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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Maria Theresia.

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durch die Bedürfnisse des Staats hervorgerufenen und durch staatliche Fürsorge undMittel gepflanzten und gepflegten Schulwesens.Das Schulwesen ist und bleibet alle-zeit ein xolitiourn" (kais. Resol. v. 28. Sept. 1770) mußte ihr erster Grundsatz sein,der sie leitete. Und wenn wir gewöhnt sind, die Behauptung, daß die Schule eineTochter der Kirche sei, oft als eine unbestrittene und allgemeine zu hören, so trifft siewenigstens bei der österreichischen Volksschule nicht zu. Sie ist eine Schöpfung der welt-lichen Macht, die zugleich nun auch das schon bestehende Schulwesen durchaus in ihrenKreis zu ziehen suchte. Daß dies aber so war und kam, folgte aufs natürlichste ausden gegebenen Verhältnissen. So wie die Zustände waren, lag in ihnen selbst diedringendste Aufforderung für die Staatsgewalt, auf diesem Gebiete schaffend und refor-matorisch einzuwirken. Der Jesuitenorden, der an der Spitze des Unterrichts stundund unter dessen Einfluß einst wenigstens das höhere Schulwesen eine eigenthümlicheKraft entwickelt hatte, hatte sich auf dem Gebiete des Schul- und Erziehungswesensüberlebt und zeigte sich zugleich viel zu spröde und abgeschlossen, um die Keime undRegungen einer neuen Zeit in sich aufzunehmen; das Starre seiner Erziehungsprincipienund das Einseitige seines Unterrichtsstoffs, die bloß formalistische Behandlung derelastischen Sprachen, sein Mangel an nationalem, namentlich deutschen: Sinn und seineAbkehr vom Leben und der Natur, so wie seine Unfähigkeit, sich den Bedürfnissen unddem Willen einer andern selbständigen Macht zu unterwerfen, namentlich aber dieVernachläßigung aller Bildung des Volks forderten im eigentlichen Sinn die staatlicheMacht heraus, auf diesem Gebiete sebstthätig und ich möchte sagen, diktatorisch einzu-schreiten. Diese Richtung wurde dabei unterstützt und gefördert durch die in der ganzenZeitströmung liegenden weitgehenden Vorstellungen von der Hoheit der Staatsgewalt.Mochten unter Maria Theresia bei Durchführung ihrer Regiernngsprincipien verschie-dene Parteien einander bekämpfen, die Unterordnung des gestimmten Unterrichtswesensunter die Oberhoheit des Staates, seine ausgedehnte Verpflichtung im öffentlichen In-teresse, das Schulwesen in seine Hand zu nehmen, ja zu diesem Zwecke über alle fürSchule und Erziehung errichteten Stiftungen ungehindert zu verfügen und das individuelleRecht hiefür anfs stärkste zu beschränken, wurde von keiner Seite bezweifelt. Wie weitin dieser Beziehung die Begriffe giengen, weist am augenscheinlichsten ein Einblick indie Theorien eines Sonnenfels (Lehrer der politischen Wissenschaften an der UniversitätWien; s. bes. Grundlage der Polizei, Handlung und Finanzwissenschaft 3. A. 1770)nach. Merkwürdigerweise fanden die staatlichen Bestrebungen auch in der Kircheselbst nichts weniger als einen Widerstand. Es hatte (s. Wolf, Oesterreich unterMaria Theresia. Wien, Gerold 1855) im österreichischen Kaiserstaat nie jene Unab-hängigkeit der Kirche vom Staate bestanden, die man in der Regel in streng katholischenLändern voraussetzt. Vielmehr hatte der letztere von jeher, da wo jene mit den poli-tischen Formen der öffentlichen Ordnung zusammentraf, eine bestimmte Kirchenhoheit,ein Oberaufsichtsrecht als wichtiges Merkmal der Landeshoheit in Anspruch genommen.Als aber im Anfang des 18. Jahrhunderts das ganze öffentliche Wesen in eine neueStrömung kam, die alten corporativen Formen auf den: weltlichen und geistlichen Gebietewankten und von: Staatsleben überflutet wurden, konnte es nicht fehlen, daß man esganz natürlich fand, wenn die souveraine Gewalt alle öffentlichen Thätigkeiten concentrirte,auch Elemente aufnahm, welche bisher außer der Staatssphäre gelegen waren, undauf einen Boden übergieng, der unterdessen ziemlich brach gelegen war. Daher die füruns heutzutage kann: begreifliche, aber damals ganz von selbst sich ergebende Stel-lung der Kirche zu den Schulreformen einer M. Th., vermöge der wir jene in ihrenhöchsten Häuptern (vgl. z. B. die freundliche Zustimmung eines Cardinals, ErzbischofsMigazzi in Wien. Helfert a. a. O. S. 151 154) den Forderungen der Kaiserinüberall entgegenkommen und sich als das willige Werkzeug zur Ausführung derselbendarstellen sehen. Es erklärt sich dies nicht bloß aus der Anerkennung der über alle

Pädag. Eniyklopäbie. IV. Zg