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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädcheninstitutc.

nünftiger Freiheit, hier eine abstracte Regel, der vielleicht alle frühem Gewohnheitenund die ganze Eigentümlichkeit des einzelnen widerstreben; dort eine tiefe Bekannt-schaft mit dem Wesen des Kindes und die Möglichkeit, in jedem Augenblicke seinerNatur, seiner körperlichen Disposition, seinem Charakter Rechnung zu tragen, hier eingetrübtes Bild von der Individualität des Kindes und die erheblichste Schwierigkeit,eine Ausnahme von der Regel zu gestatten, deren Exemplifikation schon gefürchtet wer-den muß. Nicht zu übersehen ist dabei, daß gerade an diesen Jnconvenienzen deseinen für den andern sich leicht eine Gereiztheit des UrtheilS, eine Erbitterungder leitenden Personen gegen das Kind und des Kindes gegen jene entzündet, welchezu-völliger Verkennung und zum Mißlingen der ganzen Aufgabe führen kann. Hefti-ger Widerstand gegen naturwidrige Beschränkungen, der nicht selten hervortritt, offen-bart dann leicht die pädagogische Rathlosigkeit der Jnstitntserziehung in eigentlichschwierigen Fällen. Namentlich wo Frauen an der Spitze stehen, wird dann dasganze Verhältnis sehr leicht ein^leidensch aftliches; es gilt einen Kampf um Seinund Nichtsein. Der stärkere Wille siegt, das Kind wird gedemüthigt oder aus derAnstalt verwiesen, gleichviel ob mit Recht oder Unrecht, und trägt den Stachel dererlittenen Schmach für immer im Herzen; oder, wenn etwa besondere Rücksichten dasAufsehen zu vermeiden rathen, das Kind triumphirt und hat mit dem Siege über seineErzieher vielleicht einen unersetzlichen Schaden an seiner Seele gelitten. Mit Rechtrügt Friedländer (a. a. O. S. 55) namentlich die pädagogische Jnconsequenz, die sichin solchen Fällen offenbart, das Ueberspringen aus einer Richtung in die andere, dasschnelle Verlassen einer überlieferten Form und die schnelle Verirrung in das entgegen-gesetzte Extrem. Sehr erheblich werden diese Uebelstände gesteigert durch den oft gerüg-ten Umstand, daß das Institut zu viel erziehe, ein Punct, den Jean Paul treffenddargestellt hat, wenn er sagt: „Wenn im Elternhanse sich das Erziehen ins Erlebenverbirgt und das Kind zum Vortheil seines Freiheitsgefühles und seiner leichten Em-pfänglichkeit alle Moral nur neben- und hinterher als Beigabe seiner Lebensfabel be-kommt, so fühlt umgekehrt in der Erziehanstalt das Kind, daß das Leben da nur demLehrer diene, und daß es selber nur als Marmorblock vorliege (Meißel und Hammerumfahren es überall in der Luft), damit so viel von ihm weggehauen werde, als bissich ein Erwachsener aus dem Blocke aufrichtet. Das geheime elterliche Bilden, unterWelchem das Kind als selbstwachsend erschien, steht hier als nackte Absicht enthüllt rc.

Nicht geringer sind die Bedenken, welche sich gegen den Instituts-Unterrichterheben. Nur wenige Anstalten dieser Art und zwar nur diejenigen, welche von derGemeinde ausgehen, auf Stiftungen oder Staatsunterstützungen simdirt sind und da-durch einen öffentlichen Charakter erhalten, der zugleich eine sorgfältige Aufsicht invol-virt, die Anstellung der geeigneten Lehrkräfte und die Festhaltung eines geordneten Lehr-planes möglich mgcht, können mit den Leistungen einer wohl eingerichteten höherenMädchenschule concurriren und ihren Zöglingen eine gründliche Bildung gewähren.Ganz unmöglich ist dies den Privatanstalten. Aber jene wie diese werden immexdarunter leiden müßen, daß die Bedingungen, unter denen eine rechte Lernfreudigkeitsich entwickeln kann, ihnen fehlen. Schon die ganze Stimmung, von der die Pen-sionärinnen im Institute im allgemeinen beherrscht werden, die stille Sehnsucht nachder Heimat, die sie treibt, vom ersten Augenblick an Wochen und Tage ihrer Verban-nung zu berechnen und jeder überstandencn Stunde als eines Gewinnes sich zu erfreuen,ist den Zwecken des Unterrichts nichts weniger als günstig. Was die absichtliche, im-mer heraus empfundene Hinweisung ans die Erziehungs- und Unterrichtszwecke, welcheden einzigen Inhalt eines solchen Lebens bildet, dazu thut, um die freie Gcistesent-wicklung zu hemmen, liegt auf der Hand. Es liegt ferner in dem ganzen Mechanis-mus solcher Anstalten, und je umfangreicher sie sind, desto notwendiger, daß demUnterrichte und der Arbeit für denselben ein n »verhältnismäßiger Th eil derZeit eingeränmt wird. Die Arbeit wird zum disciplinarischen Mittel, denn der größte