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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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571
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Maria Theresia. Märchen, Fabel. 571 >

Literatur: Vor allem das genannte Werk von Helfert; sodann Oestexreich unterMaria Theresia v. vr. A. Wolf, Prof, in Pesth. Wien, Gerold 1855. Später wirdnoch manche Beiträge liefern das größere Werk über Maria Theresia von Arneth, vondem so eben der erste Band erschienen ist. Endlich die Vorträge von O. L. Gerichts-rath Beidtel: über österreichische Zustände in den Jahren 1740—1742 in den Sitzungs-berichten der kaiserl. Akademie der Wissenschaften. Band VII. Wien 1851.

Eiscnlohr.

Märchen, Fnlicl. Das Märchen ist eine kleine Märe: eine Erzählung, welchekeine großen Ansprüche macht auf kunstvolle, umfassende Ausführung, ein Phautasiegemäldemit nur da oder dort auftauchender tieferer Bedeutung, daher neben dem Kunstbauanderer epischer Formen nur wie eine poetische Arabeske erscheinend. Zu seinem Charaktergehört, daß der Stoff ein völlig erdichteter, wie erträumter ist, und daß in die Hand-lung überirdische Wesen und Mächte eingreifen. Diese Wesen, und das mag wichtigerscheinen, sind nicht die höchsten Mächte, sondern zwischen dem Göttlichen und Mensch-lichen stehende, nicht sowohl gute und Löse, als vielmehr holde und unholde Zauber-und Wundermächte. Das Märchen ist ein wirkliches Spielen mit dem Reiz desPhantastischen und Wundervollen, es behandelt das Leben nicht in der Form der ver-wickelten, von hemmenden Schranken umgebenen Wirklichkeit, es besiegt diese Schranken,wie sie in anmüthigen oder grausigen Träumen besiegt werden, und „bereitet, wiemancher Traum, durch seine Wunder dem Menschen das Gefühl der Lösung seinerNaturschranken." Das Wunder kommt nun aber zumal im- germanischen Märchengerne dem verfolgten Guten zu Hülfe, und zwar nicht der männlichen Tugend und demHeldenthum, sondern der kindlichen Unschuld und Gutmüthigkeit, dem holden Leichtsinn,der nicht sorgt und stets getrost ist, der rührenden schönen Dummheit, in welcher einegöttliche Anlage dunkel schlummert, und die vom Argen bedroht ist. Der Held desMärchens ist oft ein dummer Hans, ein jüngstes Brüderchen oder Schwesterchen, einWaisenkind, dessen die Zwerge sich annehmen; es handelt sich fast immer mehr umdas Glück, als um Verdienste und Arbeit.

Eine didaktische Beziehung hat daher das Märchen an sich durchaus nicht, währenddiese der Fabel eigenthümlich ist, als der Darstellung einer allgemeinen Wahrheitoder Regel der Lebensweisheit, zurückgeführt aus einen einzelnen Fall, der als Exempeldient. Charakteristisch ist für die Fabel ebenfalls, daß sie diesen Fall erdichtet, undzwar so, daß sie die den Menschen umgebende Naturwelt, vor allem die Thiere redenläßt, oder selbst leblose Dinge, Berge, Bäume, Töpfe u. dgl. Damit der Zweck nichtvon vorn herein als das Beabsichtigte erscheine, sucht sie naiv zu sein und thut alsob die Wahrheit erst aus dem Exempel gefunden würde, welches doch gerade dafürgemacht ist. Sie hat daher ein altkluges Wesen an sich; der Kluge, der schlaue Fuchsist ihr Held, während das Märchen, ein Kind der Phantasie, ohne Rücksicht auf ver-standesmäßige Anforderungen, harmlos von Wunder zu Wunder führt, die sich wievon selbst verstehen. Andererseits ist die Fabel übrigens ebenfalls der kindlichen Phan-tasie ganz nahe stehend, weil diese gewostnt ist, den leichten Uebergang von irgendeinem Menschenähnlichen oder menschenähnlich Gemachten zum Scheine des Menschlichenim Spiel und ganz von selbst zu machen. Das Menschliche hat aber ja auf dernatürlichen Stufe eine innige Verwandtschaft mit den Creaturen der Natur. DieKinder nun interessiren sich bekanntlich auch sehr für die Thierwelt, und es ist garnicht zu verwundern, daß zumal die Thierfabel ihre Aufmerksamkeit fesselt, das Epi-mythion aber, labula ckoost, gänzlich unbeachtet bleibt. Ihren Kunstwerth hat dennauch die einzelne Fabel nicht von der Moral, welche sie enthält, sondern von der Artund Weise, wie die Fabel erdichtet ist, ob der Fall an wirkliche Erscheinungen in derNatur gut und ungezwungen anknüpft, ob der Thiercharakter getroffen ist.

Beide, das Märchen und die Fabel, haben ferner das gemein, daß sie in dereigentlichen Kunstpoesie nicht mehr recht natürlich gedeihen: die eigentlichen, ächten