern Mängeln. Immerhin warenes doch überaus bildende Elemente, die dem Geiste der so unterrichteten Mädchen dar-geboten wurden, und die nüchterne Zucht der grammatischen Methode mochte, wie siesich an den Jünglingen durch Beförderung logischer Schärfe und geistiger Gewecktheitheilsam erwiesen hatte, auch der weiblichen Geistes- und Gemüthsentwickelung, die jaso leicht eine verschwimmende wird, eine gewisse Haltung gewähren. Was aber dieseganze Richtung auf gelehrte Bildung der Frauen im Alterthume sowie im Mittelalterzu einer sehr niederschlagcnden Erscheinung macht, das ist die. geringe Anzahlderer, denen sie zu gute kam, der durchaus private und zufällige Charakterderselben und der vollständige Mangel eines öffentlichen Interesses dafür, daßauch das weibliche Geschlecht des allgemeinen Eulturfortschrittes theilhaftig gemacht