Mädcheninstitute.
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Feind des Instituts ist die Freiheit. Hiermit geht wiederum ein gut Theil geistigerFrische verloren, und nicht selten wird dadurch auch die Gesundheit untergraben.Wenn in den Privatinstituten diese Verhältnisse weniger hervortreten, so leisten sie anchihrer ganzen Natur nach durch den Unterricht weniger, denn es treten hier andereUmstände ein, welche alle Gründlichkeit des Unterrichts von vorn herein ausschließen.Schülerinnen und Lehrer gehen ab und zu, wie in einem Taubenschlage, jene werdenohne Rücksicht auf den Standpunct ihrer Entwickelung unter ungleichartige Mitschüle-rinnen gesteckt und müßen zusehen, Wie sie sich in den Lehrgegenstand hineinfinden,diese arbeiten nach ureigenster Willkür, ohne Rücksicht auf die Mitarbeiter zu nehmenund ohne durch einen Lehrplan gebunden zu sein. Hemmt Planlosigkeit, wie C. v. Bon-stetten in einem harten aber wahren Worte sagt, nicht nur die Thätigkeit, sondernführt sie auch, gleich dem Müßiggänge, zu allen Lastern, so findet sich die Bestätigungdieses Wortes kaum irgendwo mehr, als in diesen Instituten. Denn es liegt auf derHand, wie sehr diesem ganzen Unterrichte alle intellectuelle Wirkung und alle sittlicheKraft abgeht, wie er zum Scheinwesen herabsinkt, wie sich Lehrer und Schülerin darangewöhnen müßen, auf den Segen der Arbeit zu verzichten, zu lehren und zu lernen,was nicht verstanden wird, sich mit dem oxus oporatum abzufinden, oder wohl garmit scheinbaren Resultaten zu prunken und schließlich so das ganze Leben zur Lüge zumachen. Wenn nun dessen ungeachtet gerade Bildung, höhere Bildung von derartigenAnstalten versprochen und den Eltern als Lockspeise vorgehalten wird, so giebt es Wohlschwerlich eine stärkere Verhöhnung alles dessen, was unter wahrer Geistes- und Ge-niüthsbildung verstanden werden muß. Welche Mittel in Anwendung gebracht werdenmüßen, um diesen Schein aufrecht zu erhalten, hat Friedlünder sa. a. O. S. 60) desweiteren auseinandergesetzt.
Neben den Bedenken, welche gegen die weibliche Institutserziehung aus der Ver-gleichung mit dem Hause und der Schule entspringen, giebt es noch einige andere, dieaus allgemeineren Gesichtspuncten hervorgehen. Sie treffen hauptsächlich diePrivatinstitute. Wenn gegen diese nicht selten der Vorwurf gerechtfertigt ist, daß sieaus Motiven des Eigennutzes und ohne alle pflichtmäßige Erwägung darüber, obein Beruf zur erziehenden und lehrenden Thätigkeit überhaupt vorhanden sei oder nicht,gegründet werden, so bedarf es keiner weiteren Auseinandersetzung der schädlichenFolgen, die sich an diese Motive anschließen müßen?') Zu diesen Folgen gehört nament-lich die von nicht wenigen Unternehmerinnen eingeschlagene Richtung auf ein blenden-des, vornehmthuendes, exclusives und gelegentlich amüsantes Leben inder Anstalt. Es giebt immer solche Eltern, denen die elegante Außenseite der weib-lichen Erscheinung imponirt, nnd es giebt in der weiblichen Natur Anlagen genug,Welche auch den Zöglingen eine solche Richtung auf den äußern Glanz des ganzenLebens wichtig und wünschenswerth erscheinen lassen. Alles wird höheren Ansprüchengemäß in der Anstalt eingerichtet, mit den liefern sittlichen Forderungen des Lebensfindet man sich kalt und vornehm ab und ein Werth wird nur darauf gelegt, daß diejungen Mädchen vollkommene und untadelige Damen werden. So wird systematisch derKeim für das häusliche Leben getödtet und, wie Madame Guizot in ihren Familien-briefen über Erziehung klagt, werden viele junge Mädchen durch die Pensionen in eineWelt geworfen, wo alles nur dazu dienen kann, sie mit derjenigen Welt, die einst ihre
Das sind die Pensionen, in welchen bei schlechter Kost und hohem Peusionsbetrag auchnoch bei jeder Gelegenheit, an Geburtstagen in der Familie u. dgl. namhafte Präsente von denSchülerinnen erwartet werden, deren Wahl man ihnen durch verständliche Winke erleichtert, wodie Vorsteherin alle Jahre 4 Wochen ins Bad geht und die Zöglinge einstweilen sich selbst über-läßt rc. Wo die Mädchen merken, daß sie nur die Waare sind, mit welcher speculirt wird, specu-lirt noch dazu unter sehr christlicher Phraseologie, da bringen sie freilich keinen Segen aus demInstitute mit. D. Red.
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