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Mädchenschule.
weiblichen Lebens im klassischen Alterthum, der wir in der Schule des Pythagorasbegegnen, bringt es nicht zu einem Begriffe eigentlich weiblicher Bildung. Wie vielGutes die Pythagoreerin Theano in ihren Briefen z. B. über Verweichlichung derKinder (an Eubule) und über verständige Behandlung der Sklavinnen und Mägde(an Kallisto) sagt, wie wohlthuend die Schrift derselben „über die Frömmigkeit", sowie diejenige der Pythagoreerin Phintys „über die Selbstbeherrschung" und die derPesiktione „über die Harmonie des Weibes" und „über die Weisheit," namentlichgegenüber manchen weiblichen Schriftstellerinnen unserer Zeit uns anmuthen, ja wienahe die letztere in dem letztgenannten Buche dem Wesen der intellektuellen Bildungdes Weibes zu kommen scheint, wenn sie die Weisheit darein setzt, „daß man diePrincipien von allem erkenne (s. Mädchenbildnng S. 499), so enthalten doch alle dieseSchriften bei näherer Betrachtung nichts anderes, als eben die Philosophie des Pytha-goras überhaupt. Die sittlichreligiösen Maximen, die hier empfohlen werden, sinddieselben, von denen Pythagoras das Leben seiner Jünger überhaupt getragen wissenWill. Frömmigkeit der Grund, Musik und Gymnastik die Mittel, Selbstbeherrschungund dadurch innere Harmonie des Verstandes und Willens das Resultat der Bildung.Es kommt da schließlich auf das Urtheil Platos hinaus, daß die Anlagen der Weiberdenen der Männer ihrer Natur und Art nach wesentlich gleich und nur durch die weib-liche Schwäche von denselben unterschieden seien. Darin spiegelt sich die antike Ansichtvom Weibe, welche durch den Vorwurf der Schwäche alles zurücknimmt, was sie ge-legentlich der Weiblichkeit zugiebt; eine besondere und eigenthümliche SphäreWeiblicher Natur und Bildung wird ebensowenig, als die Gleichberechtigungbeider Geschlechter in Betreff der höchsten Lebensgüter mit Entschiedenheit ausgesprochenund anerkannt. Im Mittelalter war die Richtung des germanischen Geistes der in-tellektuellen Bildung der Frauen viel günstiger als im Alterthum. Das uralte ger-manische Vorurtheil, daß geistige Bildung der männlichen Kraft cntgegenwirke, wie essich einst in dem Auftreten der ostgothischen Großen gegen Amalasuntha's Erziehungs-plan offenbarte, sprach sich auch in späterer Zeit noch in dem Mangel eigentlicherSchulbildung der Männer aus, wie z. B. bei Wolfram von Eschenbach und vielenMinnesängern, die sich ein „Singerlein" halten mußten, um ihre Dichtungen an die-jenigen zu bringen, denen sic gewidmet waren. Jemehr man dagegen das weiblicheWesen schon in der Urzeit den Geheimnissen der Wissenschaft und der Religion nahe-stehend dachte, und jemehr die Bildung des Mittelalters an die Kirche sich anlehnte,desto natürlicher mußte es erscheinen, wenn die Frauen die Sprache der Kirche erlerntenund ihre Muße durch gelehrte Studien ausfüllten. So beginnt schon mit den Töch-tern und Schwestern Karls deS Großen, wie wir aus dem Briefwechsel Alcuins mitihnen ersehen, die lange Reihe der Frauen, denen Verkehr mit Gelehrten und wissen-schaftliche, namentlich sprachliche Studien zum Lebensbedürfnisse geworden waren. Zwartritt diese Richtung zunächst in engste Verbindung mit dem in den Vordergrund ge-stellten Streben nach Heiligkeit des Lebens und es sind eben die heiligen Schriften, so-wie die Erklärungen derselben, auf welche jene Beschäftigungen zuerst gerichtet waren;aber die Sprache als solche, die grammatische Kenntnis und Erlernung derselben er-scheint doch auch bei Karl dem Großen schon als hauptsächlichster Unterrichtsgegenstand,der mit den Töchtern getrieben, während des ganzen Mittelalters als wesentlicherTheil des höheren weiblichen Unterrichtes angesehen wird und neben dem religiösenund dem Unterrichte im Spinnen, Weben rc. den eigentlichen Inhalt der weiblichenBildung ansmachte. Den günstigsten Boden für diese gelehrte Richtung boten dieFrauenklöster dar und in ihnen wurden, wie aus der Korrespondenz des Bonifaciushervorgeht, von den Nonnen nicht nur biblische Bücher abgeschrieben, sondern auchweltliche Wissenschaften gelegentlich gelehrt. Mit der Zeit traten die gelehrten Studienimmer mehr in den Vordergrund; nicht nur die Töchter der Fürsten und Edeln, son-dern auch die der reicheren Bürger eignen sich diese Art der Bildung an, und als in