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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
Seite
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Mag«. 543

vom ersten bis zum letzten Blatt sein glänzendes Talent, seinen literarischen Charakter,seine ganze spätere Art und Unart.

Sollen wir min sogleich auch einige der Schulbücher besprechen, die Mager, beson-ders zn Nutz und Frommen der höheren Bürgerschule, sowie überhaupt zum Vortheilder schulmäßigen modernen Sprachenkuude um eben diese Zeit in Stuttgart verfaßte,so kommen in Betracht erstens sein französisches Sprachbnch, das er im Sommer1839 schrieb und zu welchem sofort 2 Bände Lesebuch kamen, desgleichen die Chresto-mathie, und zweitens das entsprechende deutsche Elementarwerk ebenfalls in 4 Bänden.Von einem Manne wie Mager, der das Französische so tüchtig sich angeeignet, in dasfranzösische Ethos so hineingeschaut, dabei eine genügende Kenntnis der modernenSprachwissenschaft hatte, und außerdem ein allseitig gebildeter geistreicher Pädagogewar, mußte man zum voraus annehmen, daß er in seinem Sprach buch ein Neuespflügen werde, und so war es auch. Neben und in der Wortformenlehre erhalten wirzum erstenmal in schulmäßigem Gewände, eine französische Onomatik, und neben derWortlehre eine wirkliche elementare französische Syntax mit gehaltvollen Beispielen inMenge. Und während die meisten Schulbücher gleichen Namens Jahr aus Jahr ein sichin ihrem bekannten, Geist und Gemüth peinigenden Mechanismus des Französischlernensfortbcwegen, werden hier zuerst und in umfassender Meise Sprachformen, Lehrsätze,Regeln, ja die ganze Sprache, so weit dies möglich ist, rationell dargestellt; kurz, dasFranzösischlernen wurde mit diesem Buche erst ein geistbildendes Geschäft, dem ähnlich,welches tüchtige Lateinschulen treiben, ja es wurde sammt dem deutschen Unterricht inden Mittelpnnct des ethischen Unterrichts der Realschule versetzt. Was das Werk sonstim einzelnen noch kennzeichnet, giebt Mager selbst an. Er habe zuerst in einem Schul-buche die grammatischen und onomatischen Anschauungen in planmäßiger Ord-nung gegeben, so nämlich, daß keine Wort- und Satzform vorweg erscheint und ersthintennach erklärt wird; im Gegentheil, alles ist vorbereitet und vorbereitend; ebensotreten die Sprachstämme in lebendige Beziehung zu den Ableitungen, sowie auch dieabgeleiteten Bedeutungen eines Wortes immer erst nach der ursprünglichen kommen.Die Folge der Beispielssätze ist eine syntaktische, d. h. die Satz formen bestimmendie Aufeinanderfolge der Wortformen, kurz, die Wortlehre ist der Syntaxunter- und eingeordnet. Hiemit aber berühren wir eben den Punct, wo derVerfasser unseres Erachtens in seinem genetischen Verfahren einen Fehlgriff gethan hat.Vom Standpnnct der Sprachwissenschaft aus ist es allerdings das Alleinrichtige, aber,mit dem Schüler auf den Standpunct des schulmäßigen Unterrichts gestellt und garauf die elementare Stufe desselben, und wer hat ihn uns so klar gemacht, so scharfbeleuchtet als Mager? können wir in der obigen Anordnung keinen Fortschritt sehen.Wägers Verfahren, den Schüler sogleich ganz in die fremde Sprache zu tauchen, freutund erquickt zwar den Lehrer, weil er in diesem Wasser klar sieht und sich auch imWellenspiel zurecht findet; wie ergeht es aber bei einer Verbindung der Wortfor-menlehre mit der Satzlehre unfern Schülern, den Anfängern? Wer mit dem Lesen-und Aussprechenlernen, mit Declinations- und Conjugationssormen genug zu thun hat,vermag sich der nebenbei auch noch mit den syntaktischen Gliedern der fremden Spracheauseinanderzusetzen? Und wäre er auch durch den deutschen Unterricht in Bezug aufKenntnis der Satzlehre noch so gut vorbereitet, so laufen ihm doch die Fäden in derfremden Sprache, wo ihm eben alles fremd ist, lange Zeit bunt und wirr in einander.Bei den meisten Schülern pflegen erfahrungsgemäß noch nach Jahren die Ele-mente der Wortlehre und die Satzverhältnisse, die Casus und die Satzglieder unun-terschieden durcheinander zn schwirren, und das Ergebnis ist, daß rein gar nichts sichererkannt und fest eingeprägt ist, also Unbefestigtsein in den Elementen, der schlimmsteFeind alles Fortschritts beim Lernen. Sicherlich würde der Verfasser, wenn er seinSprachbuch einige Jahre lang in mehreren Classen hätte durchnchmen und sein Vor-haben einer neuen Bearbeitung bewerkstelligen können, demselben auch in dieser Nich-