Mädcheninstitute.
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das Mädchen so gefährlich machen, denn es ist eben die weibliche Natur dieser Gefahr,sich in kleinliche Interessen zu verlieren, hauptsächlich ausgesetzt, weil sie von der Außen-welt nicht in dem Grade zur Thätigkeit aufgefordert wird, wie die männliche, vielmehrdarauf angewiesen ist, sich in der Stille des eigenen Gemüthes eine Welt zu schaffen,aus welcher sie die Antriebe zur Thätigkeit, zur treuen Pflichterfüllung, zum Fleiß undzur Arbeit dereinst entnehmen soll. Nichts ist, wie C. Rudolphi hervorhebt, demErstarken dieses innern Lebens, nichts der Heranbildung einer ernsten Lebensansicht sohinderlich, als jener Geschmack an den kleinlichen Interessen der Umgebung, jenes Be-dürfnis inhaltlosen Geschwätzes, jene Gewohnheit, sich durch unwichtige Dinge unter-halten und aufregen zu lassen. Offenbar wird durch diese nächste und erste Folge dergeselligen Erziehung in den jungen Mädchen sehr leicht der Grund zu jener Zerstreut-heit des Wesens, zu jener innern Leere, zu jenem oberflächlichen Geselligkeitsbedürfniffe,mit einem Worte, zu jener Aeußerlichkeit des Charakters gelegt, die wir sooft und so tief an den Frauen beklagen müßen. Aber diese Einwirkungen können leichttiefergehen. Mit dem Reize des Geheimnisses und der Gemeinschaft, mit dem Streben,sich andern Persönlichkeiten gegenüber geltend zu machen, und mit der natürlichen Kältegegen die Leiter der Anstalt ist mannigfache Versuchung zur Jntrigue, zur Schaden-freude und zur Impietät gegeben, von der Lüge nicht zu reden, die in solchen demHerzen so fremden Umgebungen zuweilen mit einer wahren Virtuosität geübt wird.Die Bessere wird gewiß zuerst erschrecken, Wenn sie dergleichen sieht, aber sie wirdschwerlich den Heldenmuts) haben, dagegen aufzutreten, und wird alle diese Dinge, diemit so heiterer Miene gethan werden', überhaupt selten in ihrer eigentlichen Unsittlich-keit erkennen. .
Nimmt man die sehr nahe liegende Möglichkeit hinzu, daß in der Menge derPensionärinnen, deren ganze Geschichte dem Vorsteher nicht immer bekannt, ja die ihmabsichtlich verhehlt sein kann, sich auch verderbte unreine Herzen befinden, erwägt man,was in den geheimen Herzensergießungen der jungen Mädchen untereinander verhan-delt zu werden pflegt, welche Erlebnisse in Wahrheit und Dichtung, welche Hoffnungenund Wünsche da zur Sprache kommen, und wie die Sehnsucht nach der Heimat, dieEinsamkeit, die Aufregung der Gefühle, vielleicht noch besondere schmerzliche Erfahrungenim Institute selbst, Zusammenwirken müßen, um die Macht jener stillen Einflüsse zuerhöhen, so wird man sich der Ueberzeugung nicht verschließen können, daß diese ganzegesellige Erziehung der weiblichen Institute in der That mit großen Gefahren verknüpftist, welche dem Hause völlig fremd sind.
Und diese Gefahren sind ferner schwer abzuwenden, auch wenn der Wille und derEifer dafür vorhanden ist; denn eben diese gesellige Erziehung macht die Berücksich-tigung der Individualität fast zur Unmöglichkeit. Schon durch die Mengeselbst wird der Blick für die Eigenthümlichkeiten der einzelnen geschwächt, noch mehrwird er getrübt durch die Wirkungen jenes Einverständnisses, welches sich bald unterden Pensionärinnen, den Leitern der Anstalt gegenüber, bildet, durch die Unwahrheitund Schlauheit, hinter welcher sich die wahre Natur der Mädchen gerade unter solchenVerhältnissen so leicht verbirgt. Und diese ganze Erziehung ist schon jim Principe derBerücksichtigung der Individualität ungünstig. Jnstitutserziehung ist eben auf Massen,auf die Gesammtheit gerichtet, nicht auf den einzelnen, der sich dem Organismus desGanzen unterordnen muß. Was bleibt auch bei einer größern Anzahl von jungenMädchen, die in jedem Augenblicke beobachtet werden sollen, übrig, als die Freiheitderselben durch die sorgfältigste Eintheilung der Zeit und durch die pünctlichste Kontrolleüber deren Beachtung unschädlich zu machen? Aber indem man die Gefahren der Freiheitauf solche Weise beseitigt, beseitigt man auch den Segen derselben und opfert die Ge-legenheit, die besondern Neigungen und Anlagen der einzelnen recht zu erkennen. JedeVergleichung des Hauses mit dem Institut fällt in diesem Puncte ungünstig für dasletztere aus. Dort eine natürliche Mitte zwischen notwendiger Beschränkung und ver-