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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Maria Theresia.

keine conservativere Natur als Maria Theresia, die mit großer Pietät am Alten, Herge-brachten hieng und ihre Scheue vor allem neuen nur mit großer Anstrengung überwand,und kein nüchterneres Wesen als ihre Natur, die von allem unklaren, phantastischenund von unbestimmter Planmacherei weit entfernt war. Aber gerade in Verbindung mitdiesem Hellen, lichten Blick, der sie nicht bloß alles nebelhafte scheuen, sondern auchdas Unzuträgliche und Unbefriedigende der gegebenen Zustände erkennen ließ, stand diepraktische Richtung ihres Wesens, welche sie auf das Nützliche, Brauchbare für Förde-rung der Lebenszwecke Nothwendige einen besondern Werth legen ließ und ebcndadurchhinwiederum für die Forderungen des Zeitgeists, so fern er weit ab von allem Jkealenauf die realen Bedürfnisse des öffentlichen Lebens gerichtet war, in ihren einzelnenBestrebungen besonders empfänglich machte. Diese Züge ihres Charakters im Bundemit ihrem lebendigen Nationalsinn, dem vollen Interesse für das Wohl ihrer Staatenund der festen außerordentlichen Willenskraft, die sie beseelte, erklären uns ihre eigen-thümliche Thätigkeit, wie auf andern Gebieten, so auch auf dem Felde der Schule.

Es ist für die ganze Art und Weise des Wirkens von M. Th. bezeichnend, daßwir diese Thätigkeit von ihr nicht mit Ungestüm ergriffen, sondern erst in dem letztenJahrzehnt ihrer vierzigjährigen Regierung hervortreten sehen.Da war es nicht bloß, alsob M. Th., die sich nach dem erschütternden Tode ihres Gemahls (Franz I., ff 1765)von den Regierungsgeschäften in die Mauern eines Klosters zurückzuziehen im Begriffwar, sich hätte von dem geräusch- und ränkevollen Tummelplatz der Wclthändel mitvorliebcnder Genugthuung in die friedlichen Räume der Schule flüchten wollte, wo siedie Kleinen zu sich kommen lassen, Mutter im weitern Kreise einer Familie sein konnte"(Helfert, die österreichische Volksschule. Prag, Tempsky, 1860, S. 599); sondernnach dem Schluß des verheerenden und erschöpfenden siebenjährigen Kriegs galt es auch,die schweren Wunden, die derselbe augenscheinlich dem Lande geschlagen hatte, zu heilen.Wie sollten die staatswirthschaftlichen Kräfte Oesterreichs, von deren Stärkung die politischeBedeutung des Landes abhängig war, gehoben, wie der Bann, der die Entwicklung einesfrischen, gesunden, regsamen Lebens und Strebend im Volke hemmte, gelöst werden?Diese Frage legte sich der denkenden Fürstin gerade jetzt nahe und führte sie zur klarenErkenntnis, daß die wesentliche Bedingung dafür neben anderem eine Förderung derbis jetzt unglaublich vernachlässigten intellectuellen Volksbildung sei. Denndie Er-ziehung der Jugend beiderlei Geschlechts ist die wichtigste Grundlage der wahren Glück-seligkeit der Nationen" (ans der Einl. der österreichischen Schnlordn. v. 6. Dec. 1774).Die aus solchen Erwägungen natürlich hervorgehende Sorge für entsprechende Beschu-lung des Volks hatte dabei in Oesterreich noch ein ganz besonderes politisches Momentfür sich. Legte sich einer Maria Theresia von selbst das Bedürfnis nahe, aus den nurlose verbundenen und durch die Verschiedenheit der Nationalitäten innerlich getrenntenTheilen ihres Reichs eine concentrirtere Großmacht zu bilden und sehen wir in Wirk-lichkeit durch ihre Regierungsprincipien und ihre Thätigkeit den Grund zu einemösterreichischen Gesammt- und Einheitsstaat" gelegt, so bot sich ihr in dem neugeschaf-fenen Schulwesen ein willkommenes Mittel dar, durch die in jenem gepflegte deutscheSprache und deutsche Bildung dem deutschen Element dasjenige Uebergewicht zu ver-schaffen, durch welches es zu einer beherrschenden und einigenden Macht werden konnte.Wie klar dies bereits in jenen Zeiten erkannt wurde, freilich auch noch oft ohne Ein-sicht in die schon damals dagegen sich erhebenden Schwierigkeiten und das dadurch be-gangene mannigfache Unrecht, das zeigt uns eine Reihe kaiserlicher Resolutionen, dieuns Helfert mitgetheilt hat (a. a. O. S. 466 f.). Die formelle Staatseinheit Oester-reichs, zu der in jener Zeit die ersten Bande geknüpft wurden, konnte auch neben denverschiedenst gegliederten Landesverwaltnngen in nichts klarer ihren Ausdruck finden,als in der ganz centralistisch von Wien aus stattsindenden Oberleitung aller Studien-anstalten des großen Reichs (durch die Studienhofcommission).

Bon selbst erscheint auf diese Weise M. Th. als die Gründerin eines staatlichen