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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Malen.

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und ohne welche weder ein äußerer Erfolg, noch eine innere Befriedigung zu erwar-ten steht.

Wir gehen nun zur näheren Betrachtung unseres Faches über, so weit sein eigent-liches Wesen und sein Verhältnis zum Unterricht hier besprochen werden kann. Das Malenbietet streng genommen eine elementare Stufe nicht mehr dar, da es, wie schon obenbemerkt wurde, die letzte und höchste Form der zeichnenden Kunst bildet, somit auch dieGrundelcmente derselben, vor allem die volle Kenntnis im Zeichnen vorauszusctzen hat.*)Die Malerei verleiht nicht nur jedem Gegenstände die ihm eigcnthümliche Farbe oderFärbung, also seine Localfarbe, seinen Localton, sondern sie setzt auch diese Localtönein gegenseitige Beziehungen zu einander und schafft so ein, unter den Einflüssen desLichtes (Optik) und der natürlichen Erscheinnngsgesetze (Perspective), sich vollendendesGesammtbild. Die Malerei ist sonnt ein Mikrokosmus und eine sehr umfassende Thä-tigkeit, welche die verschiedenartigen Momente der bildlichen Darstellung, nämlich Zeich-nung, Modellirung, Farbe und Effect im Bilde zu concentriren hat. In der Ausübungnimmt sic naturgemäß einen freiem und selbständigem Charakter an, und erfordertdaher nur um so gebieterischer beim Schüler wie beim Lehrer gewiße Vorbedingungenund Rücksichten, ohne welche ein lohnendes Resultat nicht vorauszusetzen ist, nämlich:

1) beim Schüler ein höheres Streben, eine besondere Liebe für die Sache undeinen gewißen Grad von Begabung, die sich bei den Vorstudien desselben schon be-währt haben muß;

2) freie Verfügung über den nöthigen Aufwand an Zeit, da das Malen einestete Uebung und ein eingehenderes Studium erfordert;

3) als unerläßlich nothwendig eine gründliche Vorbildung im Zeichnenseinem ganzen Umfange nach, also auch im Modelliren (Schattiren) und in den Haupt-grundsätzen der Perspective. Wer in der Auffassung der Formen nicht unabhängigwäre oder die Abstufung der Töne, die Wirkungen von Licht und Schatten und dieGesetze der Modellirung, insofern durch sie die Gegenstände sich erheben oder vertiefen,also plastisch werden, nicht ausreichend in seiner Gewalt hätte, der würde auch zumMalen die nöthige Befähigung noch nicht besitzen. Da der Schüler, vor allem derDilettant, diese Rücksichten gerne außer Acht läßt und immer nur den Pinsel in dieHand nehmen möchte, so wird auch der Lehrer in keinem Puncte mehr Gelegenheithaben, seine Auctorität zu bethätigen, als in der Zurückweisung solcher unberechtigtenAnsprüche und in Ermahnungen zur Geduld;

. 4) eine vollständige Ausrüstung in Betreff des nöthigen Materials und einegute, ja vorzügliche Beschaffenheit desselben. Sie muß beim Anfänger um so mehrgefordert werden, als ihm ja die Gewandtheit nicht zuzumuthen ist, neben dem, wasihm obliegt, auch noch materielle Hindernisse zu besiegen. Sorglosigkeit in diesemPuncte führt denn auch Leim Unterricht sehr oft die verdrießlichsten Folgen und selbstein gänzliches Mißlingen herbei.

5) Der Lehrer endlich wird vor allem auf eine passende Wahl zweckmäßiger Lehr-mittel zu sehen haben, also auf Vorbilder, wie sie den schwachen Kräften des Anfän-gers entsprechen können. Er dulde nicht, daß der Schüler diese Wahl selbst treffe,oder etwa mit den Ansprüchen auftrete, diesen oder jenen Gegenstand aus irgend einerNebenrücksicht zu copiren. Denn nicht der Lernzweck, sondern der sinnliche Reiz desBildes bestimmt seine Wahl und verführt ihn nur allzu leicht, seine Kräfte zu überschätzen.

6) Die Vernachlässigung dieser wichtigen Regel, d. h. eines behutsamen, strengProgressiven Lehrganges müßte überdies einen anderen Uebelstand beim Unter-richt sehr begünstigen. Wir meinen das häufige Hineinmalen des Lehrers in die Ar-beit des Schülers, also das Nachhelfen. Daß dieses nicht ganz vermieden werden

*) Auch wir setzen sie hier voraus, dadas Zeichnen" einem besonderen Artikel Vorbehaltenbleiben muß.