Maria Theresia.
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höheren Studieneinrichtungen veranlaßt sah, konnte diese nur in der bereits eingeschla-genen Richtung, der Steigerung der Omnipotenz des Staates erfolgen. Die staatlicheAufsicht wurde, „um eine gleichförmige, praktische und dauerhafte Studieneinrichtungzu erzielen," nur noch schärfer und bestimmter, der Geschäftsgang noch gebundener,die Macht der Directoren noch größer. Wie durch solche Ueberschreitungen der natür-lichen Grenzen des Staates gegenüber der Wissenschaft in eben dem Maße, wie früherdurch die Vorherrschaft der Kirche, die geistige Entwicklung des Universitätswcsens inOesterreich gehemmt wurde, ist eine bekannte Thatsache. Sie mußte um so eher ein-treten, als dadurch das formelle Recht der späteren Nachfolger einer Nt. Th. begründetward, die Gewalt des Staats nicht im Dienste einer freieren Richtung und der moder-nen Ideen, sondern reactionärer Tendenzen auszubenten, und auf diese Weise eine nurzu berüchtigt gewordene drückende Geistesherrschaft ansznüben, deren Einflüssen sich bloßdie ihrem Wesen nach unabhängigere medicinische Facultät mit Erfolg zu entziehenvermochte. Zunächst war es der oben gezeichnete, aufgeklärte realistische Geist, der sichauch bei der staatlichen Einrichtung der Universitäten und Ordnung der Studien durchBevorzugung der entsprechenden Fächer geltend machte. Derselbe trat aber auch in derStiftung einer Reihe höherer Fach- und Standesschulen für nützliche Staatszwecke schonin den ersten Jahrzehnten der Regierung M. Th. hervor. Im Jahr 1744 Gründungder ersten adelichen Akademie zu Kremsmünster, 1746 der theresianischen Ritterakademiein Wien selbst, 1752 der theresianischen Militärakademie zu Wiener-Neustadt, 1754der Militärpflanzschule in Wien und der Ingenieurschule zu Gumpendorf u. s. w.
Um so weniger gelang es, den elastischen Lehranstalten der Gymnasien vondiesem Standpuncte aus einen neuen wissenschaftlichen Geist und inneres Leben einzu-hauchen, ja bei dem Mangel an Verständnis ihres Wesens und ihrer Bedeutung hierauch nur wesentlichen Reformen den Weg zu bahnen, so nothwcndig sie erschienen.Sie waren bis jetzt größtentheils in den Händen der Jesuiten gewesen, die mit ihrerstreng formalistischen Methode weder ein lebendiges Verständnis des elastischen Alter-thums erzeugt hatten, noch irgendwie dem realistischen Zug der Zeit einige Concessionenzu machen gesonnen waren. Darum ward das Bedürfnis ihrer Umgestaltung und derVerbesserung der Studienordnung allgemein gefühlt. Von welch einseitigem Standpunctedieselbe nun aber versucht wurde, zeigte ein von Ritter v. Heß, Prof, der Geschichte inWien ausgearbeiteter und der Kaiserin mit Befürwortung Martinis vorgelegter „Entwurfzur Einrichtung der Gymnasien in den k. k. Erbländern, 1775," der darauf ausgieng, denUnterricht in den elastischen Sprachen ganz in den Hintergrund zu drängen, dagegenden Geschichtsunterricht, um den sich sodann Erdbeschreibung, Naturkunde und Mathe-matik gruppirten, zum Mittelpunct der neuen Schulverfassung zu machen. Das wardenn doch auch einer Maria Theresia zu stark. Andere Männer, wie Hofrath Gollaiund Bukenstok verwandten sich für den Plan, die griechische Sprache zur Hauptsache indem Gymnasialunterricht zu machen. Auch dieser ward verworfen. Dagegen gewannein von einem Piaristen, P. Gratianus Marx, in aller Stille ausgearbeiter und vonihm vorgelegter Plan (14. Oct. 1775) die Genehmigung der Kaiserin, durch welchendas Latein in seinen alten Rechten geschützt blieb und nur zugleich auf die Cultur derdeutschen Sprache hingewirkt und ziemlich viel an Realkenntnissen nebenher gelehrtwerden sollte. Infolge davon setzte sich auch die alte Unterrichtsmethode ans denGymnasien fort, da die von den Piaristen adoptirten Lehrgrnndsätze nnr eine Aus-führung der alten Jesuitenmethode waren. Die letztere blieb um so mehr herrschend,als durch das Edict v. 1773 zwar der Jesuitenorden aufgehoben ward, der Staat aberzur Besetzung seiner Gymnasiallehrerstellen in Ermanglung anderer vorgebildeter Per-sönlichkeiten an die Kräfte der einzelnen Jesuiten gebunden blieb.
Der hanptsächlichste Boden für die Thätigkeit der Kaiserin war aber das Volks-schulwesen ihrer Staaten. Hier war überall noch ungebrochenes Land. Zwar hattein den österreichischen Staaten mit der Reformation auch das Bolksschulwesen durch