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Mädcheninstitute.
Heimat werden soll, auf immer zu entzweien. Wie wohlthuend sticht es gegen dieVerkehrtheit dieser eleganten Erziehung ab, wenn wir hören, daß in den Herrnhutischenweiblichen Pensionsanstalten die jungen Mädchen gcnöthigt werden, wöchentlich mehrereStunden alte Kleider rc. zu flicken! Von anderer Seite wird in der weiblichenLeitung, welche in diesen Instituten fast durchgängig gefunden wird, eine Veran-lassung zu mancherlei Anklagen und oft mit gutem Rechte gesucht. Zwar findet Viuetgerade darin den eigentlichen Vorzug der Pensionsanstalt, daß in derselben eine „weib-liche Inspiration" von Seiten der Vorsteherin möglich sei; aber diese Inspiration wird,wie oben dargethan, der mütterlichen niemals gleichgestellt werden können. Vielmehrist es gerade die Einseitigkeit weiblicher Einwirkung und der enge, nicht selten geradezubeschränkte Gesichtskreis der Frauen, insbesondere der unverheirathet gebliebenen, auswelchem für die Erziehung der Mädchen große Nachtheile hervorgehen können. Dieübertriebenen Ansichten über das, was der äußere Anstand fordere und verbiete, dasGewicht, welches oft sauf sittlich gleichgültige oder minder bedeutende Dinge gelegtwird, können das sittliche Urtheil der Jugend sehr leicht irreleiten und die schneidendeHärte, in welche die weibliche Natur dann nur zu leicht umschlägt, wenn sie, von Vor-urteilen beherrscht, zum Herrschen berufen ist, kann das jugendliche Gemüth auf un-heilbare Weise verletzen. Schließlich kann nicht geleugnet werden, daß das Vorhanden-sein dieser Privatinstitute ein Hindernis für die Entwickelung der höherenMädchenschulen gewesen ist und noch immer ist, denn es werden diesen Schulendurch sie immer noch manche Elemente entzogen, die ihnen wünschenswert sein müßen,und in manchen Schichten der Gesellschaft werden gerade durch diese Institute noch im-mer gewisse schädliche Vorurtheile genährt.
Aller dieser Bedenken ungeachtet muß nun aber gesagt werden, daß Mädchenin-stitute unter Umständen sehr segensreich wirken können. Dafür sprechen so mancheAnstalten, welche von hochachtbaren, wahrhaft gebildeten, im besten Sinne frommenFrauen geleitet werden. Die Frage: „Sind Mädchenpensionen unter jeder Bedingungverwerflich?" welche Doris Lütkens geb. v. Cossel in Hamburg (Blätter für weib-liche Bildung von vr. Seinecke S. 221) aufgeworfen und behandelt hat, werden wir,auch wenn wir mit den Gründen nicht einverstanden sind, mit ihr allerdings nicht ohneweiteres bejahen können. Für Mädchen, die ihre Eltern oder auch nur die Mutterverloren haben, muß eine weitere Erziehung gesucht werden, und nicht immer findetsich eine Verwandte oder eine Familie, welche geneigt oder geeignet wäre, diese zuübernehmen. Auch giebt es noch manche andre Gründe, welche die Eltern selbst be-stimmen können, ihre Tochter aus dem Hause zu thun. Es giebt ganze Stände undganze Völker, in denen eine Neigung, die Kinder, vornehmlich die Töchter, außer demHause erziehen zu lassen, vorherrscht. In Frankreich, wo man schon den Säugling inPension brachte, war, ehe weltliche Erziehungsanstalten errichtet wurden, für die höhernStände lange Zeit das Kloster die hergebrachte Erziehungsstätte der Mädchen. InEngland gab es seit dem 16. Jahrhunderte eine Menge von Erziehungshäusern, undin größern Handels- und Seestädten haben die Pensionsanstalten von jeher ein günstigesTerrain gefunden. Gutes und Schlechtes läuft da in den Motiven durcheinander,Weltliche Geschäftigkeit und Vergnügungslust, welcher die Mühe der erziehenden Tätig-keit lästig ist, auch Wohl das Bewußtsein, daß das eigene häusliche Leben, wie es ein-mal beschaffen ist, den Heranwachsenden Mädchen Gefahren darbiete, und eine dunkleVorstellung davon, daß das weibliche Gemüth in der Stille sich entfalten müße, wasja schon die alten Germanen bewogen zu haben scheint, vornehme Jungfrauen in derNähe nationaler Heiligthümer und unter den Augen derer, welche dieselben hüteten,aufwachsen zu lassen. Und wie viele thörichte, schwache, eitle und weltlich gerichteteMütter giebt es nicht, wie viele Häuser, in denen die Tochter von Jugend auf die ver-derblichsten Eindrücke empfängt, so daß die mangelhafteste Jnstitutserziehung dagegennoch eine Wohlthat erscheint! Wie oft auch ereignet sich der Fall,, daß die beste Mutter,