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Malen.
kann, ja nicht einmal vermieden werden soll, ist gerne zuzugeben. In der Malereigiebt es, so gur wie in andern technischen Fächern, gewisse Dinge, die der Schüler ansdas erstemal nicht anzngreifen Weiß, nnd die sich ebenso jeder mündlichen Unterweisungentziehen. Mannelle Behandlungsarten nnd Kunstgriffe müßen also auch gezeigt undpraktisch vorgemacht werden. Die persönliche Nachhülfe des Lehrers wird aber nursoweit eine vollkommen berechtigte sein, als sie sich ans solche Fälle beschränkt, alsoüberhaupt dem Lehrzweck dient. Sie würde aber alsbald jede Berechtigung verlieren,sowie sie ans der Ungeduld des Lehrers hervorgienge oder nothgedrungen ins Mittelträte, weil der Schüler einer zu schwierigen Aufgabe nicht allein Herr werden kann.
7) Man lasse so viel als möglich den Anfänger nur solche Vorbilder copircn, dieer mit denselben Darstellungsmitteln nnd demselben Materiale wieder geben kann, Welchebeim Originale in Anwendung gebracht sind, nnd man dulde nicht, daß dieser wichtigeGrundsatz aus den Angen gesetzt werde. Denn es ist wesentlich das Material unddie Art seiner jedesmaligen Handhabung, die dem Kunstwerke, und so auch jedem Bilde,sein charakteristisches Gepräge verleiht, also das, was man Stil nennt, nnd es wäreein großer Jrrthum, diese sogenannte Technik als etwas isolirtes, vom geistigen Ge-halte der Kunst nicht durchdrungenes vorauszusetzen. Jede technische Darstellungsweiseschafft sich vielmehr ihren besonderen Stil, der ihr eingeboren ist und ohne sie nichtzur Aeußernng kommen könnte. Beim Copiren eines Bildes wird es sich aber stetsdarum handeln, das Original seinem ganzen Wesen und Geiste nach möglichst treuwiederzngeben, und es kann dies daher für den Anfänger auch nur unter gleichen Be-dingungen, d. h. mit den gleichen Darstcllnngsmitteln zu erreichen sein. Die äußernVerhältnisse beim Unterricht sind nicht immer der Art, daß diese Bedingung leicht zuerfüllen stünde. Ist der Lehrer nicht in der Lage, die Lehrmittel seinen eigenen Map-pen zu entnehmen, so können sie nur von anderen tüchtigen Künstlern erworben werden,was mit Rücksicht auf die nöthige Auswahl für den Lehrzwcck nicht immer leicht ist,überdies kostspielig werden kann. Es tritt daher häufig der Fall ein, daß man sich zudiesem Zwecke nicht eigentlicher Originalbilder, sondern gewisser Producte der Verviel-sältigungskunst bedient, wie colorirter Kupferstiche, Lithographien nnd Farbendrucke; undes muß anerkannt werden, daß es vor allen die letzteren in der Nachahmung von Ori-ginalbildern neuerlich sehr weit gebracht haben. Nichts desto weniger werden auch sieden Anfänger beim Copiren oft genug verwirren, da sie eben mit anderen Mitteln undauf mechanischem Wege entstanden sind. Sie entbehren daher unter allen Umständenjener persönlichen Unmittelbarkeit, die im Wesen jedes Originales ruht und so sehr ge-eignet sein muß, ein Gegenstand faßlicher und erfolgreicher Belehrung zu werden. EchteOriginalstudien oder gute Copien nach solchen von tüchtiger Künstlerhand werdenalso immer in der ersten Reihe der Lehrmittel stehen nnd allen anderen vorzuziehen sein.
8) Der Lehrer wird stets dahin zu streben haben, den befähigten Schüler über dasCopiren hinauszuheben und so weit zu fördern, daß er sich der unmittelbarenAuf-fassung der Natur zuwenden kann. Hierin erkennen wir das letzte Ziel des allge-meinen Unterrichts; denn was darüber hinaus läge, was also zu eigener Productionund Erfindung fortschritte, das könnte kein Gegenstand des öffentlichen Unterrichts mehr-sein und müßte unmittelbar in das Gebiet der höheren Kunst eintreten. Das Studiumnach der Natur wird dagegen bei der nöthigen Vorbildung von Seiten des Schülersdiesem den vollen Genuß freier Reproduction gewähren und ein Prüfstein seiner Be-gabung und seines Fleißes werden. Dabei mag der Lehrer sich bemühen, die individuelleAuffassung, die erst der Natur gegenüber im Schüler zur vollen Geltung kommen kann,gehörig zu würdigen, sie also mehr durch seinen Rath zu unterstützen und zu entwickeln,als eigenmächtig zu bestimmen.
Wir betrachten nun die einzelnen Zweige der Malerei, welche im Unter-richte Aufnahme finden, und deren Wahl theils durch specielle Zwecke, welche der Schülerverfolgt, theils durch eine gewiße Anlage und Vorliebe dafür bestimmt wird.