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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Maria Theresia.

Zweifel erhabenen echt katholischen Gesinnung der Kaiserin, aus der bei allen ihrenReformen obwaltenden Schonung des katholischen Dogmas, sondern auch aus der infolgeder vorhandenen Sachverhältnisse von selbst sich ergebenden Nothwendigkeit, auf einemGebiete, das Neubildungen und Reformen dringend forderte, der Staatsgewalt ohnehäkliche Bedenklichkeiten einen breiten Raum zu schaffen.

So waltete denn M. Th., nachdem sie einmal zur Erkenntnis der Wichtigkeit dieserSeite des Staatslebens gekommen war, mit großer Freiheit und Ungebundenheit inner-halb desselben. In welcher Richtung das war durch das unmittelbare praktischeBedürfnis und den ganzen Zeitgeist von selbst vorgezeichnet. Es war die utilitarisch-realistische Strömung, der man zu folgen hatte. Und zwar tritt uns hier die bemer-kenswerthe Erscheinung entgegen, daß dies in Oesterreich und den seinem Anstoß fol-genden Ländern in einem Grade und in einer Ausdehnung geschah, wie es in demprotestantischen Theile Deutschlands nirgends der Fall war. Der Grund davon liegttheils überhaupt darin, daß hier kein Staatsschulwesen in der Bestimmtheit und Schärfesich ausbildete, wie in den österreichischen Ländern, theils aber und insbesondereauch darin, daß die katholische Kirche mit größter Willigkeit und Hingabe diesem Zugefolgte. Wie diese Thatsache, die sich auch sonst wiederholt, mit dem Wesen derselbenzusammenhängt, soll hier nicht auseinandergesetzt werden. Es ist nur darauf hinzu-weisen, daß sie trotz aller rationalistischen Färbungen und Anhängsel (vrgl. den Sagan-schen Katechismus) doch im abgeschlossenen und fertigen Besitz ihres Dogmas auchdamals sich sicher wußte und darum dem Gährungsproceß, der in protestantischenKreisen von Seiten der pädagogischen Bewegungen auch dem religiösen Gebiete drohteund eigenthümliche Spannungen herbeiführte, durchaus ferne blieb. Wir sehen daherim Schulwesen einer M. Th. unvermittelt mit einer Fülle strcngkirchlichcn Lehrstoffseine erschreckende Massegemeinnütziger" Kenntnisse in die Schulen eindringcn, um dieMenschender unglückseligen Unwissenheit, in welcher sie bisher ausgewachsen sind, zuentreißen" nnd dadurch das Wohl des Staats und der Einzelnen auf sichere Grund-lage zu stellen. Dennbei der innern Einrichtung der Schule muß hauptsächlich daraufgesehen werden, daß die Jugend vorzüglich in dem unterrichtet werde, was zu denPflichten des bürgerlichen Lebens gehört, die sie dereinst auszuüben verbunden seinwird" (Sonnenfels, Grundsätze a. a. O. S. 101 f.).

Damit sind die charakteristischen Grundsätze des österreichischen Schulwesens unterM. Th. gezeichnet. Bei der thatsächlichen Gestaltung desselben waren neben ihrereigenen Person eine Reihe von staatsmännischen Persönlichkeiten betheiligt, deren Rathsie sich gerne hingab, deren Thätigkeit sie bei der Ausführung ihrer Plane vorzugs-weise in Anspruch nahm. Unter diesen steht voran Gerhard van Swieten, durchseine Kenntnisse, sein persönliches Ansehen und die persönliche Gunst der Kaiserin derbedeutsamste Mann für die Reform des Studienwesens. Geboren den 7. Mai 1700zu Leyden, studirt er unter Boörhave daselbst Medicin, erhält später dort eine Anstel-lung als Professor der Medicin und als Arzt, durch Gegnerwegen seiner katholischenConfession" vom Lehramt entfernt, 1745 nach Wien als Professor an die medicinischeFacultät berufen, später Präses der medicinischen Facultät, Director des Medicinal-wesens, Mitglied der Studienhof-Commission, Präses der Büchercensur-Commissionund Präfect der Hofbibliothek, ßübt als solcher nnd als Leibarzt der Kaiserin einenmächtigen Einfluß auf die Kaiserin aus, den er von seinem freien dabei aber dochder französischen Philosophie entschieden abgekehrten Aufklärungs-Standpuncte auszur Bekämpfung des Jesuitenordens, zu einer Reform der Wiener und anderer Univer-sitäten und zur allgemeinen Förderung der modernen Bolksbildungstheorien zu benützenweiß, weswegen er auch im Jahre 1771 nur durch sein Alter sich abhalten läßt, indas neue (Volks-) Schulen-Oberdirectorium einzutreten, stirbt den 18. Inn. 1772.Neben ihm sind zu nennen: Johann Anton Reichsgraf v. Pergen, geb. den 15.Februar 1715 zu Wien, später in der diplomatischen Laufbahn verwendet, wird 1766