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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädcheninstitute.

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ja sogar die verständigste, an der Aufgabe, den leichtfertigen oder störrischen Sinn derTochter zu brechen, verzweifelt! Wenn Friedländer (a. a. O.) für diesen Fall aus-ruft: „O, gute Mutter, erstirbt dir das Wort auf der Lippe vor Schmerz über deinKind, schließe eS in die Arme, benetze sein Haupt mit Thränen, bete über demselben,und du wirst die Eisrinde von dem Herzen deines Kindes lösen, du wirst wirken, woGonvernantinnen und Vorsteherinnen mit ihrem süßlichen Sermon oder ihrer keifendenRede die Seele kalt lassen rc.," so ist dagegen zu sagen, daß der Erfolg keineswegsimmer so sicher ist, und daß auch eine rechtschaffene Vorsteherin über dem verirrtenKinde beten kann nnd wird. Es giebt Fälle, in denen geradezu eine Entfernung ausdem Hause, die Zucht eines strengen Institutes, die Einwirkung fremder Personenund Verhältnisse, der ganze Mechanismus des Jnstitntslebens mit seiner unerbittlichenKonsequenz das beste, ja das einzige Mittel ist, ein verirrtes Gemüth znr Selbster-kenntnis zu bringen. Freilich müßte ein solches Institut entweder durch die geringereZahl der Pensionairinncn fähig sein, auf die Individualität eines solchen Kindes ein-zugehen, oder es müßte, wie etwa die sogenannten Besserungs- und Strafanstalten fürdie Kinder der unteren Stände, überhaupt schon durch seine ganze Einrichtung einesolche negative Tendenz haben. Das erste sind die Institute gewöhnlich nicht, ja dieRücksicht auf die Individualität ist einer ihrer schwächsten Puncte, das andere werdensie schwerlich von sich gelten lassen wollen, obwohl ein bedeutendes Kontingent ihrerPensionairinnen allerdings aus solchen besteht, an denen frühere Fehler der Erziehunggut gemacht werden sollen, oder deren Erziehung im Hause nicht gelang. Tritt alsoein solcher Fall ein, so wird es lediglich vom Zufalle abhängen, ob die Eltern eineAnstalt, wie die gewünschte, wirklich finden.*) Und hier tritt der wichtigste Mangelunsers ganzen weiblichen Jnstitutswesens hervor. Denn wenn von ganzem Herzen zu-gegeben werden kann, daß es treffliche Anstalten dieser Art, pflichttreue, wahrhaft ge-bildete und von dem Geiste echter Religiosität tief durchdrungene Vorsteherinnen solcherInstitute giebt, so muß noch immer eingewendet werden, daß alle Garantien für dieTüchtigkeit dieser Institute nur an der Person haften. In dieser Zufälligkeit offenbartsich, daß die weibliche Jnstitutserziehung in den Organismus unsers gesammten Er-ziehungswesens in der rechten Weise noch nicht eingeordnet ist. Ja man kann sagen,daß wir auch in der Theorie noch die nöthige Klarheit über diesen Punct suchen unddaß eben darum in der Praxis so viele Unsicherheit und so viel innerer Widerspruchherrscht. Wenn man, wie K. V. Stoy (Encyklopädie der Pädagogik S. 283 f.) esthut, die Forderungen an das weibliche Erziehungsinstitnt dahin resumirt, daß einemöglichst kleine Anzahl von Zöglingen in demselben ausgenommen werde, so istdas zu unbestimmt. Was heißt „möglichst klein?" Ein Institut kann viele Zöglingeaufnehmen, wenn es richtig organisirt ist. Die Frage nach dem Verhältnisse der weib-lichen Natur zu dieser Erziehungsform greift tiefer. Sieht man auf den historischenAnfang unserer modernen Weiblichen Erziehungsinstitute, so erkennt man leicht, wie die-selbe wesentlich auf einer Korruption des häuslichen Lebens beruht. Wenn man nunin neuerer Zeit lebhaft von der Nothwendigkeit durchdrungen ist, daß die Erzie-

*) Von einem solchen Falle hat Refer. einmal den ersprießlichsten Erfolg gesehen. Ein sonstliebenswürdiges, aber überaus leichtfertiges Mädchen von etwa 13 Jahren hatte durch immerwiederholte Rückfälle in ihren Fehler alle Mittel, welche das Haus und die Schule anzuwendenvermochten, erschöpft. Der Vater lebte nicht mehr. Die Mutter, eine wackere Frau, war inVerzweiflung und ihre heißen Thränen hatten das Kind zwar immer sehr gerührt, aber nicht ge-bessert. Sie entschloß sich zu dem Schritte, der ihr schwer genug wurde, das Mädchen in einewirkliche Besserungsanstalt zu geben. Die Wirkung war vollständig. Nach einem halben Jahrekehrte das Mädchen mit tiefem Ernste und tiefem Danke in das mütterliche Haus zurück. IhrLeichtsinn, von dem bereits alles zu fürchten gewesen war, war für immer abgethan. Sie istheute die brave, herzlichfromms und liebenswürdige Gattin eines geachteten Kaufmanns in T.,und erzieht ihre Kinder auf die verständigste Weise.